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Noch immer Barrieren in den Köpfen

Geschrieben von Christian Wolff

„Gemeinsamer Unterricht“ läuft in Vorhelm erfolgreich

Was in der Augustin-Wibbelt-Schule bereits seit einiger Zeit erfolgreich praktiziert wird, könnte längst schon an anderen Schulen Normalzustand sein.

CDU Landtagsabgeordnete informierten sich über Gemeinsamen UnterrichtDie Rede ist vom „Gemeinsamen Unterricht“ (GU). Doch die Scheu davor, Kinder mit besonderem Förderbedarf in den normalen Klassenverband einer Regelschule zu integrieren, ist offenbar an vielen Stellen noch immer groß. Das stellten die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Marie-Theres Kastner, zuständig für Jugend- und Schulpolitik, und Berni Recker, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, gestern Morgen bei einer Hospitation in Vorhelm einmütig fest.

 


Begleitet wurden sie von Wolfgang Schumacher (Referent im Schulministerium), Christoph Wessels (Schulträger), Ingeborg Teiner (Schulamt) sowie Claudia Mathis und Henrich Berkhoff (Inititiative GU). Die Vorhelmer Grundschule vertraten Schulleiterin Elke Walter, Förderlehrerin Stefanie Jacobs und die Klassenlehrerin der 1a, Cordula Schülke.

Früher, hält Kastner fest, gab es nur zwei Wege: Entweder Sonderschule oder „normale“ Schule. Dass durch das Modell „Gemeinsamer Unterricht“ ein weiterer Weg geschaffen wurde, ohne zugleich die Förderschulen abzuschaffen, sei ein großer Schritt gewesen. „Die Zeiten haben sich geändert. Kinder haben unterschiedliche Handicaps, manchmal auch nur geringe Ausprägungen einer Behinderung“, sagt die Politikerin. „Jedes Kind muss individuell gefördert werden. Und da, wo es möglich ist, das Kind in einem ganz normalen Umfeld und am Wohnort zu belassen, sollte es möglichst umgesetzt werden, das ist unser Ziel.“

Einzelintegration, so Christoph Wessels, habe es immer schon gegeben. Aber GU bedeute mehr. Leider, bedauert Berni Recker, werde GU im Kreis Warendorf nur an einem Standort, in Ostbevern, in einem Maße praktiziert, den auch die Augustin-Wibbelt-Schule erreichen möchte. Etwa 100 Kinder im ganzen Kreisgebiet werden derzeit sonderpädagogisch in Regelschulen betreut. Die Augustin-Wibbelt-Grundschule betreut fünf Kinder mit besonderem Förderbedarf in der Jahrgangsstufe drei und weitere fünf in einer ersten Klasse.

Kastner: „Barrieren für Kinder mit Behinderungen sind nicht nur in vielen Schulen da. Es gibt sie auch noch in viel zu vielen Köpfen.“ Viele Eltern hätten Angst vor Nachteilen, wenn ihre Sprösslinge zusammen mit behinderten Kindern unterrichtet werden. „Aber Schule ist nicht nur dazu da, das ABC perfekt beizubringen. Es gehört auch dazu, unterschiedliche Menschen – ob mit oder ohne Behinderung – kennenzulernen. Kinder profitieren voneinander.“ Das Beispiel Vorhelm zeige das ganz deutlich.

Henrich Berkhoff, Elternvertreter und Vorsitzender des Kinderschutzbunds, lobt unterdessen die beispielhafte Zusammenarbeit zwischen Schulamt, Schulträger und allen weiteren Mitstreitern, die sich für die GU-Klassen in der Wibbeltgemeinde eingesetzt haben. „Sie sind mit viel Elan und Sachverstand an die Sache herangegangen.“ Er würde sich freuen, sagte Berkhoff, wenn sich künftig noch mehr Studenten oder Lehramtsanwärter für die sonderpädagogische Betreuung interessieren würden.


Zum Thema: Gemeinsamer Unterricht
Im Gemeinsamen Unterricht (GU) lernt ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf zusammen mit Kindern ohne sonderpädagogischem Förderbedarf in einer allgemeinen Schule. Hierzu erhält die Lehrkraft Unterstützung durch einen Kollegen für Sonderpädagogik. Beide erstellen gemeinsam einen individuellen Förderplan für das Kind. Sie unterrichten zeitweise zusammen in der Klasse und überprüfen regelmäßig die Lernfortschritte des Kindes.

 

Christian Wolff schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung