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Kostenfragen vor Kompletterneuerung

Geschrieben von DocChicago

Mal unterschwellig, mal offensiv war am Mittwochabend Unmut spürbar. Nicht etwa, weil die Dorffelder Straße nach Jahren der Flickschusterei saniert wird. Das wird allgemein begrüßt. Vielmehr – so wurde bei einer Bürgerversammlung deutlich – sorgen sich Anwohner um weniger Sicherheit und höhere Kosten.

Rund 60 Interessierte verfolgten die Ausführungen zur geplanten Sanierung der Dorffelder Straße. Ungeachtet der Maßnahme, die generell als notwendig eingestuft wird, verwiesen einige Teilnehmer auf die ihrer Meinung nach hohe Verkehrsbelastung. Auch Kostenfragen nahmen sie in den Blick. Foto: Christian WolffEigentlich untersteht die Dorffelder Straße längst dem Kreis Warendorf. Dennoch hat die Stadt Ahlen bei der anstehenden Sanierung noch das Zepter in der Hand. „Wir haben uns verpflichtet, sie in einem ordentlichen Zustand zu übergeben“, erklärte Stadtbaurat Andreas Mentz am Mittwochabend bei einer Bürgerversammlung im Gasthaus Pelmke, in der sich rund 60 Anwohner über das Projekt informierten.

Rund sechs Monate – von Juni bis Jahresende – sollen die Bauarbeiten im Abschnitt zwischen Hauptstraße und Uhlenkamp in Anspruch nehmen. Einschränkungen für die Anwohner sind dabei unvermeidlich; der Verkehr muss umgeleitet werden.

Wie berichtet, sind Fahrbahn und Gehweg teilweise in desolatem Zustand, die Entwässerung durch Höhenversätze problematisch und die Mischwasserkanäle – eingebaut im Jahr 1968 – weisen Schäden auf, die von Betonkorrosionen bis hin zu Lageverschiebungen reichen. Bilder einer Kamerabefahrung, die bei der Versammlung auf Leinwand gezeigt wurden, belegten den Zustand. Daher wird die Erneuerung von Fahrbahn und Gehwegen direkt mit einer Kanalsanierung verbunden.

„An der tiefsten Stelle beginnen wir“, erklärte Robert Reminghorst , Experte aus dem Bereich Stadtentwässerung und Straßenbau. „Zunächst geht es unter Vollsperrung von der Hauptstraße bis zum Plaßkamp, in einem zweiten Abschnitt dann vom Plaßkamp bis zum Uhlenkamp.“ Der neue Kanal entstehe mittig unter der Fahrbahn. Derzeit befinde er sich weitgehend unter einem der Gehwege. „Die Hausanschlüsse werden entsprechend verlängert. Dafür entstehen für Sie keine Kosten“, so Reminghorst. Die Sorge um die Revisionsschächte nahm er einigen Anliegern ebenfalls: „Sie bleiben erhalten.“ Wer beispielsweise seine Einfahrt verlegen will, habe jetzt noch genug Zeit, dies der Stadtverwaltung mitteilen. Sobald die ausführende Baufirma feststehe, werden den Anwohnern auch Ansprechpartner vor Ort genannt, um individuelle Fragen zu klären, sagte Andreas Mentz.

Franz-Josef Berenbrinker störte sich jedoch am Wegfall der separaten Spur für den Radverkehr auf dem Bürgersteig. Der Stadtbaurat erklärte dazu, dass es den Fahrradfahrern künftig freigestellt sei, auf der Fahrbahn oder dem Gehweg zu fahren. Pkw- und Lkw-Fahrer hätten in jedem Fall Rücksicht auf Fußgänger und Fahrradfahrer zu nehmen. „Das dient hier meiner Meinung nach weniger der Sicherheit“, sagte Berenbrinker und zeigte auf, dass Radler, die auf der ohnehin nur sechs Meter breiten Straße fahren, für Verkehrsbehinderungen sorgen, Rückstaus verursachen und somit in Stoßzeiten mehr Gefahren mit sich bringen. Auch Schülerverkehr nahm er in den Fokus.


Für mich ist der Gehweg gut, wie er ist. Und hinterher sieht er genauso aus.

Jürgen Strob


 Hermann Himmelmann vom zuständigen Planungsbüro Gnegel aus Sendenhorst erläuterte, dass die Breiten vorgegeben sind. Von 2500 Fahrten am Tag sei aktuell die Rede. „Wir haben hier keine reine Anliegerstraße, es liegt eine mittlere Belastung vor“, sagte er – und sorgte für ein Raunen im Saal. Viele Anwohner schätzen die Belastung offenbar eher als „hoch“ ein. „Hier fahren am Tag zig Lkw und Güllewagen vorbei. Das ist die Realität“, sagte Erika Mathies. „Ich glaube, das können die Leute, die seit Jahren hier wohnen, am besten beurteilen.“ Andreas Mentz bekräftigte, dass sich am Zuschnitt der Straße eigentlich nichts ändere und auch die Tempo-30-Regelung zwischen 7 und 14 Uhr bestehen bleibe. Wer hier schnell fahre, verstoße gegen die Verkehrsregeln. Er bat daher darum, die Einschränkungen hinzunehmen. „Während der Bauarbeiten haben Sie keinen Durchgangsverkehr, auch keine Güllefässer. Sie können selbst entscheiden, was das größere Übel ist.“

Stadtbaurat Andreas Mentz


Wir haben hier keine reine Anliegerstraße, es liegt eine mittlere Belastung vor.

Hermann Himmelmann


Ein weiterer Knackpunkt: der Bürgersteig. Winfried Hammelmann verstand nicht, warum die Kosten dafür nicht auf die Kanalarbeiten umgelegt werden. Stattdessen müssten die Anwohner hier 60 Prozent übernehmen, insgesamt 122 451 Euro für alle 43 betroffenen Grundstücke. Auch Jürgen Strob sah das kritisch: „Für mich ist der Gehweg gut, wie er ist. Und hinterher sieht er genauso aus.“ Peter Hermes, der die Gebührenseite beleuchtete, verwies auf die Verbesserungen, die mit der Erneuerung einhergehen, zum Beispiel die Frostschutzschicht und den deutlich dichteren Unterbau, der längere Haltbarkeit verspreche. Mentz fügte an, dass andere Gemeinden durchaus 80 Prozent der Kosten auf die Anwohner umlegen. „Es ist ein schwacher Trost, aber der rechtliche Rahmen ist längst nicht ausgeschöpft.“

Die Planungen sind seit Donnerstag auch auf der Internetseite der Stadt Ahlen abrufbar.  www.ahlen.de

Ahlener Zeitung, Bericht: Christian Wolff