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Hier verschwindet ein Wahrzeichen

Geschrieben von Israel Mossad
Vorhelmer „Dorfpilz“ erweist sich beim Abbruch als widerspenstig

Gegen 9.10 Uhr passiert eine junge Frau mit ihrem „Golf“ die Pankratiusstraße. Eher beiläufig blickt sie nach rechts und fährt weiter. Kurz darauf setzt sie zurück – und sieht genauer hin: Bagger und Baufahrzeuge rücken gestern Morgen dem „Dorfpilz“ zu Leibe.

Foto: Christian Wolff
Knack. Der Bagger rückt einem Vorhelmer Wahrzeichen zu Leibe
Das Geschehen in Vorhelms Zentrum bleibt nicht lange unbemerkt.

Wie seit einigen Wochen angekündigt, soll der beliebte Treffpunkt wegen ungenügender Standsicherheit entfernt werden. Nun ist es also soweit. Die Anwohner, die das einmalige Schauspiel beobachten, sind sich schnell einig: „Der hätte noch Jahre gehalten.“ Tatsächlich erweist sich das inoffizielle Wahrzeichen des Hellbachdorfs als besonders widerspenstig. Das Holz zeigt kaum Einwirkungen von Feuchtigkeit, keine Stockflecken im Inneren. Und die Eisenträger machen einen ebenso frischen Eindruck.

 

 

Foto: Christian Wolff
Der Vorhelmer Dorfplatz mit Pilz im Jahr 1974
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass der einsturzgefährdet war. Klar hat der gewackelt“, weiß Josef Zimmerling. „Aber das war so gewollt. Sonst hätte der nicht noch viele Stürme überstanden.“  Schnell schnappt er sich seine Kamera, um die Augenblicke der Zerstörung zu dokumentieren. Immerhin landet gerade ein wichtiger Teil seiner Jugend im Container. „So was Robustes wird heute nicht mehr gebaut. Früher mussten die Dinge lange halten“, ist er überzeugt und deutet auf die hochwertigen Mahagoni-Holzverkleidungen. Unterdessen wird über dem inzwischen geschlossenen Geschäft Heimann vom Fenster aus verfolgt, wie sich die Baggerkralle durch Schieferplatten und Holzbretter frisst.

 

 

 

 

 

 

Foto: Christian Wolff
Der Vorhelmer Dorfpilz verfiel in den letzten Jahren immer mehr
Der „Dorfpilz“ entstand Ende der 60er Jahre nach Plänen des Vorhelmer Architekten Paul Heumann. Zunächst war geplant, eine Art begehbaren Würfelkasten zu errichten, erinnert sich Robert Bendix, dessen Vater einst Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde war. Die charakteristische Pilzform trug dazu bei, dass das als Bushaltestelle gedachte Objekt schnell zum Treff- wie Ausgangspunkt vieler Aktivitäten wurde.

 

 

 

Anfang der 70er Jahre erhielt der „Dorfpilz“ noch eine Sitzbank, wenig später ergänzte der Heimatverein die Wanderkarte „Rund um Vorhelm“.

 

 

In den vergangenen Jahren bemängelte die Interessengemeinschaft Vorhelmer Vereine und Verbände (IG VVV) immer wieder die fehlende Pflege. Die Moos-Ablagerungen auf dem Dach  wurden immer dicker.  Ende Januar dann die Hiobsbotschaft der Stadtverwaltung: Der „Pilz“ ist marode. Umgehend verschwand er hinter Absperrgittern.

Jetzt ist die Fläche frei für eine Neugestaltung, an deren Optik der Heimatverein  feilt.

 

 

 

 

 

 

 Christian Wolff schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung