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"So ein Abend war überfällig"

Geschrieben von Christian Wolff
Wibbelt-Lesung mit Rainer Schepper / Plattdeutsches Spiel / 250 Besucher

Die Stühle reichten gerade noch. Dass am Dienstagabend 28.10.2008 250 Besucher zur Wibbelt-Rezitation mit Rainer Schepper in die Nicolaikirche strömen würden, hätten selbst die Organisatoren des Heimatvereins nicht für möglich gehalten.

Foto: Christian Wolff
Rainer Schepper las aus Werken Augustin Wibbelts
Aber es sprach dafür, dass eine solche Veranstaltung längst überfällig war, wie Heimatvereins- Vorsitzender Willi Wienker feststellte. Zwar hatte  Wibbelt-Kenner Schepper schon unzählige Lesungen in umliegenden Orten und Städten – vornehmlich in Münster – veranstaltet, aber noch nie im Heimatort des Mannes, der ihn nach eigenen Angaben „sehr geprägt“ hat.


„Ich war mit Wibbelts Werken durch die Schule und einen kleinen plattdeutschen Privatkreis vertraut“, erzählte Schepper in seinen einführenden Worten. „Die Formvollendung der Texte und die ernste Tiefgründigkeit haben mich gefesselt.“  Zwangsweise in die Uniform eines Luftwaffenhelfers gesteckt,  übertrug Schepper seine Begeisterung in  literarischen Reflexionen auf seine Kameraden. Und irgendwann fasste er sich ein Herz und schrieb dem noch lebenden Priester und Dichter einen Brief. „Die Antwort kam postwendend. Am 25. Februar 1944 lud er mich zum ersten Mal nach Vorhelm ein“, blickte Schepper zurück. „Nie mehr bin ich jemals wieder einem Menschen von solch einem Format begegnet, einem Menschen mit unglaublicher Güte, köstlichem Humor, umfassendem Wissen, wacher Hilfsbereitschaft und großer Toleranz.“ Über 30 Besuche  folgten.


Foto: Christian Wolff
Über 250 Besucher in der Nicolaikirche
Auch mehr als 60 Jahre nach Augustin Wibbelts Tod begeistert die literarische Hinterlassenschaft sehr viele Menschen, so auch am Dienstagabend, als die Zuhörer andächtig den lyrischen Gedichten lauschten. Im Publikum saßen Heimatfreunde aus dem ganzen Kreis Warendorf.


„Nie mehr bin ich jemals wieder einem Menschen von solch einem Format begegnet.“  Rainer Schepper


Für Auflockerung, freudiges Gelächter und Applaus sorgte ein Zwischenspiel von Vorhelmer Darstellern, die „Ne rugge lässe“ aus „Wildrups Hoaff“ zum besten gaben. Hildegard Latzel, Gabi Eilert, Valerie Hillmer und Hubert Papenfort waren nicht nur perfekt kostümiert, sondern auch textsicher im Plattdeutschen – entgegen allen schon vom Heimatdichter selbst beklagten Trends, die besagen, dass sich kaum noch junge Leute für diesen Dialekt interessierten. Ja, geradezu „aus ihnen herausgeprügelt“ habe man das Plattdeutsche, als Westfalen zu Preußen kam, betonte Rainer Schepper.


Foto: Christian Wolff
Valerie Hillmer, Gabi Eilert, Hildegard Latzel und Hubert Papenfort (v.l.)
Hubert Papenfort übertrug einen Teil des Stück-Inhalts spontan auf das aktuelle Fernsehformat „Bauer sucht Frau“. Wobei das – ganz genau genommen  – inzwischen „Diplomierter Agraringenieur mit viel Kluten an den Hacken sucht Gleichstellungsbeauftragte mit mindestens Doppelnamen“ heißen müsste, wie der Laienschauspieler anmerkte.


Nach einem Orgelspiel von Bernhard Schnückel, der im Übrigen den ganzen Abend über kleine musikalische Einlagen lieferte,  gab Schepper weitere Kostproben aus Wibbelts Werken, die er in weiten Teilen frei vorsprach.


Die Erinnerung an „Marjänne“, eine Jugendliebe in Vorhelm, und erste Verse spielte eine zentrale Rolle. Nicht fehlen durften in der über zweiständigen Lesung die heiteren Gedichte, auch jene, die noch immer jedes Vorhelmer Schulkind auswendig lernen muss: „Dat Pöggsken“ oder „Äppelken will dansen“.  


Willi Wienker versprach dem Referenten nach langem Applaus zum Schluss, dass dies „sicher nicht die letzte Begegnung mit Vorhelm“ gewesen ist.



 Christian Wolff schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung


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