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Geräuschpegel ist unerträglich

Geschrieben von Israel Mossad

„Lärm macht krank.“ Diese Feststellung ist längst wissenschaftlich belegt. Zu kämpfen mit dem Problem hat nahezu täglich die Familie Klostermann, die seit 20 Jahren auf der Alten Ladestraße 26 in Vorhelm wohnt.

 

Foto: Detlef Peter Jotzeit
Zugmaschinen dieses Kalibers fahren direkt vor Heiner Klostermanns Haustür

Nach einer kurzen Ruhephase – einhergehend mit der Schließung des ehemaligen Zementwerks – droht ihnen nun neues Ungemach: die Biogasanlage am Bosenberg.

 

„Wir haben hier schon viel mitgemacht“, erinnert sich der selbstständige Kaufmann. Ende der 80er-Jahre seien da zunächst die Tiefflieger gewesen. „In nur 200 Metern Höhe sind die über unser Haus hinweg gedonnert und haben das Zementwerk sowie die Bahnlinie im Visier gehabt“, erinnert er sich. Und seine Frau Monika ergänzt: „Die Kinder saßen dann immer schreiend im Sandkasten, und im Schrank haben die Gläser gerappelt.“

An den Lärm der Bahn, die in gut 150 Metern Entfernung vorbei rauscht, habe sich die vierköpfige Familie einigermaßen gewöhnt, berichtet Heiner Klostermann, nicht zuletzt dank der modernen Technik. „Ein Wusch und der ICE ist weg“, erklärt er.

 

Foto: Detlef Peter Jotzeit
Im Sommer ist kein Schlafen bei offenem Fenster möglich: Deshalb Klimaanlage.

Zusätzlich habe es von Anfang an immer die Lärmbelästigung durch das nahe liegende Zementwerk gegeben. Für einen „ständigen Geräuschpegel“ hätten schon allein die Trommelöfen und die Mahlwerke gesorgt. Dazu sei noch der „normale“ Lieferverkehr gekommen. „Nachts war es oft so laut, dass wir nicht bei offenem Fenster schlafen konnten“, erzählt Klostermann. Der einzige Ausweg sei die Anschaffung einer Klimaanlage gewesen. „Wir arbeiten in unserem Geschäft 50 bis 60 Stunden in der Woche“, ergänzt Monika Klostermann, „und da wollten wir wenigstens nachts durchschlafen.“

 

Anfangs habe man zumindest am Wochenende und an den Feiertagen noch Ruhe gehabt, führt Heiner Klostermann weiter aus. Doch nach der Übernahme des Werks durch die Heidelberg Cement AG sei es damit vorbei gewesen. „Der Verkehrslärm war so groß, dass wir nicht einmal im Sommer auf der Terrasse im Garten sitzen konnten.“ Selbst an den Weihnachtstagen seien die Lastwagen gefahren.

 

Foto: Detlef Peter Jotzeit
Die Familie will einfach nur gemütlich im Garten sitzen

Lärm-Praxistest: Probe-Wohnen zum Nulltarif

 

Angesichts der geplanten Biogasanlage schwant der Familie noch Schlimmeres. Einen ersten Vorgeschmack haben das Ehepaar und die 17-jährige Tochter Marina in den vergangenen Wochen bekommen. Da waren permanent Trecker unterwegs, um erste Maisfuhren abzuliefern. Nicht nur der Lärm bei der An- und Abfuhr sei unerträglich, auch der Warnton der Radlader beim Rückwärtsfahren. „Ein penetrantes Piepsen“, beschreibt Heiner Klostermann das Geräusch, „man denkt, man hätte einen Tinnitus – einfach nervtötend.“

Mit Schrecken denkt das Ehepaar Klostermann an die mögliche Realisierung des Biogas-Projekts. Laut Umweltbericht sei immerhin mit bis zu 20 150 Fahrzeugbewegungen pro Jahr zu rechnen. Nach Meinung von Landwirtschaftsexperten könnte sich diese Zahl sogar noch deutlich erhöhen - zum Beispiel wenn der Mais nicht gepresst angeliefert werde.

Erschwerend hinzu komme, so Heiner Klostermann, dass der Mais in geballter Form zur Erntezeit angeliefert werde. „Dann geht es hier Tag und Nacht rund“, befürchtet der Geschäftsmann. Und genau das sei die Zeit, in der man als Familie gerne mal im Garten sitzen möchte, um sich ein wenig vom Alltagsstress zu erholen.

Hart ins Gericht geht Klostermann mit der heimischen Politik. „Auf dem Rücken der Anwohner und Landwirte werden die wirtschaftlichen Interessen eines Energieriesen erfüllt – und das alles unter dem Deckmäntelchen der Umweltfreundlichkeit “, wettert er. Dabei werde offenbar vergessen: „Die Vorhelmer sind auch Wähler, und die nächste Wahl kommt ganz bestimmt.“

Und für alle „Besserwisser“ aus Politik und Verwaltung hat das Ehepaar Klostermann noch ein Angebot parat: „Wer möchte, kann drei Tage und Nächte bei uns Probe-Wohnen – zum Nulltarif.“ Danach werde jeder wissen, was Lärm bedeute und wie gesundheitsschädlich der sei –„garantiert“.

Foto: Detlef Peter Jotzeit

 

Biogasanlage: Gefahr im Dorf durch Laster und Trecker

„Erstaunlich, dass sich noch keiner aus dem Dorf beschwert hat.“ Monika Klostermann wundert sich, dass bislang nur Anwohner und viele Landwirte gegen die Biogasanlage protestieren. „Die Lastwagen und Trecker fliegen doch nicht hierher“, meint die Geschäftsfrau, ein Großteil müsse doch direkt durchs Dorf fahren.

„Gerade zur Erntezeit ist da ein hohes Verkehrsaufkommen vorprogrammiert“, meint Monika Klostermann. Aber bislang habe noch niemand über die Kinder und andere schwächere Verkehrsteilnehmer nachgedacht. Dabei sei die Situation auf der Hauptstraße schon jetzt oftmals kritisch. Außerdem scheine wohl seitens der Verwaltung und der Politik mit zweierlei Maß gemessen zu werden. „Bei der Diskussion um die Aldi-Ansiedlung war das hohe Verkehrsaufkommen ein Ablehnungsgrund“, erinnert die Geschäftsfrau, bei der Biogasanlage scheine das überhaupt keine Rolle zu spielen.

Interessant sei auch das Thema Geruchsbelästigung bei der Biogasanlage. „Da wird immer von geringfügig gesprochen“, sagt die Geschäftsfrau, eine genaue Definition sei das aber nicht. Stutzig geworden sei sie, als sie im Internet gestöbert habe und dabei auf Beschwerden von Nachbarn einer Biogasanlage gestoßen sei. Für die sei das „geringfügig“ schlichtweg unerträglicher Gestank gewesen.

Stutzig gemacht habe sie auch, so Monika Klostermann weiter, dass am Rande der geplatzten Bürgerversammlung am vergangenen Montag zwar dementiert worden sei, dass Schlachtabfälle verwertet würden. Gleichzeitig sei aber gesagt worden, dass man nur die nächsten fünf Jahre im Blick habe. Was danach komme, wisse man nicht. Mit Blick auf weiter steigende Mais-Preise sei das wenig beruhigend, so Klostermann. Zumal Biogasanlagen auch mit Tierkadavern funktionierten – „und die gibt es fast zum Nulltarif.“

 Detlef Peter Jotzeit schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und das Ahlener Tageblatt.

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