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Bürgerversammlung zur Biogasanlage abgebrochen

Geschrieben von Israel Mossad
Bürgerinformation um eine Woche vertagt. Damit hatten die Veranstalter wohl nicht gerechnet. Der 150 Personen fassende Versammlungssaal der Gastwirtschaft Pelmke in Vorhelm war hoffnungslos überfüllt.

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Mit zahlreichen Transparenten machten Bauern ihrem Protest Luft
Mit Aushängen und durch Bekanntmachung in der örtlichen Presse hatten Stadtverwaltung Ahlen, Stadtentwicklungsausschuss und Betreiber der geplanten Biogasanlage auf dem ehemaligen Bosenberg-Gelände die Vorhelmer Bürger zur Informationsveranstaltung am Montag Abend 18.00 Uhr ins Gasthaus Pelmke in Vorhelm eingeladen.

Pelmke-Gashauswirt Klaus Schwippe hatte seinen großen Saal vorsorglich mit zusätzlichen Sitzmöbeln bestuhlt, die sich aber bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung restlos gefüllt hatten. Trotzdem drängten immer mehr Menschen nach und standen schließlich außerhalb des Saals auf den Fluren. 

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Für die Bauern geht es um ihre Existenz
Carl Holtermann, Leiter des Ausschusses Stadtentwicklung und Fraktionsvorsitzender der CDU im Ahlener Stadtrat, der die Leitung des auf drei Stunden angelegten Informationsabends innehatte, sah deshalb keine andere Möglichkeit, als die Veranstaltung abzubrechen. "Eine vernünftige Diskussion ist in diesem Rahmen nicht möglich." teilte er über Mikrofon den versammelten Bürgern mit. In der Tat - es waren geschätzte 300 Personen im und vor dem Raum anwesend. Allein aus Sicherheitsgründen musste eine derart überfüllte Veranstaltung abgebrochen werden - abgesehen von zahlreichen weiteren Aspekten wie z.B. der schnell verbrauchten Luft in einem Raum mit doppelt so hoher Personenzahl wie vorgesehen.

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Carl Holtermann (r.) vertagte die Versammlung
"Wir haben am nächsten Montag die Stadthalle, außerdem verlängern wir die Eingabefrist für das Projekt bis zum 11. März" teilte Holtermann den versammelten Landwirten und Anwohnern mit und bat um Verständnis und Entschuldigung für den Abbruch der Veranstaltung. Viele Anwesende hatten zum Teil weite Wege auf sich genommen und mussten unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren.

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Bürgermeister Ruhmöller
Stadtentwicklungsausschuss und Verwaltung der Stadt Ahlen, darunter auch Bürgermeister Benedikt Ruhmöller, wollten mit dieser Informationsveranstaltung über die geplante Biogasanlage auf dem Gelände des ehemaligen Zementwerks Bosenberg berichten und den Bürgerinnen und Bürgern Gelegenheit geben, Einwände vorzubringen und zu diskutieren. Dass offenbar reichlich Einwände vorhanden sind, zeigte nicht nur die große Zahl der Anwesenden, sondern auch die Tatsache, dass einige Transparente mitgebracht hatten, die sie vor der Gastwirtschaft aufstellten, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Eine große Zahl der ortsansässigen Landwirte fühlen sich in ihrer Existenz bedroht, da sie durch den hohen Flächenverbrauch der Anlage die Pachtpreise für die Getreideerzeuger in nicht mehr zu bezahlende Höhen schnellen sehen.

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Dicht gedrängt standen Bürger im Saal und in den Fluren
Anwohner des betroffenen Ortsteils Vorhelm-Bahnhof waren ebenfalls zahlreich vertreten, um ihre Bedenken gegen die erhebliche Beeinträchtigung ihrer Wohnqualität vorzubringen. Sie befürchten, dass durch den hohen Lieferverkehr für die Anlage (ca. 14.500 LKW-Fahrten pro Jahr) eine hohe Lärm- und Abgasbelastung entsteht. Eine Anwohnerin: "Letzten Samstag lag ein ständiges Piepen in der Luft, verursacht durch die Warnsignale der rückwärtsfahrenden Großtraktoren auf der Anlage. Man fühlt sich, als hätte man einen Tinnitus."

Bei der Vorstellung des Projektes "Biogasanlage" geht es um die Information der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Offenlegungsfrist für den Bebauungsplan Nr. 72.4. Auf dem ehemaligen Zementwerksgelände ist eine Biogasanlage geplant, die in der Endausbaustufe ursprünglich Biogas im Äquivalentwert von 800 Kilowatt elektrischer Energie erzeugen sollte. Inzwischen ist durch den Einstieg des Energieversorgers E.ON der Plan auf 2 Megawatt angestiegen, was viele Landwirte mit großer Sorge erfüllt. Sie sehen die Zukunft ihrer Höfe gefährdet, da viele Veredelungsbetriebe (Viehzüchter) in der Region ansässig sind, die auf bezahlbare Flächen für den Futterpflanzenanbau angewiesen sind. Ein Betroffener: "Wenn ein Energieriese wie E.ON in ein solches Projekt einsteigt, wird er im weiten Umkreis die Ackerflächen für Getreide-Monokulturen anpachten - egal zu welchem Preis. Wir können da nicht mehr mithalten und unsere Höfe gehen daran kaputt."

Für Montag, den 25. Februar 2008, 18.00 Uhr ist nun die Informationsveranstaltung in der Ahlener Stadthalle angesetzt.