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Ahlener Landwirte besorgt wegen Biogas am Bosenberg

Geschrieben von DocChicago

Um das Thema Biogas auf dem Bosenberg kam Bürgermeister Benedikt Ruhmöller doch nicht herum. Die Landwirte aus Ahlen, Vorhelm und Dolberg forderten bei ihrer Jahresversammlung im vollbesetzten Saal Quante am Donnerstagabend, dass er dazu was sagen möge.

 

Das ehemalige Zementwerk BosenbergSchließlich hatte er ja auch den Stadtplanungschef Mattias Bartmann mitgebracht; und von diesem wollte man nicht nur etwas über die anvisierte Landesgartenschau 2017 hören, sondern die Biogasanlage brannte mehr auf den Nägeln. Skeptisch waren einige Zuhörer, ob es denn nun wirklich bei einer Anlage mit 844 Kilowatt elektrischer Leistung bleibe. Laut Bartmann werde dies so festgeschrieben und eine zweite Biogasanlage ausgeschlossen. Doch Pläne könnten auch irgendwann wieder geändert werden. „Das ist immer möglich“, räumte auch Ruhmöller ein. In jedem größeren Gewerbegebiet sei es möglich, Biogasanlagen zu erstellen.

Eine Anmerkung zur geplanten Biogasanlage in Vorhelm erlaubte sich Manfred Stelthove, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Warendorf (LKV): „Wer da hin geht, um eine Anlage mit 844 Kilowattstunden zu bauen, dem ist nicht zu helfen.“ Das könne man woanders besser machen.


Nadelör - Die Bahnunterführung BosenbergAuch Heinrich Artmann, Ortsausschussvorsitzender von Dolberg und FWG-Fraktionschef, ergriff das Wort und fragte, warum die Stadt an dieser Stelle so schnell sein müsse und nicht den normalen Weg gehe.

Ruhmöller: „Es ist ein Anliegen der Stadt, dass keine Brachflächen entstehen. Und deshalb bemüht sich die Stadt seit Jahren um eine Folgenutzung. Die Belastungen, das verspreche ich allen Anliegern, werden garantiert geringer sein als zu Zeiten des früheren Zementwerkes.“ Mitte des Jahres rechne man mit einem „sinnvollen Abschluss“ des „leidigen Themas“.

Hermann-Josef Schulze-Zumloh, Vorsitzender des LKV, meinte dazu: „Wir müssen aufpassen, dass die Wertschöpfung bei uns bleibt.“ Die Größe 0,8 Megawatt nannte er „gerade an der wirtschaftlichen Grenze“. Der Verbraucher sehe nur das grüne Siegel beim Strom, aber nicht die Belastungen vor Ort.
Text: Ahlener Tageblatt


Die Anwohner der Alten Ladestraße, die als einzige Zuwegung zu Bosenberg die Hauptlast des Verkehrs zu tragen hat, empfinden die Äußerung, dass die Belastungen geringer ausfallen werden als zu Zementwerkszeiten als zynisch. Ein Anwohner: "Der Lärm zu Zeiten des Zementwerks war unterträglich. LKWs fuhren im 10-Minuten Takt, auch sonntags."

Früher fuhren die Zementlaster die Anlage jedoch aus Richtung Beckum an. Die Bürgerinitiative weist darauf hin: Für die Biogasanlage werden die Traktoren durch das Dorf rollen. Die schon jetzt hohe Verkehrsbelastung der Hauptstraße wird dadurch noch einmal kräftig ansteigen. Verkehrslärm, Gefahrensituationen durch die überbreiten Zugmaschinen, Gefährdung vor allem für Kinder und ältere Menschen und massive Beeinträchtigungen für die ortsansässigen Geschäfts- und Immobilieneigentümer werden die Folge sein.

Der Verkehr im Dorf wird stark ansteigenAls weiteres Damoklesschwert hängt die uneinheitliche Aussage der politisch Verantwortlichen über den Vorhelmern. Nach Recherchen der Bürgerinitiative wird über die Größe der Anlage zwar vom Stadtrat entschieden. Da jedoch die Bezirksregierung in Münster diesen Entscheid jederzeit kippen kann wäre eine solche Verpflichtung zu 0,8 Megawatt nicht das Papier wert auf dem sie stünde.

Es ist also damit zu rechnen, dass die jetzigen Investoren die Biogasanlage nur bauen aber nach einem Jahr an einen anderen Investor veräußern, der dann grünes Licht für eine weit größere Anlage - etwa 4 Megawatt - hätte. Die katastrophalen Folgen für die ortsansässige Landwirtschaft sowie für die Vorhelmer Bürgerinnen und Bürger hätten dann die Entscheidungsträger in Münster zu verantworten - die sind jedoch weit weg.

Was veranlasst die Ahlener Politik, gegen die Interessen ihrer Bürgerinnen und Bürger zu handeln?
Brachenbelebung? - Niemand in Vorhelm stört die Brache Bosenberg. In Ahlen kennen die meisten sie noch nicht einmal.
Arbeitsplätze? - Fehlanzeige. Die Biogasanlage wird zum Betrieb maximal 3 Hilfskräfte brauchen.
Gewerbesteuer? - Wird am Hauptstandort des Investors gezahlt, nicht in Ahlen. Ahlen erhält von der Gewerbesteuer nur den nach Arbeitsplätzen aufgesplitteten Anteil. Das dürfte nicht einmal für die Kosten der Straßenreinigung reichen.