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Büger wollen sich gegen Willkür der Stadt wehren

Geschrieben von DocChicago
Die Bürger Vorhelms wehren sich. Sie wollen angehört werden. Und wollen sich nicht mit - nach ihrer Meinung veralteten - Zahlen seitens der Stadt abspeisen lassen.

 

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Zahlreiche Bürger unterschrieben die Einwandliste
Die Bewohner des Wibbeltdorfs fürchten um ihre Lebensqualität. Auch um ihr Leben, speziell das ihrer Kinder. Und: Sie fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen. "Die Bürger scheinen der Stadt egal zu sein.", formulierte es Kristian Knipping, einer der Einwohnersprecher. Deshalb hat die Bürgerinitiative Bosenberg am Samstag, 16.Mai 2009 im Ort Stimmen gegen die geplante Biogasanlage gesammelt.

 

 

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Kommt Vorhelm unter die Räder?
Bis zum 25.Mai haben die Gegner der Biogasanlage noch Zeit, ihre Bedenken vorzubringen. Und die Vorhelmer wollen die Einwände - auch die, die von der Stadt schon "abgewiegelt" worden sind- nochmals anführen. Zusammen mit den am Samstag gesammelten Unterschriften (weit über 500 an der Zahl) wollen sie ihre Bedenken und Widersprüche gegen die Biogasanlage schriftlich einreichen.

 

Mit einem Getreidehandel könne man sich ja noch anfreunden, so die Sprecherin der Bürgerinitiative, Cornelia Beck. Nicht jedoch mit einer Biogasanlage in unmittelbarer Nähe des Wohngebiets Strontianit- / Alte Ladestraße. Diese würde mit Großtraktoren und landwirtschaflichen Zugmaschinen-Gespannen von bis zu 3,49 m Breite beliefert werden. Bereits für "normale" Traktorgespanne, die nur 2,70 m breit sind, ist die Alte Ladestraße zu schmal, wie die Bürgerinitiative tags zuvor gemessen hatte.

Die großen Traktoren  werden vor allem als Gefahr für Kinder und alte Menschen gesehen, die die Straße nicht schnell genug überqueren können. Zudem habe die Anlieferung den "Beigeschmack" von Rinder- und Schweinegülle sowie Hähnchenmist. Zu allem Übel gehe die Hauptwindrichtung vom Bosenberg in Richtung Bahnhof. Die Anwohner bezweifeln die Zahlen des Gutachtens. Eine Anwohnerin der Alten Ladestraße: "Was für die Betreiber im Gutachten eine 'geringfügige Geruchs-Mehrbelastung an 6% der Jahresstunden' ist, bezeichnen wir schlicht und einfach als unerträglichen Gestank." Von der Gesundheitsgefahr, die von Hähnchenmist ausgehe, sowie vom vermehrten CO2 - Ausstoß, den man dann dort habe, ganz zu schweigen.

 

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Für zwei Traktoren ist kein Platz unter der Brücke
Die Bürgerinitiative hat noch mehr Argumente in der Hand. Die Zahlen, die das Gutachten der Stadt zur Biogasanlage enthält, werden als veraltet bezeichnet. Die Stadt beziehe sich auf eine Verkehrszählung, die vor vier bis fünf Jahren an der Rolandstraße gemacht worden sei. Die Belastung für die Alte Ladestraße sei aus dieser Zählung lediglich abgeleitet, also geschätzt worden. Vorhelmer Bürger haben im März 2009 eine eigene Verkehrszählung gemacht mit dem Ergebnis, dass der derzeitige Verkehr - noch ohne Biogasanlage - bereits jetzt schon höher sei als die Belastung, die das Gutachten der Stadt in Aussicht stelle.

 

 

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Gefärhliche Begegnung der engen Art
Die Vorhelmer Verkehrszählung ergab, dass an einem Tag 680 Autos, 116 Lastwagen plus 20 Busse auf der Alten Ladestraße unterwegs seien. Dazu kämen dann noch weitere Lastwagen und Traktoren für die Biogasanlage. In der Erntezeit werde man auf der außerdem jetzt schon renovierungsbedürftigen Straße Schwerlastverkehr im 30-Sekunden Takt haben.

 

Der Grenzwert für reines Wohngebiet, der bei 59 dB(A) liege, werde jetzt schon deutlich überschritten. Selbst den erheblich höheren Grenzwert von 63 dB(A), wie er für ein Industrie-Mischgebiet mit Wohnbebauung wie am Vorhelmer Bahnhof gelte, lassen die aktuell gemessenen Lärmwerte weit hinter sich.

 

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Helmut Berndt misst einen vorbeifahrenden Traktor mit 84 db(A), per Video dokumentiert
Bei der am 15.Mai von den sachverständigen Anwohnern mit einem geeichten Meßgerät gemessenen Lärmwerte traten Spitzen bis zu 84 dB(A) auf, was einer achtmal so hohen Lärmbelastung wie gesetzlich zulässig entspricht. Kristian Knipping: "Die Bürger leben hier wie an einer Autobahn, nur ohne Lärmschutz. Es ist ignorant, diese Zahlen zu umgehen." Zum besseren Verständnis: Eine Erhöhung des Schallpegels um 3 db(A) entspricht einer Verdoppelung des Lärms.

 

 

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Damit alles seine Richtigkeit hat: Vor der Schallmessung wird die richtige Entfernung ermittelt
Die Anwohner der Alten Ladestraße weisen auf weitere Probleme hin: Helmut Berndt hat genau nachgemessen: "Unter der Bosenberg-Brücke haben wir eine maximale Straßenbreite von 5,80 m." Ein Begegnungsverkehr der schweren Landmaschinengespanne ist hier schon nicht mehr möglich. Wir werden uns also zur Erntezeit auf laute Signalzeichen der sich begegnenden Traktorfahrer einstellen müssen." Die Bosenberg Brücke sei -genauso wie die Alte Ladestraße- dringend renovierungsbedürftig.

 

 

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Das marode Fundament der Bosenberg-Brücke
Laut Auskunft der Deutschen Bahn sei die Brücke zwar sicher. Die Bilder sprechen hingegen eine andere Sprache. Überall bröckelt der Beton des 50 Jahre alten Bauwerks, das für diesen Straßenverkehr eigentlich niemals ausgelegt war. Aus armdicken Rissen quillt in einer übelriechend schlammigen Brühe das Erdreich durch die Mauern. Überall zeigen sich -trotz zahlreicher früherer Betonsanierungsversuche - neue Risse und Betonschäden. Die Fundamente der Brücke, die die schweren Eisenträger verankern, auf denen die Züge fahren, machen keinen vertrauenserweckenden Eindruck.

 

Heiner Klostermann, der in 30 m Entfernung zur Brücke wohnt, hat die Schäden mit seiner Kamera dokumentiert: "Wir vertrauen auf die Sicherheits-Aussage der Bahn. Doch wenn hier bis zu 100 mal am Tag an die 40 Tonnen schwere Traktorgespanne durchfahren, befürchten wir weitere Brückenschäden durch Vibrationen und Erschütterungen." 

Auch die Bürger aus dem Ortsteil Dolberg, die für eine andere Trassenführung bei der geplanten Ost- Umgehung ihres Ortes kämpfen, haben sich mit den Vorhelmer Biogasanlagengegnern in Verbindung gesetzt. Ihr gemeinsames Ziel sei es, gegen die Willkür der Stadt Ahlen anzugehen. Auch viele Bewohner des Dorfes Enniger zeigten sich am Samstag besorgt, geht doch auch ein Teil des Lieferverkehrs durch ihren Ort. Der Bürgermeister der Stadt Ennigerloh hat in einem Schreiben bereits ausdrücklich auf die Lärmbelastung hingewiesen und eine Umfahrung des Ortsteils Enniger gewünscht. Viele Ennigeraner erklärten sich mit den Vorhelmern solidarisch und bekundeten per Unterschrift ihr Unverständnis für die Stadt Ahlen.

 

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