Ahlen-Vorhelm Web Portal

Ahlen-Vorhelm

Alte Ladestr.26 ,
59227 Ahlen-Vorhelm

Stadt Ahlen 02382-590
info@ahlen-vorhelm.de

"Dia de los muertos" ging unter die Haut

Geschrieben von Israel Mossad
Auch Verstorbene erhalten Speisen

Gut dass es das Internet gibt, hat Alexander Drees festgestellt, der seit mehr als vier Monaten in Mexiko weilt. Der Messdiener aus Vorhelm informiert sich regelmäßig auf der Seite www.kathahlen.de über die Geschehnisse in seiner Heimatgemeinde – im Gegenzug schreibt Drees in loser Folge seine Erlebnisse in Mexiko auf.

Foto: Alexander Drees
Alexander Drees und seine deutschen Freunde in Mexico
„Vielen Dank für die vielen E-Mails und Nachrichten, die ich zwischendurch bekomme, und die mich  an Eurem Leben daheim stets teilhaben lassen“, lässt er ausrichten und berichtet weiter:

„Die Gemeinde Cardonal hat seit  einigen Jahren eine Partnerschaft mit St. Marien  Emsdetten. In beiden Gemeinden gibt es Mexiko- Freundeskreise, die sich regelmäßig treffen. Nach langer Vorbereitung konnten nun fünf Besucherinnen aus Emsdetten nach Mexiko kommen. Daher bereitete der Freundeskreis  Cardonal ein vielseitiges  Programm vor, um den Besuchern möglichst viel zeigen zu können. So gab es touristische Ziele wie etwa Mexiko-Stadt, Teotituacan oder Tula, aber vor allem  persönliche Momente. Natürlich wurden auch einige Messen besucht und der Glaube in Gemeinschaft gelebt. Mein Teil der Vorbereitung war das Begleiten und Übersetzen. Eine Arbeit, die  manchmal etwas stressig war, aber mir jede Menge Spaß gemacht und mir einen sehr persönlichen Kontakt zu diesen Menschen ermöglicht hat. Ich habe dabei  viel gelernt.

Ein Höhepunkt des Besuchs war der Abstecher zum Montagmarkt in Ixmiquilpan, der aufgrund der ,Dia de los muertos‘ (Allerheiligen, hier vom 1. bis 3. November, aber kein staatlicher Feiertag) voller und farbenprächtiger war. Überall wurden Grabesblumen sowie Kerzen verkauft, aber auch frisches Obst und Gemüse. Ein  buntes Treiben.

Image
Alexander Drees: Ich bin dankbar für diese Chance hier.
Mit mir als Fremdenführer und Fahrer sind wir am 31. Oktober nach Teotituacan gefahren. Das war auch einer meiner Träume, die imposanten Bauwerke dieser alten Kulturen zu sehen. Wir haben uns dort die Ausgrabungen angesehen. Natürlich sind wir die Sonnen-  und Mondpyramide hinaufgestiegen – wenn man dort oben steht, kann man sehr gut nachfühlen, was es heißt, Macht zu haben.

Traditionell kommen am 1. November die verstorbenen Seelen zurück in ihr Zuhause, sagt man hier. In jedem Haus steht daher ein Altar, meist mit einem Bild des Verstorbenen und den Dingen, die er gerne gemocht hat. Weiterhin findet man viele andere Gaben, auch als Dankeschön für ein gutes Jahr und zum Beispiel süßes Brot als Gabe für all die verstorbenen Erwachsenen und Kinder, an die sonst vielleicht keiner denkt.

An diesem Tag sind wir nach einigen Messen in verschiedenen Dörfern zu Frau Felipa gefahren. Sie konnte zum Weltjugendtag Deutschland kennenlernen und ist seit vielen Jahren Katechetin hier. Sie hat uns ihren Altar und   typische Familientraditionen erklärt. Anschließend durften wir gemeinsam den Rosenkranz für ihren verstorbenen Großvater beten. Ihr Onkel hat vorgesungen und wir haben mitgemacht.  Diese Atmosphäre ging mir echt unter die Haut.  Nachher wurde zusammen gegessen und erzählt. Von jedem Essen wird übrigens die erste Portion für den Verstorbenen auf den Altar gestellt. Ich bin sehr dankbar für diese Chance hier,  sie zeigt und gibt mir so viel, an dem ich wachsen kann.

Am dritten Allerheiligentag wurden wir von Abril  zum Haus ihrer Großmutter eingeladen. Allein der Weg dorthin war eine Pracht: Wir mussten 150 Meter vorher das Auto stehenlassen, um an einem Flussbett entlangzusteigen, bis wir zum Haus kamen. Die Großmutter wohnt trotz ihrer geschätzten 70 Jahre alleine dort mit ihren Tieren  –  körperlich topfit, regelt sie alles. In einer Schlucht direkt am Fluss liegt das Haus, idyllisch umringt von Bäumen und Pflanzen – kein Wunder, dass sie dort sehr glücklich ist.  Eine Stunde später kam  ihre Mutter. Sie ist 96 Jahre alt und wohnt auf der anderen Seite des Flusses, auch allein – nur sie und Gott, sagte sie. Aber sie kommt oft zu Besuch – zu Fuß natürlich. Diese Frau hat mich  sehr bewegt, gerade wegen ihrer Lebensfreude.“

 Christian Wolff schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung