Ahlen-Vorhelm Web Portal

Ahlen-Vorhelm

Alte Ladestr.26 ,
59227 Ahlen-Vorhelm

Stadt Ahlen 02382-590
info@ahlen-vorhelm.de

Blitzeis wirft aus der Spur

Geschrieben von Israel Mossad
Sonntagmorgen, am 4.Advent 2007, kurz nach 8 Uhr: Es beginnt zu regnen – und innerhalb von nur wenigen Augenblicken bildet sich auf den Straßen im Kreis „Blitzeis“, die wohl tückischste Erscheinung des Winterwetters. Zwar verlesen die Radiosprecher kurz danach schon die ersten Warnmeldungen hoch und runter, doch für zahlreiche Verkehrsteilnehmer kommen diese Ansagen zu spät. Die Unfallmeldungen bei der Polizei überschlagen sich.
Foto: Sebastian Schnurpfeil
Plötzliches Eis: Extrem tückisch für Autofahrer
Als um 8.42 Uhr ein 38-jähriger Pkw-Fahrer aus Ahlen die Beckumer Straße in Richtung Wersestadt fährt, kommt es – aus Ahlener Sicht – zum schlimmsten Vorfall des eisigen Vormittags: Nach Angaben eines Zeugen habe der Fahrer seine Geschwindigkeit nicht den Witterungsverhältnissen angepasst und verliert daher die Kontrolle über sein Fahrzeug. Der Pkw dreht sich dreimal um die eigene Achse und schleudert auf den Gegenfahrstreifen. Er stößt mit dem Wagen eines 33-jährigen Manns aus Stadtlohn zusammen und erleidet schwere Verletzungen. Da er in seinem Fahrzeug eingeklemmt ist, muss er durch die Feuerwehr befreit werden. Über eineinhalb Stunden ist die Unfallstelle auf der Bundesstraße 58 voll gesperrt. Der Sachschaden wird derzeit auf etwa 25 000 Euro geschätzt. Der Mann aus Stadtlohn, seine 34-jährige Ehefrau und seine Kinder – eins, fünf und elf Jahre alt – erleiden leichte Verletzungen. Alle Unfallbeteiligten werden nach der notärztlichen Erstversorgung am Unfallort schnellstmöglich in nahegelegene Krankenhäuser gebracht.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

Foto: Sebastian Schnurpfeil
Michael Watol, Facharzt für Chirurgie, hat alle Hände voll zu tun
Um diese Zeit ist in der Ambulanz des St.-Franziskus-Hospitals, laut Michael Watol, Facharzt für Chirurgie, bereits „die Hölle los“. Das Wartezimmer sei voll und man werde wohl „noch den ganzen Tag operieren müssen“. Zahlreiche Knochenbrüche zwingen den Facharzt und seine Kollegen zu überhöhter Einsatzbereitschaft. Wurden im Tagesverlauf bestimmte Altersgruppen eingeliefert? „Im Moment sind alle Generationen vertreten“ – sagt‘s und wendet sich dem Telefon zu.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Sebastian Schnurpfeil
Reichlich Salz drauf! Die Streudienste fahren erstmals Dauereinsatz
Für die Mitarbeiter vom Streudienst im Baubetriebshof ist es der erste große Einsatz in diesem Jahr. „Wir haben über den Streuplan hinaus auch einige Nebenstraßen abgestreut, weil es spiegelglatt war“, sagt Teckentrup. Über acht Tonnen Salz haben sein Kollege und er bereits in den Morgenstunden auf den Straßen verteilt. Selbst das Streufahrzeug sei dabei gelegentlich ins Rutschen gekommen, führt er aus. Die Bürgersteige habe man allerdings nicht mit einbezogen, klärt Teckentrup im „AZ“-Gespräch auf. Aber wie man am Mittag an den weißen Rückständen auf den Gehwegen erkennen kann, haben die Bürger selbst Hand angelegt und ordentlich Salz gestreut, um sich sicher vor der eigenen Haustür bewegen zu können.

 

 

Foto: Sebastian Schnurpfeil
Taxifahrer Wilfried Bolinski kann seine Fahrt nach Düsseldorf nicht absagen.
Während sich Michael Watol um seinen nächsten Patienten kümmert, sitzt Heinz Teckentrup zusammen mit einem Kollegen auf dem Streuwagen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Genau dieser Weg – der von der eigenen Haustür zum Arbeitsplatz – war es, der Wilfried Bolinski gestern Morgen große Probleme bereitete. Um kurz nach 9 Uhr will sich der Taxifahrer auf den Weg machen, doch das Eis lässt ihm keine Chance. „Es war so glatt, dass auch das Fahrrad als Fortbewegungsmittel komplett ausgeschlossen war. „Also bin ich gelaufen“, erinnert sich Wilfried Bolinski um 15 Uhr an seinen einstündigen Weg zur Arbeit, als es auf den Straßen wieder halbwegs fließend vorwärts geht. „Ich hatte heute Morgen eine Flughafenfahrt nach Düsseldorf“, erzählt der Taxifahrer noch etwas aufgeregt. Seine Devise: „Langsam fahren, sonst baust du auch noch einen Unfall.“
Gesagt, getan. „Relativ pünktlich“ sei er gewesen, erzählt Wilfried Bolinski, während er an seinem parkenden Dienstwagen den Arm auflehnt. „Mein Fahrgast kam auch etwa 25 Minuten zu spät, so dass sich das ausgeglichen hat.“

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Sebastian Schnurpfeil
Volles Wartezimmer in der Ahlener Ambulanz
Ja, sie und ihre Kollegen hätten „wirklich Glück gehabt“, klingt sich jetzt auch die Frau aus der Zentrale, Ellen Kumherr, ins Gespräch ein. In den besagten Stunden des Blitzeises, sei bei über 30 Fahrten „alles heile geblieben.“ Es seien wesentlich mehr Anrufe gwesen, als an einem gewöhnlichen Sonntagmorgen, betont Ellen Kumherr. „Keiner hat sich auf die Straßen getraut – da mussten wir halt fahren. Langsam natürlich.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Sebastian Schnurpfeil schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung.