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Biogasanlage: Kein Blatt vor dem Mund

Geschrieben von Israel Mossad

Stimmen zum geplanten Bau der Biogasanlage 

Landwirt Heinz Josef Zumloh nahm am Dienstag bei der Protestaktion am Bosenberg kein Blatt vor den Mund. „Der Energieriese EON spielt doch mit falschen Karten“, sagte der 52-Jährige.

Foto: Detlef Peter Jotzeit
Den Anwohnern Sven Thiemann (l.) und Bernhard Vogelsang stinkt es.
In Wirklichkeit gehe es dem Unternehmen gar nicht um die Nutzung von alternativen Energien. „Die wollen sich nur ein Umweltmäntelchen umhängen“, glaubt er, „Geld verdienen die mit ihren Kohlkraftwerken.“ Grundsätzlich will Zumloh Biogasanlagen aber nicht verteufeln. „Kleine Einheiten, die von Landwirten betrieben werden, sind okay“, sagte er. Von der Größe der Anlage am Bosenberg fühle er sich schlichtweg überrumpelt.

Ein echtes Standortproblem macht Josef Hagemann aus. Nach Meinung des 45-jährigen Landwirts gehöre ein derart groß dimensionierte Biogasanlage einfach nicht in die Region. „EON sollte in den Osten gehen, in die ehemalige DDR“, schlägt Hagemann vor, dort sei genügend Anbaufläche für Mais vorhanden. In Ahlen und Umgebung befürchtet er ansonsten einen regelrechten Verteilungskampf. „Wir haben hier vorrangig Veredlungsbetriebe, die Viehhaltung betreiben“, so Hagemann, und dafür seien einfach große Flächen notwendig.

Für die Sorgen der Landwirte zeigte Anwohner Bernhard VogelsangVerständnis. Zumal er selbst direkt betroffen ist. „Wir befürchten eine massive Geruchsbelästigung und starken Verkehr“, so der 65-Jährige. Kein gutes Haar ließ er darüber hinaus an der Informationspolitik der Stadtverwaltung und der Betreibergruppe der Biogasanlage. „Da sickern immer nur Bruchstücke durch.“ Und das sei nicht unbedingt vertrauensbildend.

Ins gleiche Horn stieß Sven Thiemann. Der 28-jährige Anwohner hat ebenfalls Bedenken gegen das Biogas-Vorhaben. Neben den vorhersehbaren Belästigung bringt er noch ein Argument vor: die zu erwartende Wertminderung der Gebäude: „Die Preise für die Grundstücke werden sinken“.



Foto: Detlef Peter Jotzeit
Die Biogasanlage stößt bei Bauern und Anwohnern auf starke Ablehnung
Keine Chance gegen einen Riesenkonzern ?

„Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“. Massiver Protest hatte sich am Dienstag, 12.Februar 2008 gegen die geplante Biogasanlage am Bosenberg formiert. In Sichtweite des ehemaligen Zementwerks machten rund 80 Anwohner und Landwirte ihrem Unmut Luft. Auf Transparenten stand unter anderem zu lesen „EON gegen Bauern“ und „Biogas contra Lebensmittel“.

„Für den EON-Konzern ist das doch nur ein Prestige-Objekt“, wetterte Ludger Schulze-Horsel, „für uns Bauern geht es aber um die Existenz“. Kein Verständnis zeigt der 38-jährige Landwirt für die Größe der Biogasanlage. Für die Erzeugung von zwei Megawatt Strom würden mindestens 700 Hektar Fläche zum Anbau nachwachsender Rohstoffe benötigt, rechnete er vor, und genau diese Flächen fehlten dann den heimischen Veredlungsbetrieben. EON könne überall hingehen, aber die heimischen Landwirte seien nun einmal an die Region gebunden.

Martin Post (42) sieht das nicht anders. „Letztendlich fehlen uns die Flächen“, sagte er, und damit habe die Region keine Zukunftsperspektiven mehr. „Daher müssen wir jetzt handeln“, erklärte er, „ansonsten müssen wir uns später den Vorwurf unserer Kinder gefallen lassen, warum wir nichts dagegen getan haben.“

Hermann Stratmann sorgt sich ebenfalls um die Zukunft der Jungbauern. Aufgrund steigenden Flächenbedarfs sieht er einen regelrechten Verteilungskampf auf die heimische Landwirtschaft zukommen. Das führe unweigerlich zu steigenden Pachtpreisen und einer Verknappung von Futtermitteln. Ein enormer Preisanstieg sei vorprogrammiert, letztendlich auch für die Endverbraucher. Andre Sudhues (24) hegt ebenfalls arge Bedenken und sieht die heimischen Landwirte klar im Hintertreffen. „Gegen einen Riesenkonzern wie EON haben wir später keine Chance mehr.“

Nur knapp 200 Meter von der geplanten Biogas-Anlage entfernt liegt das Anwesen der Familie Böckmann. „Das Haus haben wir erst vor eineinhalb Jahren gekauft“, berichtete Klaus Böckmann. Er habe damals gedacht, dass es nach der Schließung des Zementwerk dort ruhig und beschaulich zugehen werde. „Jetzt muss ich nicht nur mit Lärm und Geruchsbelästigung rechnen, sondern auch mit einer deutlichen Wertminderung.“

 

 Detlef Peter Jotzeit schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und das Ahlener Tageblatt.