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Tangenten und Bürgerproteste: Der Flächennutzungsplan Ahlen

Geschrieben von Detlef Peter Jotzeit

Markante Punkte: Osttangente und Ortsumgehungen 

Im Galopp ging es bei der Bürgerversammlung durch die vielen Felder, die sich im neuen Flächennutzungsplan der Stadt Ahlen widerspiegeln werden. Angesichts der Themen- und Informationsmengen konnte am Donnerstagabend im Ratssaal nicht jedes Detail beleuchtet werden, vieles wurde nur an der Oberfläche gestreift. Doch im Vorfeld hatte es zu den einzelnen Gutachten, die in den Flächennutzungsplan einfließen, bereits Informationsveranstaltungen gegeben.

 

Foto: Detlef Peter Jotzeit
Bürgermeister Ruhmöller, Stadtplaner Schulte, Planungsausschuss-Chef Holtermann, A.Schöning
Das Wichtigste fassten Bürgermeister Benedikt Ruhmöller, Horst Schulte (Leiter der Stadtplanungsabteilung), Carl Holtermann (Vorsitzender des Stadtentwicklungs- und -planungsausschusses) sowie die Stadtplanerinnen Angelika Schöning und Dorothea Sachs für die über 120 Bürger, die gekommen waren, zusammen.

 

Ruhmöller schickte voraus, dass Bürger und Rat über den Flächennutzungsplan über die zukünftige Entwicklung in Ahlen entscheiden. 123 Quadratkilometer Fläche müssten nach den Interessen der Bürger, dem Gewerbe, den Betrieben, des Handels und der Landwirtschaft (diese nimmt 67 Prozent der Fläche ein) zugeordnet werden. Ruhmöller versprach, dass die Äußerungen der Bürger vom Rat der Stadt in die Planungen und Entscheidungen mit einbezogen würden. W„Alles, was gesagt wird, wird protokolliert“, ergänzte Holtermann. Er wies darauf hin, dass man während der nächsten vier Wochen (bis zum 5. Dezember) kann man auch ins Bauamt der Stadt kommen, um seine Anregungen und Bedenken zum Flächennutzungsplan aufnehmen zu lassen. Außerdem sei es denkbar, dass es – je nach der Vielzahl der Einwendungen – zu einer zweiten Bürgerversammlung komme, denn das Thema sei der umfassend und komplex.

Der neue Flächennutzungsplan , der das 30 Jahre alte und 60 Mal geänderte Werk ablösen wird, soll im Juli 2009 beschlossen werden. Er ist auf die nächsten 15 bis 20 Jahre ausgelegt und soll die Entwicklungen in Ahlen bis zum Jahr 2020 berücksichtigen. Dazu zählt zum Beispiel das Schrumpfen der Bevölkerung auf rund 54 000 Einwohner und ab dem Jahr 2020 sollen es noch weniger werden. Pro Jahr sollen rund drei Hektar Wohnbaufläche und rund 3,5 Hektar Gewerbefläche ausgewiesen werden, wobei man bei letzterem laut Schulte auf „innovative Brachflächenaufbereitung“ setze, um weiteren Landschaftsverbrauch und Versiegelungen einzudämmen.

Markante Punkte des neuen Flächennutzungsplanes werden die Osttangente und die Ortsumgehungen von Dolberg und Vorhelm sein. Die einst anvisierte Westtangente werde man im neuen Plan voraussichtlich nicht mehr wiederfinden.Weitere Fragen kamen vor allem zur Ausweisung von Bauplätzen. Hier lud Schulte wiederholt die Bürger ins Bauamt ein, um diese Fragen zu erörtern.


Foto: Detlef Peter Jotzeit
Kontrovers diskutiert: Die Ortsumgehung Vorhelm
Vorhelmer Ortsumgehung: Anwohner-Protest - Trasse führt an Häusern vorbei.
Nicht einverstanden mit den Planungen zeigten sich Vorhelmer Bürger bei der Bürgerversammlung am Donnerstagabend im Ratssaal, als die Stadtplanerin Angelika Schöning auf die Südumgehung von Vorhelm zu sprechen kam.

 

Die Umgehungsstraße soll in den neuen Flächennutzungsplan aufgenommen werden. Aus Kostengründen habe man nun eine Trasse untersucht, die näher an die Bebauung heranrücke, erläuterte Schöning den Entwurf. Eine Anwohnerin fragte entrüstet, was eine Trasse, die unmittelbar an den Häusern vorbei führe, mit einer Umgehungsstraße zu tun habe.

Angelika Schöning erklärte ihr, dass noch weitere Planfeststellungsmaßnahmen notwendig seien und dass es in Vorhelm bislang wenig Diskussionsbedarf gegeben habe. Doch diese Antwort akzeptierte die Bürgerin nicht: „Der finanzielle Aspekt darf nicht über dem menschlichen stehen“, forderte sie.


Ausschussvorsitzender Carl Holtermann griff ein und beruhigte: „Keine Straße ist fest geplant. Es geht nur um einen Vorschlag. Die Bürger haben die Möglichkeit, sich mit Einsprüchen zu wehren.“


Auf eine weitere Nachfrage eines Bürgers erklärte Schöning, dass die Stadt Ahlen den Flächennutzungsplanentwurf ins Internet stellen wolle.

 

Foto: Detlef Peter Jotzeit
Dorothea Sachs bemühte sich um sachliche Aufklärung
Kritiker aus Dolberg sauer: „Das war ein Rausschmiss“
Den Dolbergern hat sichtlich das Thema Ortsumgehung auf den Nägeln gebrannt. Sie konnten es bei der Bürgerversammlung am Donnerstag im Ratssaal kaum abwarten, ihre Anregungen und Bedenken dazu zu äußern. Und diese waren massiv, was den Verlauf der Ortsumgehung betrifft. Sie kehrten allerdings nahezu unverrichteter Dinge nach Hause zurück, denn sie fühlten sich von Bürgermeister Benedikt Ruhmöller aus der Bürgerversammlung geschmissen.Wegen des hohen Durchgangsverkehrs, der voraussichtlich noch zunehmen wird, ist bekanntlich für Dolberg eine Ortsumgehung geplant. Doch mit dem angedachten Trassenverlauf zeigten sich etliche Bürger nicht einverstanden. Argumente dagegen waren: Die Ortsumgehung würde das Dorf zerschneiden, und vor allem Anwohner der „Langen Wand“ würden unter der Lärmbelästigung leiden. Moniert wurde, dass im Plan die Lärmentwicklung genau vor der Wohnbebauung stoppe, was man aber nicht glauben könne. Ein Dolberger meinte sogar angesichts der Varianten: „Egal, welche Trasse man nimmt: Es wird wahrscheinlich eine Hochtrasse werden, der Lärm wird sich über ganz Dolberg herabgießen.“

Andere Dolberger äußerten, sie verstünden nicht, wie man die Ortsumgehung durch ein Erholungsgebiet führen könne, wo viele Spaziergänger unterwegs seien. „Was soll ich meinen Kindern dann sagen? Schau, da wird gerade ein Vögelchen überfahren?“ zeichnete ein Dolberger überspitzt die Situation nach, wenn die Ortsumgehung angelehnt an den Werse-Rad-Weg errichtet wird.

Unmut äußerten vor allem die Anwohner an der „Langen Wand“: Als sie ihre Grundstücke gekauft hätten, hätte keiner was davon gesagt, dass hier mal eine Hauptverkehrsstraße gebaut werden würde. Ein Bürger fragte nach, wie hoch man einen Lärmschutzwall zu errichten gedenke.

Arne Engelbrecht hatte zusammen mit einem befreundeten Dolberger einen anderen Trassenverlauf entworfen, der weiter im Osten des Dorfes liegt. Den Plan überreichte er an Horst Schulte, Leiter der Stadtplanungsabteilung. Man müsse sehen, so Schulte, wo die Trasse „am richtigsten“ liege.

Bürgermeister Ruhmöller hatte Verständnis dafür, dass die Empfindlichkeit gegenüber Lärm zunehme, und wiederholte den Vorschlag Schultes, die Dolberger sollten ins Bauamt kommen. Man sollte eine „Sonderdiskussion mit Beteiligten über die Osttangente zu führen“. Ruhmöller wies angesichts der über 120 Gäste der Versammlung darauf hin, dass auch diese noch diskutieren wollten. Worauf ein Dolberger meinte: „Dann können wir ja gehen.“ Sagte es und stand auf. Mit ihm verließ ein Dutzend Dolberger mit dem leisen Kommentar „Das war ein Rausschmiss“ den Saal.