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Bügeleisen auf dem Rock vergessen

Geschrieben von Peter Schniederjürgen

Ausverkaufte Premiere von „Up Baunenstrunks Iärwe“ / Sehenswertes Stück

Zurück ins Jahr 1925 entführte die „Plattdeutsche Heimatbühne“ ihre Zuschauer bei der Premiere ihres neuen Stücks „Up Baunenstrunks Iärwe“ am Freitagabend vor ausverkauftem Haus an der Marienstraße in Enniger.

Es ging um den verschuldeten Gutbesitzer Hiärm Schulte Baunenstrunk (Hermann Woeste). Der lebt als Witwer mit Tochter Thresken (Nina Theeßen) und seinem Gesinde, allen voran Großknecht Jans Holthues (Ludger Demski), auf dem Guts- und Schultenhof. Ganz in der Nähe, auf dem Nachbarshof, lebt die verwitwete Bäuerin Wuordelkamp (Gisela Bentrup) mit Sohn Wilm. Der Hof wird von der resoluten Magd Libbet Nottbeck (Annette Berste) beherrscht.
Den beiden Hofbesitzern wäre es lieb, wenn sich die Kinder verbänden, um den angeschlagen Schultenhof aus den finanziellen Schwierigkeiten zu bringen. Doch die Herzen der Kinder schlagen anders. Dabei tauchen immer wieder die „Jugendsünden“ des jähzornigen Schulten auf. Der hatte vor vielen Jahren den Pächter Surkamp vom Hof gejagt, dabei war dessen Tochter Söffken (Claudia Hoppe) Threskens beste Freundin und auch Wilms Schwarm.

 

Auf den Höfen ist so einiges los. Die Darsteller treffen nicht nur den Ton, sie bringen auch die Stimmung der ländlichen 20er und 30er Jahre im Münsterland gut rüber. Dabei werden liebevolle Details in die Handlung eingeflochten. So die kleine Geschichte um den Dorfschneider Schamisken (Heinz Brune) „Ik ben de Haute-Coutre von Innger“. Neugierig vergisst er ein Bügeleisen auf Wilms neuem Rock und rettet sich vorerst, indem er den Brandfleck mit Stiefelwichse schwärzt.

„Schamisken, du bis den Düwel utn Tornister gehopst“, beschreibt Knecht Jans, der mit Magd Libbet das Stück trägt, den Schneider. Nicht nur die hochmotivierte Truppe leistet schauspielerisch einiges, dabei können auch ein paar kleine Texthänger nicht wirklich stören, auch Maske und Requisite sind toll. Die Kostümauswahl trifft‘s auf den Punkt: zeittypische Knickerbockerhosen und Federboas für die Filmdiva Lilapu (Birgit Ferig-Liekhues). Die kommt im tiefen Münsterland gar nicht mit den derben und „ungehobelten Landpomeranzen“ zurecht.

Die Truppe hat unglaublichen Spaß am eigenen Spiel. Damit zieht sie das Publikum mit. Immer wieder kommen Gesangseinlagen. Herrlich schräg und wunderbar passend sind Libbets Klagen über die modernen und unverständlichen Zeiten. Ergreifend und zum Mitsingen: das Lied „Mein Westfalenland“. Das allein ist schon einen Besuch wert. Im Übrigen hat die Truppe keine Mühen gescheut. Mit jedem Akt wechseln die Bühnenbilder. Die sind nicht weniger liebevoll ausgeführt als der Rest des sehenswerten Stücks. So sollten sich die Freunde der alten Münsterländer Sprache einen der weiteren Termine merken und die Truppe im Sporthaus besuchen – es lohnt sich.

Wie es mit der Geschichte weitergeht? So viel sei verraten: Es gibt viel Wirbel von Berliner Filmleuten und Karrieren contra Bauernstolz.

ZUM THEMA
Weitere Termine der Theatergruppe

Wer sich das neue Stück der Plattdeutschen Theatergruppe selbst ansehen möchte, hat noch mehrfach Gelegenheit dazu. Die Termine: Samstag, 6. März, um 19.30 Uhr; Sonntag, 7. März, um 15 Uhr für Senioren – ab 14 Uhr mit Kaffee und Kuchen; Freitag, 12. März, um 19.30 Uhr; Samstag, 13. März, um 19.30 Uhr; Sonntag, 14. März, um 18 Uhr. Weitere Termine im Internet.
www.theater-enniger.de