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Alter Freund beschert Glückstränen

Geschrieben von jüo

Stolze 84 Lenze zählt der Vorhelmer Spediteur im Ruhestand – und ist damit nur sieben Jahre älter als sein Daimler-Benz L 4500S aus dem Jahre 1941.

Drei Generationen der Familie Zimmerling machten sich mit ihrem Oldtimer-Lastwagen aus Vorhelm auf den Weg nach England: Horst (84), Felix (15) und Josef Zimmerling (53, v.l.). Foto: -jüo- Mit seinem Enkel Felix (15) und Schwiegersohn Josef (53) ist er mit dem 77 Jahre alten und noch immer rüstigen Lastkraftwagen durch Deutschland, Belgien und Frankreich Richtung Ärmelkanal und nach dem Übersetzen entlang der Küste bis zu einem besonderen Veranstaltungsort bei Tarrant Hinton in der Grafschaft Dorset gefahren. Zu dritt haben die Herren aus dem Hellbachdorf im Einheitsführerhaus aus Kriegszeiten sehr beengt gesessen, wobei Josef Zimmerling als alleiniger Fahrer das Gefährt bewegt hat. Es war dennoch ein Erlebnis.

„Da bekommt man beim Fahren dicke Beine und dicke Arme“, meint Josef Zimmerling rückblickend. Denn der Zehn-Tonner verfügt über fünf nichtsynchronisierte Gänge plus einem Rückwärtsgang. Beim Schalten bedeutet das Treten, Treten, Treten – denn ohne Zwischengas läuft nichts. Und an eine Servolenkung ist in dem doch recht engen und wenig komfortablen Einheitsführerhaus erst gar nicht zu denken.

Gefährt in Kleinarbeit restauriert

Das Einheitsführerhaus ist übrigens auch das Besondere an dem Kriegslastwagen. Denn wegen Materialknappheit hatten die Ingenieure in den 1940er Jahren eine gleichaussehende und aufgebaute Fahrerkabine für alle Lkw-Marken konstruiert und auf den Markt gebracht. Es bestand und besteht noch heute aus Holz und Presspappe, und ist gegen die Witterung entsprechend lackiert.

Das Gefährt hat Horst Zimmerling nach einem Tipp im Jahre 1981 aus dem Bayerischen Wald, wo es als Langholztransporter gedient hatte, geholt und es in dreijähriger Kleinarbeit restauriert.


"Das war schon ein Glücksmoment pur, bei dem auch mir die Tränen gekommen sind."

Josef Zimmerling


Seit dem 24. August 1984 präsentiert sich der Langhuber, unter dem ein 7,3-Liter-Dieselmotor mit 112 PS werkelt, immer wieder auf Oldtimerausstellungen und hat sich inzwischen nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland einen Ruf erarbeitet.

So ist sein Rat zu diesem Lkw-Typ immer wieder mal gerne gefragt, und es sind neue Freundschaften entstanden. Eine davon – die mit dem Briten James Noyse – sollte nach zehnjähriger Funkstille bei der Dorset Steam Fair Ende August wieder aufleben.

Horst Zimmerling und sein Oldtimer-Kollege James NoyseFestival in Dorset

James Noyse, in diesem Jahr mit einer auf einem Lastwagen montierten fahrbaren Jahrmarktorgel unterwegs, ist ebenso Besitzer eines Daimler Benz L 4500S. Fabrikneu nach dem Krieg übernommen, gab es in Great Britain keine Zulassung für den „left-hand-driving“ (Linkslenker), und so wusste auch niemand so recht, wie mit dem Fahrzeug umzugehen sein.

Vor sechs Jahren – es war Horst Zimmerlings zweiter Besuch bei der „Dorset Steam Fair“ – lernten sich die Männer kennen, fachsimpelten soweit das aufgrund der Sprachbarriere möglich gewesen ist – und verloren sich dann wieder aus den Augen.

Drei Zimmerling-Generationen in England

„Ich wollte unbedingt noch einmal zu dem Festival“, meint Horst Zimmerling. Erstens, weil es das 50. und er einer von zwei deutschen Bewerbern mit Teilnehmerzusage gewesen ist und zweitens, weil er auch Ausschau halten wollte nach seinem „verschollenen Freund“.

Der Mercedes LKW fühlte sich sichtlich unter seinen "Artgenossen" wohl.Und was Horst Zimmerling nicht zu hoffen gewagt hatte, trat dann doch ein: Beim Rundgang entdeckten sich beide und fielen sich in die Arme. „Das war schon ein Glücksmoment pur, bei dem auch mir die Tränen gekommen sind“, sagt Schwiegersohn Josef Zimmerling, der fortan all seine Englischkenntnisse abrufen und als Dolmetscher zur Verfügung stehen durfte.

Entspannung bei der Dorset Steam Fair: In den Mercedes-Benz LKW passt ja auch viel rein.Eintrag im Guinnes-Buch der Rekorde

Noyse sollte aber nicht der einzige sein, mit dem Fachgespräche geführt wurden, denn auch Bekannte aus Deutschland kamen zur Stippvisite am „Zimmerling-Oldie“ vorbei. Dass dann auch Tochter Marion und Enkelin Lina auf dem Veranstaltungsgelände dabei waren – sie waren per Flugzeug über London angereist – machte für Horst Zimmerling das Erlebnis perfekt.

Naja, beinahe perfekt, denn die 50. „Dorset Steam Fair“ stand dann auch noch unter dem besonderen Vorzeichen eines Weltrekordversuchs: Mehr als 500 rollende, aktive Dampfmaschinen wollten die Veranstalter gleichzeitig aufbieten, um damit im Guinness-Buch der Rekorde Einzug zu finden. Am 27. August hatten es die britischen Organisatoren geschafft und die ersehnte Urkunde erhalten. Da allerdings war Familie Zimmerling mit ihrem rollenden Oldie schon auf dem Heimweg . . .

 

az logoAhlener Zeitung, Bericht: -jüo-

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