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Nenn' mir einen Grund, warum wir diese "Bio"gasanlage bauen sollten

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Der wirtschaftliche Nutzen der Agrarmethangasanlage Bosenberg

Der Zähler tickt: Die Stromrechnung wird deutlich teurer.Funktion und Wirkungsgrad der Agrarmethangasanlage Bosenberg

Durch Vergärung von Biomasse wird Gas erzeugt. Bei der geplanten Anlage sollen pro Stunde 425 m3 Gas erzeugt werden, die ein Gasmotor in 844 kW Strom umwandeln soll. Dazu sind pro Jahr an nachwachsenden Rohstoffen (NawaRo) ca. 14.000 Tonnen Mais vorgesehen, ergänzt durch 6.000 Tonnen Gülle und 1.000 Tonnen Hähnchenmist. Derartige Anlagen werden zur Zeit gemäß dem 'Erneuerbare-Energien-Gesetz' (EEG) gefördert.  Die Förderung beträgt pro erzeugter KWh Strom Grundförderung: 8,25 Cent, NawaRo Bonus: 4,00 Cent.

Förderung: Insgesamt 12,25 Cent pro Kilowattstunde. Fest auf 20 Jahre!

Die Förderung wird nicht aus Steuermitteln finanziert, sondern über die Stromrechnung der Verbraucher. Jeder Stromkunde zahlt 3,53 Cent pro KWh an EEG-Zulage!

Trotz hoher Förderung ist eine Biogasanlage vom Typ wie bei Bosenberg geplant ein Musterbeispiel an Energieverschwendung: Die bei der Gasverbrennung entstehende Abwärme wird nur zur Gärrestetrocknung verwendet, der Rest verpufft ungenutzt. Der Wirkungsgrad liegt lediglich bei ca. 20%. Jeder Otto- oder Dieselmotor geht ökologischer mit seinem Brennstoff um.

Auswirkungen auf die Stromrechnung der Bürger

Bei 8.000 Betriebsstunden pro Jahr summiert sich die Förderung dieser Anlage im Lauf eines Jahres auf 8.000 Stunden x 844 kW x 0,1225 € Förderung = 827.120,- € Subventionen pro Jahr

Nach 20 Jahren hat die Anlage ca. 16,5 Millionen Euro Fördermittel verheizt!

Hochsubventionierte Anlagen dieses Typs sind mitverantwortlich dafür, dass die EEG-Umlage für 2011 von 2,05 Cent auf 3,53 Cent angehoben wurde. Das entspricht einer Steigerung von 70%!

Ein durchschnittlicher 4 Personen Haushalt zahlt wegen der EEG-Umlage pro Jahr etwa 150,- Euro für seine Stromrechnung mehr! Allein für diese Anlage müssen nach heutigem Stand 5.500 solcher Haushalte 20 Jahre lang mehr zahlen.

Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Für die 14.000 Tonnen Mais werden ca. 400 Hektar Anbaufläche benötigt. 1 Hektar sind 10.000 m2. Zusammengenommen ist das ein 400 Meter breiter und 10 km langer Streifen Land - voll mit Maispflanzen. Natürlich ist eine solche Fläche nicht zusammenhängend, sondern in einem Umkreis von 15 km um den Standort der Biogasanlage verteilt. Es ist davon auszugehen, dass sich die Flächen aber in der Nähe des Standorts Vorhelm befinden werden, da der Transport Zeit, Energie und Geld benötigt. Diese Flächen verdrängen andere Anbauflächen für Nahrungs- und Futtermittel. Durch das verminderte Angebot auf den Märkten werden deshalb die Lebensmittelpreise steigen.

Noch schlimmer wird es für die Bauern, wenn -wie befürchtet- die jetzige Größe von 844 kW nur vorgeschoben ist und als Türöffner für eine viel größere Anlage dient: Ab zwei Megawatt arbeiten solche Anlagen wirtschaftlich. Mit der Firma Hubertus Loick ist bereits ein Investor vorhanden, der bekanntermaßen Anlagen baut und diese hinterher an Energieunternehmen wie Evonik verkauft. Bei einer zwei Megawatt-Anlage würden durch den fast vierfachen Flächenbedarf die Pachtpreise für Anbauland exorbitant steigen. Viele Landwirte könnten sich die Pacht dann nicht mehr leisten und müssten in die Insolvenz. In Bayern wurde auf diese Weise die Existenz hunderter Bauernhöfe vernichtet!

