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Filmdreharbeiten in Tönnishäuschen

Geschrieben von Heiner Klostermann

Der Landgasthof in Tönnishäuschen kommt auf die Kino-Leinwand: Studenten der „Fylmklasse“ der Kunstakademie Münster nutzten die „Alte Schänke“ in diesen Tagen als Kulisse für Dreharbeiten zum Kurzfilm „Kopfkino“, der am 15. Februar in Ahlen Premiere hat.

„Wir sind abgedreht!“ – Nathalie Henninghaus, Samira Ueltzhoeffer, Mario Klischies, Erick David Mora Sosa und Mustafa Khalaf (v. l.) haben den Kurzfilm „Kopfkino“ im Kasten. Zentraler Drehort war die „Alte Schänke Samson“. Foto: Christian WolffDie blonde Dame an der Bar zieht eine Zigarette aus ihrem goldenen Etui. Vergeblich sucht sie nach Feuer, als ein Mann die „Alte Schänke Samson“ betritt. Mit einem doppeldeutigen „Darf ich Sie anmachen“ hält er ihr ein Feuerzeug entgegen, um sich sogleich wieder zu entschuldigen: Er sei Filmemacher, aber seine Dialoge gefallen ihm ganz und gar nicht. Sie seien unrealistisch, unausgegoren. Doch trotz des anfangs peinlichen Auftretens ihres Gegenübers scheint das Interesse der Frau geweckt. Schließlich, gibt sie an, sei sie selbst Schauspielerin.

Dass Nathalie Henninghaus und Mario Klischies diese Kurzfilmszene im ehemaligen Landgasthof Tönnishäuschen spielen, ist einem Zufall zu verdanken. Regisseur Mustafa Khalaf nennt es gar „glückliche Fügung“. Der Student der „Fylmklasse“ der Kunstakademie Münster beteiligt sich neben sieben weiteren jungen Talenten am Filmprojekt „Potenziale“, dem letzten im Rahmen der Reihe „Translokationen“ des Bürgerzentrums Schuhfabrik. Sein Beitrag trägt den Titel „Kopfkino“.

„Wir waren auf der Suche nach einem Lokal in Ahlen , da ein Teil des Films an einer Theke spielt“, berichtet Khalaf im „AZ“-Gespräch. „Die ursprüngliche Idee, im Ahlener Bürgerzentrum zu drehen, mussten wir jedoch verwerfen, denn im laufenden Betrieb ist so etwas natürlich schwer machbar.“ Also habe eine Alternative hergemusst.

Durch die Berichterstattung über die geplante Wiederbelebung der seit rund zehn Jahren leerstehenden Gaststätte in Ahlens kleinstem Ortsteil wurden die Projektinitiatoren aufmerksam und Büz-Geschäftsführerin Christiane Busmann stellte den Kontakt her. „Hier bekommt das Thema ,Potenziale‘ eine ganz neue Tiefe, denn sowohl der Film als auch der Drehort bieten viel davon“, meint Khalaf und freut sich, mit seinem Werk auch den Förderverein „Kulturgut Samson“ zu unterstützen, der bereits viel Zeit und Arbeit in sein Konzept investiert hat.

Die Kernszene mit dem Thekendialog kommt am Stück, also ohne Schnitt auf die Leinwand. Als Profis sind Henninghaus und Klischies textsicher, haben aber während der einzelnen Durchgänge – genannt „Takes“ – die Freiheit, alternative Varianten einzuspielen. Da entstehen mitunter spontane Nuancen und amüsante Ergänzungen. Und manchmal schleicht sich doch der eine oder andere Haker ein. Oder Licht und Ton müssen modifiziert werden. Da sind Geduld und Konzentration gefordert. Zehn- bis zwölfmal hintereinander beginnt das Schauspieler-Duo an diesem Abend von vorn. Eine Tanzeinlage zu „Cool-Jazz“ wird ohne Musik absolviert. „Die legen wir erst später drüber“, verrät der Autor. Dann werden noch sogenannte Gegenschüsse aus anderer Perspektive produziert. Erst tief in der Nacht ist Drehschluss.

Mario Klischies aus Berlin – hier in einer Szene mit Nathalie Henninghaus – stand schon für „Alarm für Cobra 11“ oder „Danni Lowinski“ vor der Kamera. Foto: Christian Wolff


 Hier bekommt das Thema ,Potenziale‘ eine ganz neue Tiefe.

Mustafa Khalaf


 

Die Entdeckung einer alten Telefonzelle hinter dem Thekenraum ermöglicht dem Filmteam tags darauf noch den anfangs ungeplanten Dreh einer weiteren Szene, bei der ein Anruf eine Rolle spielt. Doch auch, wenn inzwischen alle nötigen Szenen „im Kasten“ sind, fängt die zeitintensivste Arbeit erst jetzt an: Das Material muss gesichtet, nachbearbeitet, geschnitten und zum Teil neu vertont werden – die sogenannte Postproduktion.

Das Ergebnis ist Teil eines Kurzfilmabends, zu dem das Bürgerzentrum Schuhfabrik am Mittwoch, 15. Februar, ins „Cinema Ahlen“ einlädt. Dann präsentieren auch Khalafs Projektkollegen Julius Farwick, Alexander Liedtke, Rin Lim, Raoul Morales, Cristina Prims, Daniel Saul und Sophia Zaluski ihre Ergebnisse. Um 17.30 Uhr geht‘s los.

az logoAhlener Zeitung, Bericht: Christian Wolff