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Damit Plattdeutsch nicht verstummt

Geschrieben von Peter Schniederjürgen

Uni Siegen erstellt digitalen Mundart-Atlas. Laptop und digitales Aufzeichnungsgerät liegen auf dem Tisch in der Stube des Hofes von Heiner Lüring in Tönnishäuschen. Der Hausherr hat Damenbesuch.

Dr. Petra Solau-Riebel (l.) erfragt Begriffe des Plattdeutschen. Für die Vorhelmer geben Hildegard Latzel und Heiner Lüring (M.) bereitwillig Auskunft. Foto: Peter Schniederjürgen Dr. des. Petra Solau-Riebel von der Universität Siegen ist zu Gast. Auch die Vorhelmerin Hildegard Latzel ist dabei. Doch was treibt das Trio? „Wir erstellen einen digitale Mundartatlas von Westfalen“, erklärt Dr. Solau-Riebel. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni und derzeit damit befasst, durch das Land zu touren und Sprachaufnahmen der lokalen Mundarten zu machen.

Und nun kam die Forscherin aus dem Siegerland ins Münsterland – auf den Hof Lüring. Der steht seit über 1000 Jahren an dieser Stelle, so ist es auf historischen Dokumenten belegt. „Meine Eltern sprachen immer miteinander platt, aber mit uns Kindern natürlich nicht“, sagt der Hofherr, der 1944 geboren wurde. Plattdeutsch galt damals nicht gerade als fein und wurde von den Kindern oft ferngehalten. Dennoch war es die Umgangssprache der damals Älteren.

Heute wird auf dem Hof als Umgangs- und Alltagssprache Hochdeutsch gesprochen. „Aber meine Enkel sind sehr interessiert und fragen immer wieder, was dieses oder jenes auf Platt heißt“, freut sich Heiner Lüring. Ähnliche Erfahrungen macht auch Hildegard Latzel. Die aktive Frau ist in Vorhelm nicht zuletzt durch die zahlreichen Plattdeutsch-Lesungen – insbesondere für den Heimatverein – bekannt. „Ich werde oft im Dorf auf Platt angesprochen. Nicht immer nur von den Älteren“, schmunzelt die Vorhelmerin. Sie findet schon einen verstärkten Drang zu der alten Kultursprache vor und hat auch den Kontakt zu Heiner Lüring an die Wissenschaftlerin vermittelt.

Für die Aufnahme der plattdeutschen Sprachtexte kommt moderne Technik zum Einsatz. Foto: Peter Schniederjürgen„Es sind so viele kleinteilige Unterschiede in den Mundarten. Die versuchen wir zu archivieren“, verrät die Doktorandin Solau-Riebel. Sie füllt mit ihren Kollegen eine digitale Sprachkarte für Westfalen. Das heißt: von der südlichen Grenze zu Rheinland-Pfalz bis hinauf nach Norden ans Niedersächsische. Dazu hat sie nicht weniger als 800 Fragen nach Worten, Begriffen, Redewendungen und auch Schimpf- und Schmähwörtern dabei. Bildkarten erfragen Dinge – und all das wird mittels digitaler Technik per Richtmikrofon aufgezeichnet. „Später werden diese Aufnahmen auf der digitalen Landkarte mit den einzelnen Orten verknüpft und sind mit einem Klick abrufbar“, kündigt Dr. Petra Solau-Riebel an.


Meine Enkel sind sehr interessiert und fragen immer wieder, was dieses oder jenes auf Platt heißt.

Heiner Lüring


Nicht jeder kommt für die Untersuchung in Frage. So müssen die teilnehmenden Personen mindestens 70 Jahre alt, im jeweiligen Erhebungsort geboren, aufgewachsen und bis heute durchgehend dort ansässig sein. Gar nicht so leicht zu finden in Zeiten der Mobilität. In Vorhelm aber war die Universität erfolgreich: So sitzen die drei Plattfreunde in der Stube und archivieren die schöne alte Sprache – vielleicht für die Ewigkeit. Dabei werden die originalen Aufnahmen der Sprecher auf der Sprachkarte festgehalten.

az logoAhlener Zeitung, Bericht: Peter Schniederjürgen

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