Lärm durch Transportverkehr und Betrieb der Anlage

Die Anwohner haben genau nachgemessenDie Beurteilung erfolgte durch den vom zukünftigen Betreiber der Biogasanlage beauftragten Sachverständigen. Die zuvor genannten 14.000 Tonnen Mais müssen im Erntezeitfenster, von etwa 24 Tagen durch das Dorf und das Wohngebiet Alte Ladestraße zur Biogasanlage transportiert werden. In den Gutachten wurde stellvertretend das Gebäude IP5 (Alte Ladestr. / Ecke Haarbachstr.) betrachtet, welches einen Abstand von 15 m zur Straße hat. Es gibt jedoch Gebäude mit wesentlich weniger Abstand zur Straße. Der Anlieferungsverkehr wird entsprechend einer Regelung der TA Lärm nicht auf 24 Tage, sondern umgerechnet auf das ganze Jahr verteilt betrachtet. Bei der Anzahl der Transportbewegungen wurde von LKWs mit einer Ladekapazität von 20 Tonnen ausgegangen, obwohl gehäckselter Mais häufig durch landwirtschaftliche Zugmaschinen mit Hängern mit geringerer Kapazität von den Feldern angeliefert wird. Folge: Erheblich mehr Fahrten als angegeben, erheblich mehr Lärm - Traktoren sind lauter als LKWs.

Die Meinung eines Anwohners der Alten Ladestraße: "Das Gutachten bildet nicht die reale Belastung der Bürger ab, sondern rechnet dem Betreiber die Zahlen passend. Das ist dasselbe, als wenn ich jemand mit dem Hintern auf eine glühend heiße Herdplatte setze und sage: 'Im Moment mag es ein bisschen warm sein, aber gerechnet auf das Jahr ist das doch eine erträgliche Temperatur'."

Sicherheit

Bei zwei Großfahrzeugen wird es engAgrarmethangasanlagen sind -ebensowenig wie Atomkraftwerke- alles andere als 100% sicher. Zahlreiche Unfälle haben gezeigt, dass durch Fehler im Betrieb und menschliches oder technisches Versagen mehr oder weniger fatale Störfälle auftreten können - bis hin zu Explosionen, Bränden oder Umweltkatastrophen durch auslaufende Gülle.Von den Ahlener Politikern wurden Mahnungen der Bürgerinitiative vor den Gefahren als "Horrorszenarien aus der Märchenkiste" verspottet. Der schlimmste Unfall mit einer Biogasanlage forderte am 10.11.2005 in Zeven vier Tote und mehrere Schwerverletzte. Märchenkiste?

Die Biogasanlage Bosenberg ist nur über eine einzige Straße, die Alte Ladestraße, durch die Feuerwehr erreichbar. An der Eisenbahnunterführung ist die Straße nur 5,50 m breit, so dass sich schwere Fahrzeuge wie z.B. Löschzüge sich hier nicht begegnen können, ohne dass einer ausweichen muss. Im Notfall, wo es auf jede Sekunde ankommt, kann diese zu einer fatalen Engstelle werden.

Im Bebauungsplan 72.4 wird an der südwestlichen Grenze der Biogasanlage die Straße 'Am Bosenberg' ebenfalls als Feuerwehrzufahrt ausgewiesen weil laut DIN 14320 zwei Zufahrten empfohlen werden. Eine Zufahrt von dieser Stelle ist jedoch nicht möglich, da es keine Zuwegung für schwere Fahrzeuge über das Industriegebiet Ost gibt und die Eisenbahnbrücke bereits vor Jahren abgerissen wurde. Eine Zufahrt über den Hof Vinckewald - einem Privatgelände- ist ebenfalls problematisch, da hier im Notfall erst der Eigentümer die Zufahrt freimachen müsste, was weiteren Zeitverlust bedeutet.

Fazit

Am Bosenberg entsteht eine hochsubventionierte, ineffiziente Agrarmethangasanlage mit deutlichen Auswirkungen für die Landwirtschaft und die Bevölkerung. Das bestehende Gewerbegebiet verliert an Attraktivität. Lärm- und Geruchsbelästigung sowie wichtige Aspekte der Sicherheit sind nach wie vor ungeklärt.