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Frauenbewegungen im Judentum, Christentum und Islam

Geschrieben von Israel Mossad

Verschiedene Wege zum gemeinsamen Ziel

Erst gab es zu Beginn der Jahresversammlung der Pfarrcaritas St. Pankratius ein gemütliches Kaffeetrinken, dann einen informativen Vortrag. Die Islam-Wissenschaftlerin Susanne Mandelkow sprach über „Frauenbewegungen im 19. und 20. Jahrhundert im Juden- und Christentum sowie im Islam“.

ImageDie Referentin ging zunächst auf die verschiedenen Religionen und ihre heiligen Texte, wie beispielsweise Koran oder Bibel, ein und erläuterte deren Einflüsse auf die weitere Entwicklung der Rolle der Frau in den verschiedenen Gesellschaften. In allen Religionen habe es schon in den Anfängen Ansätze zur Verbesserung der Situation der Frau gegeben. Diese Tendenzen seien aber in der weiteren Entwicklung der drei Religionen wieder weitgehend verloren gegangen.

Nach diesem kurzen Exkurs in die Religionsgeschichte kam Susanne Mandelkow auf das eigentliche Thema ihres Vortrags zurück. Sie schilderte die unterschiedlichen Wege  jüdischer und katholischer Frauen des Bürgertums in Deutschland  in ihrem Bemühen, ihrer allzu eng gefassten Rolle zu entkommen.

Durch religiöses und caritatives Engagement, in Berufsorganisationen und überregionalen jüdischen und katholischen Frauenverbänden mit  frauenspezifischer Bildungs- und Sozialarbeit sei es schließlich schrittweise gelungen, die traditionelle Rolle der bürgerlichen Frau zu ändern.

Das Bemühen um die  Gleichstellung der Frau in Recht, Politik und Bildung sei dabei bewusst den allgemeinen Frauenverbänden überlassen worden, um die religiöse Identität zu wahren und die Gleichberechtigung in den jeweiligen Religionen zu fördern.

Die Frauenbewegung im Islam mit ihren Besonderheiten erläuterte die Referentin  am Beispiel der Türkei. Bereits im 19. Jahrhundert hätten die Osmanen erste rechtliche und bildungspolitische Reformen im Islam eingeführt.  Auch im Islam sei die Frauenbewegung  von gebildeten Türkinnen der bürgerlichen und aristokratischen Oberschicht getragen worden.  Mit der Entstehung des türkischen Nationalstaates nach den Ersten Weltkrieg durch Kemal Atatürk  sei die Gleichberechtigung ein Anliegen des Staates geworden. Durch die Übernahme des Schweizer Sozialrechts von 1910 in das türkische Recht seien Frau und Mann in der Türkei politisch und rechtlich weitgehend gleich gestellt worden. Gleiches habe auch für das Berufsleben  gegolten. Dies führe in der türkischen Gesellschaft trotz der Trennung von Religion und Staat bis heute immer wieder zu Spannungen, da der traditionelle Islam in der Bevölkerung einen starken Rückhalt habe.

Wichtig sei, die unterschiedliche Situation der  Frauen in den drei Religionen zu berücksichtigen. Auch  verschiedene Wege müssten akzeptiert werden, um gemeinsame Ziele zu erreichen.  

 Theo Keseberg schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und das Ahlener Tageblatt

 

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