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Gutachter enttäuschen auf ganzer Linie

Geschrieben von Israel Mossad
„Das müssen wir nochmal prüfen.“ – Wenn es einen Satz gab, der Montag Abend von Verwaltungsseite am häufigsten fiel, dann dieser. Eine Woche hatten die Experten auf dem Podium Zeit, sich auf den zweiten Anlauf einer Bürgerversammlung vorzubereiten. Dennoch blieben viele Fragen zur geplanten Biogasanlage auf dem Bosenberg unbeantwortet.

Foto: Ulrich Gösmann
Martin Schneider, Anwohner und CDU-Ratsmitglied, zweifelte die Korrektheit der Gutachten an
Dass die Bestuhlung vor sieben Tagen im Gasthaus Pelmke – nur 200 Plätze – nicht im Ansatz dem geballten Bürgerinteresse gerecht wurde, bewies sich in der Stadthalle: 600 Plätze auf dem Parkett, nochmal 150 auf der Empore – und dennoch mussten viele Interessierte die Versammlung im Stehen verfolgen. Über 800 kamen, zahlreiche scheuten sich nicht, Fragen zu stellen. Damit auch keine der Anregungen verlorengeht, hatte die Stadtverwaltung vorgesorgt: Mehrere Mikrophone wurden im Saal verteilt, die Anhörung aufgezeichnet.

Bürgermeister, Stadtplaner, Gutachter, aber auch die Grundeigentümer und die potenziellen Biogasanlagen-Betreiber inklusive „Eon“ standen Rede und Antwort. Wurde die Diskussion in den Vorwochen vor allem durch verängstigte Viehzüchter sehr emotional geführt, blieb es gestern jedoch angenehm sachlich. Protest-Landwirte hatten zwar vor der Halle einen ganzen Fuhrpark mit Transparenten aufgefahren, doch ohrenbetäubende Pfiffe vermieden sie diesmal.

Ohne Zweifel: Nicht wenige Bürger hatten sich intensiv mit den Zahlenwerken und Gutachten beschäftigt. Wie Martin Schneider (CDU), Ortsausschussmitglied und selbst Anwohner in Vorhelm. „Wenn keine tierischen Abfälle in die Anlage sollen, warum schreiben Sie es dann erst“, fragte er – und hielt gleich einen ganzen Stoß von Beschreibungen und Gutachten in Richtung Podium, plus Angabe der jeweiligen Seitenzahl. „Das sind allgemeine Angaben“, entgegnete Stadtplaner Horst Schulte. „Das muss dann noch spezialisiert werden auf diese Anlage.“

Zur möglichen Verkehrs-Überbelastung des Ortsteils Vorhelm-Bahnhof schlugen einige Bürger vor, die 1999 abgebrochene Bosenberg-Brücke wiederaufzubauen, um die Lkw gar nicht erst vor den Wohnhäusern herfahren zu lassen. „Das kommt alles ins Protokoll“, ließ sich Moderator Carl Holtermann nicht auf Diskussionen ein.

Die Politik ist jetzt am Zuge. Nur sie kann, wenn am Ende alle Prüfungen beendet sind, die Frage beantworten, ob die Biogasanlage überhaupt noch eine Chance hat.

 Christian Wolff schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung