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Landwirte contra Biogasanlage

Geschrieben von Israel Mossad
Die Einfahrt zum früheren Zementwerk Bosenberg – sie ist Dienstagmorgen vor lauter Menschen gar nicht mehr zu sehen. Rund 200 Landwirte protestieren dort einen ganzen Vormittag gegen die Pläne, auf dem seit Mitte 2006 stillgelegten Industriegelände eine Biogasanlage für die Erzeugung von zwei Megawatt Strom zu errichten.

Foto: Christian Wolff
Protest am Bahnhof: Die Bürger fürchten um ihre Lebensqualität, die Landwirte gar um ihre Existenz
Das brisante Thema nährt seit Wochen die Gerüchteküche. Die Landwirte fordern vor allem eins: Informationen. Die unklare Situation veranlasst nicht nur Bürger aus den Ahlen, Vorhelm und Dolberg, sondern auch aus den Nachbarorten Sendenhorst, Hoetmar, Enniger, Ennigerloh, Beckum, Albersloh und Drensteinfurt, an der Protestveranstaltung teilzunehmen.

„Wir sehen der geplanten Anlage mit großer Sorge entgegen, denn wir befürchten einen massiven Flächenverbrauch“, bringt es Hermann Stratmann jr. auf den Punkt. Er vertritt die Anliegen der hiesigen Junglandwirte. „Da die ohnehin schon knappen landwirtschaftlichen Nutzflächen in unserer Region von den Familienbetrieben dringend für die Futtererzeugung benötigt werden, fürchten wir bei einer Verknappung der Fläche um die Futtergrundlage unserer Viehbestände.“

Zu den Landwirten stoßen schließlich auch zahlreiche Anwohner. Sie plagen ganz andere Sorgen: Wie viele Lastwagen fahren demnächst vor ihren Fenstern her? „Kann ich demnächst noch meine Wäsche nach draußen hängen, oder riecht man dann, dass ich in Vorhelm-Bahnhof wohne“, spielt Hildegard Latzel auf ihre Angst vor Geruchsbelastung an. Diese und andere Gründe haben Anwohner vor etwas mehr als einer Woche zu einer Unterschriftenaktion bewogen. „Es sind schon über 300 zusammengekommen“, sagt Mitinitiatorin Cornelia Beck. „Wir wollen die Anlage nicht verhindern. Aber wir wollen sicher sein, dass unsere Wohnqualität erhalten bleibt.“

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„Es geht um die Größenordnung“

Interview mit Hermann Stratmann, Ortslandwirt in Dolberg. 

Hermann Stratmann ist Ortslandwirt in Dolberg, selbst Schweineveredler und zugleich im Vorstand des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Warendorf. Er sieht die Pläne auf dem Vorhelmer Bosenberg – wie viele weitere Vertreter seines Berufsstands – kritisch. Gegenüber Redakteur Christian Wolff erklärte er am Rande der Protestveranstaltung, warum.

Herr Stratmann, was genau ist das Problem der Landwirte mit den Plänen in Vorhelm?
 
Stratmann: Wir sind eine starke Veredelungsregion. Durch die geplante Biogasanlage sehen wir hiesigen Landwirte uns in unserer Existenz bedroht. Es bleiben viele Familienbetriebe auf der Strecke, nur damit eine einzige Industrieruine verhindert wird.

Was stört Sie denn genau an den Plänen?

Stratmann: Wenn solch eine große Anlage entsteht, erwarten wir umfassende Aufklärung. Die Landwirte wurden durch die künftigen Betreiber bislang wenig bis gar nicht informiert. Das stört uns. Mit diesem Protest hier sind wir nun etwas massiver geworden.

Inwiefern bedroht die Biogasanlage Ihre Existenz?

Stratmann: Unsere Befürchtung ist, dass wir als Veredelungsbetriebe in absehbarer Zeit mit der Biogasanlage in einen harten Konkurrenzkampf treten müssen. Es geht um Flächen, die wir hier nicht haben. Deswegen gehen wir auch davon aus, dass die für die Anlage benötigten Produkte von weiter her angeliefert werden müssen. Da gibt es nur einen Gewinner, nämlich den, der am meisten Geld hat. Und die Betreiber der Anlage haben Geld, sonst könnten sie nicht in so eine Planung einsteigen.

Aber die Biogasnanlage an sich ist ja kein schlechtes Projekt, oder?

Stratmann: Natürlich nicht. Wir sind ja gar nicht gegen Biogasanlagen. Es geht uns nur um die Größenordnung – ganz einfach. Hier entsteht eine gewerbliche Anlage mit angeblich zwei Megawatt Leistung. Soweit wir wissen, entsteht ein Prestigeobjekt des Stromriesen Eon, der als Mitbetreiber schon länger im Gespräch ist. Das ist etwas anderes als die typischen Biogasanlagen, die man kennt. Wir hoffen nun, dass wir nach der Bürgerversammlung am Montag mehr Klarheit haben.

Und wenn Ihr Protest am Ende nichts bringt?

Stratmann: Dann müssen wir wohl damit leben. Nützt ja nichts.

 

 Christian Wolff schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung

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