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"Dingbänger" und Fans aus Amerika

Über 1000 feiern auf grüner Wiese

Sonntag, 5.8.2007, Punkt 15 Uhr: Während die erste Band des Festivals "Tönnis rockt" schon auf der Bühne steht, laufen auf dem Sportplatz "Zur Angel" noch die letzten Vorbereitungen.

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Noch sind es wenig, aber es sollten über 1000 werden
Hier muss noch ein falsch eingestellter Scheinwerfer ausgerichtet, dort noch ein Absperrband angebracht werden. Und ein paar Meter weiter werden noch letzte Kabel zur hochmodernen Soundanlage verlegt. Aber: Tönnis rockt bereits. Doch bis wirklich "die Schwarte kracht", wie es im Motto der Großveranstaltung heißt, soll es noch ein bisschen dauern.

Dass sich wenige Stunden später über 1000 Menschen auf der Fläche befinden würden, kann zu diesem Zeitpunkt noch niemand glauben. Auch die Organisatoren nicht. "Na, so 600 kommen wohl", schätzt Andreas Scheffer gegen 17 Uhr noch vorsichtig. Zu dieser Zeit füllt sich der Platz schon merklich. Meist im "Rudel" kommen die Besucher des allerersten
Tönnishäuschener Rockfestivals. Per pedes, mit dem Fahrrad oder auch mit dem Auto reisen die Gäste an. Die Organisatoren aus den Reihen des 1. FC Tönnishäuschen haben extra ein  Feld freigemacht, um den Fahrzeugen
Parkraum zu bieten.

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Armin Kolmitz (links) und seine Sound Maschine
Inzwischen dreht Armin Kolmitz an etlichen Knöpfen. Denn was die Rock-Freunde an diesem Tag zu hören bekommen, soll nicht nur "irgendwie klingen", scherzt der Tontechniker. Die Musikfreunde werden mit mehr als 30 000 Watt beschallt und  auch im allerletzten Winkel kann man noch alles gut verstehen. Da bleiben auch die nächsten Nachbarn, die einige 100 Meter weiter wohnen, nicht in ihren Häusern. Sie feiern kräftig mit. Übrigens: Über 50 Instrumente gleichzeitig kann  Armin Kolmitz an sein Mischpult anschließen. Keine leichte Aufgabe, da den Überblick zu behalten. Diesen Samstag klappt aber alles   ohne Probleme. "Die Soundanlage ist die modernste, die momentan zu kriegen ist", sagt Kolmitz nicht ohne Stolz.

Die erste Band ist in gewisser Weise zu bedauern. Nicht nur, dass die Gruppe "Kokadu" das Los des ersten Auftritts an diesem Tag gezogen hat - sie muss leider auch vor wenigen Zuschauern spielen. Wie zu erwarten, setzt der Besucheransturm erst später ein. "Viele müssen ja auch noch arbeiten", weiß Andreas Scheffer. "Kokadu" gibt derweil den locker-leichten Startschuss zu diesem Musikereignis. Die ruhige Musik und die gut verständlichen Texte helfen sicher, die nervöse Stimmung der Organisatoren zu besänftigen.

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Die Headbanger vom Dingbänger Weg
Bei der zweiten Band, "Pump", wird's dann richtig rockig. Und laut. Wohl deswegen trauen sich die Besucher nur zaghaft näher an die Bühne. In drei Jahren absolvierten die Jungs 50 Konzerte.   Stadtmarketing-Chef Heri Klas - inzwischen im Sommerdress auf dem Platz angekommen - attestiert Können. Doch das gilt nicht nur der Band, sondern vor allem den Initiatoren von "Tönnis rockt". "Das ist richtig klasse aufgezogen und der Platz bestens dafür geeignet", sagt Klas, der die Sportanlage bislang noch nie besucht hatte.

