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Ein ganzes Dorf im Erntefieber

Geschrieben von Sebastian Schnurpfeil

Erstes Oldtimer-Dreschfest in Vorhelm ein voller Erfolg

„Hau ruck, hau ruck“ – das sieht nach einer echten Kraftanstrengung aus. Voller Elan schwingen die Arbeiter auf dem Feld zwischen „Theos Schmiede“ und Hof Averberg unweit der Vorhelmer Hauptstraße am Sonntag die Forken, während andere es sich unter einem riesigen Fallschirmdach gemütlich machen und nicht nur zur Mittagszeit Pellkartoffeln aus dem „Schweinepott“ genießen
Früher war Korn Dreschen harte HandarbeitKeine Frage: Das erste „Oldtimer-Dreschfest“ im Wibbeltdorf ist ein grandioser Erfolg – und lockt im Laufe des Tages viele Hundert Erwachsene und Kinder aus dem gesamten Kreisgebiet an. Organisiert von Theo Wedepohl und dem Heimatverein werden bei dem historischen Fest längst vergessene Landmaschinen aller Art ausgestellt sowie den Besuchern auch zwischendurch immer wieder praktisch vorgeführt. Einen Teil der Ähren aber hatte Wedepohl wohlweislich stehen gelassen, denn was wäre ein Dreschtag ohne zünftiges Schaudreschen?

„Ja, sie funktionieren noch“, freut sich Gerd Barschket, während er gebannt die Arbeiten auf dem Feld verfolgt. Weit über die Dorfgrenzen hinaus ist das Heimatvereins-Mitglied seit vielen Jahren als Oldtimer-Freund bekannt – und beteiligt sich beim Dreschfest mit einer besonderen Attraktion vor Ort, dem „Stiftendrescher“. Angetrieben von Barschkets altem Oldtimer-Trecker präsentiert sich den Zuschauern somit ein Schauspiel aus Tagen, an denen Mähdrescher noch ein Fremdwort war. Bei Stiftendreschern laufen die Stifte der Trommel zwischen den Stiften des Korbes. Der Abstand des Korbes ist dabei regelbar.  Da die Garben im rechten Winkel der Trommel zugeführt werden, bezeichnet man den Stiftdrescher auch als Langdrescher. Durch sogenannte Schüttler, Siebe und Gebläse werden in dieser Maschine die Körner von Stroh, Streu und Abfall getrennt. Langstroh, Kurzstroh, Sand und Unkraut verlassen so auf gesondertem Weg die Dreschmaschine, während die Körner nach Entfernung der Grannen sowie der Reinigung und Sortierung abgesackt werden.

Historische Landmaschinen begeisterten die BesucherDirekt gegenüber der Landmaschine berät Reinhard Ottensmann einen potenziellen Holzschuhkäufer, der seine Lederschuhe bereits zur Seite gestellt hat. Nach dem erfolgreichen Geschäft holt Ottensmann noch einen ganz besonderen Schuh unter dem Tisch hervor. „Mit Bügel und Likörflasche“, betont der Mann aus der Wadersloher Holzschuhwerkstatt und präsentiert sein handgemachtes Werk.

Handgemacht, das sind auch die vielen aufwendigen Restaurierungen, welche die Oldtimer-Freunde im Laufe der Jahre an ihren Gefährten vorgenommen haben. Stolz berichten sie den Zuhörern vor Ort von der Geschichte vom vierrädrigen „Deutz“, „Hanomag“ oder „Massey“. Auch historische Feuerwehrautos und Privatwagen mischen sich schließlich unter die Ausstellungsstücke.

Begonnen hat das Dreschfest am Morgen mit einer Heiligen Messe am Ort des Geschehens. Pastor Hermann Honermann und Diakon Wolfgang Rüdiger hatten sich dafür aufs freie Feld begeben.

Strohballen, eine Cocktailbar sowie allerlei Kost für das leibliche Wohl finden die Besucher später unter einem riesigen Lastenfallschirm, der am Sonntag nicht als Sonnen-, sondern  eher als Regenschutz zum Einsatz kommt. Gut, dass der Wettergott aber insgesamt ein Nachsehen hat und nur vereinzelte Tropfen den Weg zum  historischen Dreschfest finden. Am Ende sind sich die Besucher einig: Das Fest schreit nach einer Neuauflage.

Sebastian Schnurpfeil schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung.