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Augustin Wibbelt: Dat ganze Volk steiht Hand in Hand

Geschrieben von DocChicago

Der westfälische Heimatdichter Augustin Wibbelt schrieb nicht nur Gedichte und plattdeutsche Geschichten. Er war auch dem Geist seiner Zeit verhaftet, die vom Kaiserreich und dem heraufziehenden Ersten Weltkrieg geprägt war.

Dat ganze Volk steiht Hand in Hand
Kriegsgedichte und Feldpostbriefe in münsterländischer Mundart. Zusammengestellt von Hans Taubken, Edition Heckmann im Landwirtschaftsverlag Münster. 174 Seiten.
Eine Rezension von Johannes Hasenkamp 

Augustin WibbeltAugustin Wibbelt, 1862 in Vorhelm geboren und dort 1947 gestorben, schrieb nicht nur die Geschichten um Drüke Möhne und Schulte Witte sowie Gedichtbände wie "Mäten-Geitlink" und "Pastraoten-Gaoren", sondern antwortete - damals Pastor in Mehr bei Kleve - auch auf die Zeit, hier auf den Ersten Weltkrieg. Der vorliegende Band 16 der Gesamtausgabe enthält unter dem Titel "Dat ganze Volk steiht Hand in Hand" (Titel vom Herausgeber: ein Wibbelt-Zitat) Lyrik und Prosa aus den ersten Jahren des Ersten Weltkrieges - die Gedichtsammlung "De graute Tied. Kriegsgedichte in münsterländischer Mundart" von 1915, die mit wenigen Ausnahmen seitdem nicht wieder gedruckt wurden. Den größeren Teil nehmen die 21 unter dem Titel "Kriegs-Braut" 1915/16 erschienenen plattdeutschen Feldpostbriefe ein.

"Das tägliche Brot" ist zugleich eine "hillige und allgemeine Sake" schreibt Wibbelt an "Mine leiwen Landslüe", den im Feld stehenden "plattdütsken Soldaoten" und betont, dass auch die Muttersprache eine "hillige Sake" sei. Er will die Soldaten mit seinem "Braut" stärken und aufmuntern. Ein solcher erster Brief hatte Wibbelt für seine "Quaterie", wie er schreibt, unerwartet so viel Zuspruch gebracht, dass er eine ganze Serie folgen ließ. Man kann diese Gedichte und Briefe -es sind Zeitzeugnisse- als Kriegspropaganda kurzerhand ablehnen. Der Autor glaubt, dass sich Engländer, Franzosen und Russen gegen ein unschuldiges Deutschland verschworen hätten und dass dieser Krieg gerecht sei, doch er ist weit von jedem Hurra-Patriotismus entfernt. Er weiß gut, was Krieg an Not und Elend bedeutet, ist darüber entsetzt und hofft auf ein baldiges Ende.

Wibbelt berichtet aus der Heimat, meist über alltägliche Dinge, kommt immer wieder auf das ihn bedrängende Thema Krieg, plaudert in der für ihn charakteristischen, um alles Menschliche wohl wissenden gütigen Zuwendung und immer wieder humorvollen Sprache. Seine herzhaft frische, auch dastische Erzählkunst fordert nie Hass, sondern Respekt vor jedem Feind. Schlimm sind die da oben, die die Menschen in Krieg und Tod treiben.

In einem hat Wibbelt leider Unrecht: Der Krieg hat viel länger gedauert als er hoffte, und die Folgen waren für ihn unvorstellbar.

 

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