Die Sonne brennt. "Super", entfährt es "Mötte" Gerullis, bevor er seine Geige schnappt, um Jonas Künne zu begleiten. Der junge Sänger der Ahlener Formation "Black Rust" ist der nächste Bühnengast. Auf dem grünen Rasen machen es sich immer mehr Leute bequem. "Das ist doch wie Urlaub", meint Dennis Lückemeier, Fan  der Band "The Ignition", und breitet eine Decke aus. "Wir sind die Jungs vom Dingbängerweg und warten gemeinsam auf den großen Auftritt unserer Freunde." Zu dem Tross gehören rund 30 "Ignition"-Anhänger aus Oelde. Doch erst um 21.45 Uhr startet die von ihnen ersehnte Gruppe. Viel Zeit also, den anderen Bands zu lauschen, die Spezialitäten vom Struckholt-Grill zu kosten und - natürlich - kühles Bier zu trinken.

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Für das leibliche Wohl ist auch gesorgt
"Dirty Frank & The Fried Chicken" nennen das, was sie spielen, selbst "Old School Rock". Was auch immer das ist - es kommt an. Und plötzlich steht der Tontechniker Kolmitz selbst auf der Bühne: "Forgery" ist seine Truppe. Hier zeigt er, dass er nicht nur Mischpulte bedienen kann, sondern auch ein echtes Musikerherz hat.

Dann kommt "Red Dawn", eine vierköpfige Band, die seit etwa drei Jahren kräftig in einem Proberaum in Enniger rockt. Einen regionalen Wettbewerb hat die Gruppe schon gewonnen. Und sie war sogar mal Vorgruppe von "Silbermond".

Vor wenigen Tagen noch bei "Tralla City" in Ahlen, entfacht "Barney's Boogie Train" gegen 21 Uhr echtes Festivalfeuer unterm Publikum in Tönnishäuschen. Das wissen die beiden Moderatoren des Abends, Jörg "Pörgel" Hanskötter und Ralf "Milo" Miloczewski, gerne zu honorieren. Oha: Die "Dingbänger-Truppe" ist von ihren Decken verschwunden. Deutliches
Zeichen dafür, dass "The Ignition" bereit ist  für den Auftritt. "Was hinter diesem Namen steckt, kann man wohl erst beurteilen, wenn man sie live auf der Bühne gesehen hat", sagt "Pörgel" Hanskötter. "Und da bekommt man es mit einer gehörigen Portion Starkstrom zu tun."

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Im Dorf groovt es erdig in die Abendsonne: Tönnis rockt
Die Sonne ist bereits gesunken, doch die Hitze des tanzenden und gut gelaunten Publikums - sogar Gäste aus Amerika sollen darunter sein - kocht so sehr, dass es auf dem Platz gut und gerne ein paar Grad wärmer ist als im benachbarten Wald. Keine Frage: "Starfish Coffee", der letzte Act des langen Festivaltags, hat keine Mühe, die Menschen mitzureißen. Sind anfangs nur zaghafte Einzelne bis zur Bühne vorgerückt, steht das Abendpublikum nun fast selbst auf ihr, um zu feiern - oder besser: zu rocken.

Ein überwältigendes Gefühl durchzieht  in diesen Momenten die Macher von "Tönnis rockt". Mit solch einer Spitzenresonanz, vor allem mit solch einem "Götterwetter" hatten sie beim besten Willen nicht gerechnet. Bei Veranstaltungen unter freiem Himmel bleibt schließlich immer ein unkalkulierbares Restrisiko. Wenn es geschüttet hätte, wie aus Kübeln, wäre "Tönnis rockt" sicherlich zu einem zweiten "Woodstock" geworden, wo die Besucher vor gut 40 Jahren im Schlamm badeten. Aber auch das hätte seinen Reiz gehabt . . .

Ob das Ereignis einmalig bleibt oder eine Fortsetzung findet, steht noch in den Sternen. Den Tönnishäuschenern bleibt ohnehin kaum Zeit zum Durchatmen, denn schon in wenigen Wochen steht das nächste Großereignis an: "Tönnis bewegt sich - Hofkultour". Das bedeutet: Kultur pur auf mehreren Bauernhöfen rund um das Kapellendorf.  Viel Glück.

 

 

Vom Rockfestival berichten (mit Fotos)  Christian Wolff und Sebastian Schnurpfeil

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