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Anwohner starten Bürgerbegehren

Geschrieben von Heiner Klostermann

Die Anwohner von Pfitznerweg, Agnes-Miegel-Straße, Friedrich-Castelle-Weg und Karl-Wagenfeld-Platz bringen ein Bürgerbegehren auf den Weg. Sie sind dagegen, dass ihre Straßen – wie vom Rat im Dezember mit knapper Mehrheit entschieden – umbenannt werden. Dafür müssen sie nun 2500 Unterschriften sammeln.

 

Bereiten das Bürgerbegehren vor: Heinrich Witkenkamp, Dirk Hachmeister, Franz-Josef Fährenkemper, Hartmut Köhler und Dr. Detlef Girke (stehend v.l.) sowie Bärbel Köhler, Martin Lange und Angelika Lange (vorne v.l.). Foto: Christian WolffGut einen Monat nach der Ratsentscheidung, vier Straßen im Stadtgebiet umzubenennen, bringen die betroffenen Anwohner ein Bürgerbegehren auf den Weg. Sie wollen den Beschluss vom 16. Dezember kippen – und sehen durchaus Chancen, das zu schaffen. Jetzt müssen 2500 Unterschriften gesammelt werden, damit das Thema erneut beraten werden kann.

Pfitznerweg, Karl-Wagenfeld-Platz, Friedrich-Castelle-Weg und Agnes-Miegel-Straße stehen seit Jahren im Fokus der Diskussion, weil ihren Namensgebern eine Nähe zum Nationalsozialismus attestiert worden ist. „Leider sprachen bei den vorgeschalteten Informationsveranstaltungen ausschließlich Referenten, die für eine Namensänderung plädieren“, sagt Dr. Detlef Girke. Es gebe aber – das belege seine eigene Recherche, die mittlerweile mehr als einen Aktenordner füllt – mindestens genauso viele anerkannte Experten, die zu gegenteiligen Schlüssen kommen. Man dürfe Dichter oder Schriftsteller nicht mit Straftätern und Mördern des NS-Regimes in einen Topf werfen. „Da haben wir noch ganz andere Straßennamen in Ahlen, hinter denen Verwerfliches steckt.“ Krupp­straße, Siemensweg oder Richard-Wagner-Straße seien nur einige Beispiele. Die Anwohner fühlen sich benutzt, um für vermeintliche „Erinnerungskultur“ herzuhalten, die ihrer Meinung nach hier gar nicht notwendig wäre.

Kritik richten die Umbenennungs-Gegner nicht nur an den Rat, sondern gleichfalls an die Verwaltung. Die habe den Bürgerwillen weitgehend als zweitrangig eingestuft, so der Tenor. Ergebnisse von Anwohnerbefragungen seien offenbar nicht vollständig an die Fraktionen weitergeleitet worden. „Von der BMA weiß ich zum Beispiel, dass sie nichts bekommen hat“, sagt Angelika Lange.

Dirk Hachmeister erklärt: „Wir haben festgestellt, dass dieses Thema nicht nur uns bewegt. Es ist zu einem echten Politikum in Ahlen geworden.“ Jeder habe dazu eine Meinung, vielfach herrsche Unverständnis. „Ich sitze hier nicht allein, weil ich an einer der Straßen wohne. Ich finde, es ist in dieser Sache schon viel zu viel Geld verpulvert worden, das jetzt woanders fehlt.“

Alle Beteiligten hätten sich eingehend mit den Namenspatronen befasst, betonen die Nachbarn. Einige hätten den Nationalsozialismus selbst miterlebt, daher sähen sie sich in der Lage, eine fundierte Einschätzung vorzunehmen. Dass Bürgermeister Benedikt Ruhmöller es als „unerträglich“ bezeichnet, dass es in Ahlen diese vier Straßennamen gibt, halten sie für überzogen.

az logoBericht: Christian Wolff, Ahlener Zeitung