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Cola und Limettensaft machen ihn fit

"Auslandszivi" Alexander Drees berichtet aus Mexiko

"Hola Senors y Senoritas", schreibt Alexander Drees. Als er sich das  letzte Mal  meldete,  war der Vorhelmer gerade mal zwei Tage in der Ferne. Doch inzwischen ist viel passiert, was der Abiturient, der 15 Monate Zivildienst in Mexiko ableistet, hier zusammenfasst.

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Der Vorhelmer Alexander Drees leistet Zivildienst in Mexico
"Am Sonntag war ein großes Traditionsfest der Nahnu, eines der rund 60 unterschiedlichen indigenen Völker Mexikos. Die Menschen leben im Valle del Mezquital, der Region, in der wir in Zukunft leben und arbeiten werden. Da durch den Einzug des ,modernen' Lebens alte Lebensweisen in den Hintergrund gerückt sind, gerät vieles in Vergessenheit. Daher versuchen nun Zivis und Menschen vor Ort, an diese Traditionen zu erinnern und sie zu bewahren. Ich würde es vielleicht mit dem Plattdeutschen bei uns daheim vergleichen, welches meist nur noch ältere Leute sprechen und verstehen können. Aber um mehr über die Nahnu zu erfahren, empfehle ich die Internetseite des Ehemaligen-Vereins ,Animo': www.animo.info,

Die derzeitigen Zivis waren schon vorgefahren, um ihren Stand mit Büchern und Informationsmaterialien aufzubauen. Und ich bin mit Padre Pedro nachgefahren. Das Fest fand im kleinen Dorf Dahngu bei Tasquillo statt - ungefähr eine Stunde Fahrtzeit von Cardonal.  Dort angekommen, war ich überwältigt von dem Schauspiel, welches mir geboten wurde. Grob geschätzte 2000 Mexikaner, meist in tradioneller Tracht (ein Stoff, der aus der Mageypflanze gewonnen wird und sehr elastisch sowie haltbar ist) mit rot oder blau bestickten Kragen. Sehr schön.

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Beim Fest der Nahnu
Des Weiteren wurden unter einem Zelt viele alltägliche und regionale Dinge wie Taschen, Körbe, Stoffe oder Honig  verkauft. Was mich begeistert hat, war die Idee, dass dort selbstgetöpferte Tassen, Teller und Suppenschüsseln verkauft wurden, jeweils mit einem Spruch wie ,Behüte die Erde' oder ,Liebe die Erde' in Nahnusprache darauf.
Für zehn Pesos (ca. 80 Cent) konnte man etwas erwerben. Damit gewappnet, hatte man eine Art Freiverzehr. Ich habe mich daher mal voll und ganz auf die mexikanische Küche eingelassen. Es gab Atolle (Reiswasser mit Kakao-
oder Feigengeschmack, Pulke (Bier aus der Mageypflanze), diverse Salzas (Soßen), Gemüse, Fleisch und Tortillas. Alles zusammen: ein sehr bunter Mix. Ich habe versucht, so viel wie möglich zu probieren. Mich hatte daraufhin  Montezumas Rache gut erwischt, doch mit dem regionalen Tipp 'Cola plus Limettensaft' kam ich wieder auf die Beine. Auf diesem Fest
wurden auch traditionelle Tänze vorgeführt, Geschichten vorgetragen und Lieder gesungen. Ich freue mich schon auf das nächste Nahnufest im kommenden Jahr. Vielleicht schaffe ich es ja, auch dabei mitzuhelfen.

Die Folgetage waren weiterhin spannend und aufregend. Zum Beispiel meine erste Fahrt mit dem Auto, um einmal die Plfichtstrecke für den wöchentlichen Einkauf kennenzulernen. Autofahren hier ist völlig anders als in Deutschland. Ich hab es mehr oder weniger hinbekommen, werde aber wohl in Zukunft zusehen, dass ich ein Fahrrad in Cardonal  fitmache. Wir drei Auslandszivis starteten außerdem einen Trip nach Guatemala, um in der ICA-Spanisch-Sprachschule unsere Kenntnisse zu erweitern - oder in meinem Fall komplett zu erlernen. Wir fuhren extra nach Guatemala, da diese Schule einen guten Ruf hat. Des Weiteren ist die Schule in vielen sozialen Projekten aktiv, so dass auch wir die Möglichkeit haben, mit vielen neuen Eindrücken in Kontakt zu kommen und auch eine gute Sache zu unterstützen.

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Wer im Schatten fährt, hat Vorfahrt: Verkehr vorm Tempel
An der Schule lebt man in Gastfamilien. Ich lebe bei einer Judith Carniz, einer sehr netten 53-jährigen Frau. Das Leben ist hier auf jeden Fall anders als in Deutschland, aber mir fehlt es an nichts und ich kann mich nicht beschweren. Das Schöne an diesem Leben in den Gastfamilien ist, dass man ungemein viel über das Alltagsgeschehen lernen kann. Und ich finde, dass  sich nach meinem sechsten Tag hier mein Spanisch schon sehr gemacht hat.

Am Wochenende hat die Schule eine Fahrt zu einem Projekt angeboten, in dem auch Freiwillige arbeiten, und zwar zu einer Kaffeefinka. Es war der Wahnsinn, denn auf einmal stand ich mitten im Dschungel. Unglaublich: Was man sonst nur von Fotos kennt, durfte ich nun erleben. Auch die Führung durch die Kaffeeproduktion war gut. Was mich jedoch menschlich bewegt hat, war die Geschichte der Finka und der Kampf dieser Menschen um ihr Recht, diese Finka bewirtschaften zu dürfen und gerechte Löhne zu kriegen. Auch wenn es so scheint, dass dies hier wie Urlaub ist - dem ist nicht so.

Es ist für mich aber eine spannende Erfahrung, hier von den Menschen lernen zu dürfen.  Somit alles Gute von mir und uns aus Guatemala. Adios Muchachos."

Alexander Drees

 Christian Wolff und Alexander Drees schreiben für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung