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Sparsam bis nach Sizilien

Geschrieben von Christian Wolff

20 Prozent weniger Spritverbrauch: Wie ein 40-Tonner einen neuen Weltrekord aufstellt

Bis 2030 soll sich die Effizienz neuer Sattelzugmaschinen um 19 Prozent verbessern. 20 Jahre wollte Andreas Löchter nicht mehr warten. Der Geschäftsführer der Firma „Lifetime 24“ holte zum Gegenbeweis aus, sprach mit namhaften Herstellern, wagte letztlich den Praxistest. Andreas Löchter vor seinem TruckDas Fazit des 53-Jährigen: „Unsere Lkw sind schon heute in der Lage, 20 Prozent sparsamer zu fahren.“

München–Sizilien, das ist die Teststrecke für Löchter und seine Mitstreiter. „Der Praxisversuch wurde zunächst kritisch beäugt, vor allem wegen der anspruchsvollen Topographie“, weiß Dieter Kühling. Der 55-jährige Vorhelmer, Chef der Firma „Kühling-Optipark“, beteiligt sich als einer von zwei Fahrern an dem als utopisch eingestuften Versuch. Kernfrage: Wie effizient lässt sich ein Sattelzug fahren, wenn man versucht, alle bis dato bekannten Techniktricks einzusetzen? Voll beladen mit regulärer Fracht soll der 40-Tonner über die Alpen rollen – und trotz der 1700 Kilometer nicht mehr als 25 Liter Diesel pro 100 Kilometer verbrauchen.

Innerhalb weniger Tage gewinnt Löchter weitere Partner. Als Zugmaschine stellt „MAN Rental“ einen unspektakulären „TGX 18 440 XLX“ zur Verfügung. Beim Trailerhersteller „Krone“ wird noch ein „Profi Eco Liner“ angedockt, der mittels Seitenbeplankung für einen verminderten Luftwiderstand sorgen soll. Als Zusatzelement steuert die Firma „Kuda“ einen Mini-Spoiler bei, der die Lücke zwischen Zugmaschine und Trailer verkleinert. „Michelin“-Leichtlaufreifen werden an den „X-Lite-Felgen“ für möglichst geringen Rollwiderstand angebracht. Doch damit nicht genug: Der Innenraum wird komplett technisiert, Daten wie Verbrauch und Drehzahl sowie Brems- und Beschleunigungsverhalten werden automatisch erfasst. Aus Löchters eigenem Chemielabor kommen Spritsparflüssigkeiten wie Motorreiniger, Öl und Versiegler.

Ein Fernsehteam von N24 dokumentiert den Test.Dann ist es soweit: Eco-Fahrtrainer Dieter Kühlung dreht den Zündschlüssel um. Morgens um 7.30 Uhr geht es zur Tankstelle Vatterstetten, wo ein Tüv-Mann die Füllmenge dokumentiert – und den Tankdeckel verplombt. Letzte Formalie ist eine Lkw-Waage in Bad Aibling. Dann geht‘s Richtung „Bella Italia“.

Dem erfahrenen Fahrlehrer Kühling spenden die Telematiksysteme schon bald elektronischen Applaus für seine sparsame Fahrweise. Als größtes Hindernis türmt sich der Brenner vor dem Tross auf, der auf Schritt und Tritt von einem Kamerateam des Nachrichtensenders „N 24“ begleitet wird. Kühling: „Der lange Anstieg lässt keine leistungsbezogene Strategie zu.“ In solchen Fällen gelte es, die Nadel des Drehzahlmessers zu beobachten. Fällt sie langsam, reicht manchmal auch ein halber Gang. Bewusst fährt er nicht schneller als 82 Stundenkilometer. „Höhepunkt waren für mich die 35,8 Liter am Brenner. Da hatten wir zehn bis 15 Liter mehr kalkuliert“, blickt der Vorhelmer zufrieden aufs Zwischenergebnis.
Kurz vor Modena zwingt eine Totalsperrung zur Nachtruhe auf einen Parkplatz.

Der italienische Tankwart staunt nicht schlecht.Auch am nächsten Tag – Stefan Rupping hat das Steuer übernommen – zeigt der Apennin den Rekordjägern immer wieder die Zähne. Dann erreicht die Fernfahrer-Truppe Villa San Giovanni. Der „Agip“-Mann steckt den Zapfhahn in den Tank: Wo liegt der finale Kraftstoffverbrauch? Am Ende stehen 463,74 Liter auf der Uhr – Verbrauch also knapp 27 Liter. „Ein echter Spitzenwert“, meint Andreas Löchter. Den normalen Spritverbrauch eines 40-Tonners schätzt er für diese Strecke auf etwa 37 bis 38 Liter. Der Aufwand hat sich gelohnt.

 

Christian Wolff schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung

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