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"Lieber Brache als Biogasanlage"

Geschrieben von Christian Wolff

Alternative Anbindungen des Geländes laut Stadt zu teuer / Emotionale Diskussion / Gutachten


Mit schallendem Gelächter quittierten zahlreiche Bürger das Resümee von Peter Wenzel: „Sie werden die Anlage vermutlich gar nicht wahrnehmen“, sagte der Gutachter vom Büro „Uppenkamp & Partner“. Die Investoren warben für die BiogasanlageEr hatte zuvor Lärm-, Schall- und Geruchsprognosen vorgestellt, die nach der Inbetriebnahme der geplanten Biogasanlage auf dem Bosenberg zu erwarten sind.

Im Mittelpunkt der Bürgerversammlung, die am Anfang dieses dritten Planverfahrens zur Nachnutzung des stillgelegten Zementwerks steht, standen jedoch die Anliegen der Anwohner aus dem Ortsteil Vorhelm-Bahnhof.

„Uns interessieren keine Durchschnittswerte. Die Spitzenlasten in der Erntezeit sind das Problem. Was haben die Bürger davon, wenn Sie nach Ihren Vorgaben rechnen?“, machte Marion Zimmerling deutlich. „Richtlinien sind dazu da, dass sie eingehalten werden“, konterte Carl Holtermann, der als Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses die Versammlung leitete. Ein Versammlungsteilnehmer brachte es auf den Punkt: „Das ist sicherlich legal, aber nicht legitim.“ Martin Schneider vermisste in den Gutachten die mögliche Ausweitung des bestehenden Gewerbegebiets und warf den Verantwortlichen beim Thema Verkehrszählung sogar „schlampige Arbeit“ vor. Martin Schulze Rötering sprach von „Augenwischerei“ und „Unehrlichkeit“, was die alleinige Anlieferung per Lkw angehe. Es würden doch mit Sicherheit auch Schlepper eingesetzt. Aussagen, die Applaus ernteten.

Anwohner Bernd Stürmer (r.) brachte Argumente der Bürger vorAm ehesten, so klang es später heraus, könnten die Anlieger mit einer Biogasanlage leben, wenn wenigstens der Verkehr aus Vorhelm ferngehalten würde. Dorothea Sachs hielt jedoch dagegen, dass die Investitionskosten für eine Alternativstrecke in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen: Eine Anbindung über das Olfetal würde 700 000 Euro kosten, über den Vinckewald 550 000 Euro und über die Bahn rund drei Millionen Euro. Dann, meinte ein Bürger, sollte man doch „lieber eine Brache hinnehmen als eine Biogasanlage zu errichten“. Heinrich Artmann (FWG) war übrigens der einzige Politiker, der an diesem Abend Stellung bezog. Er hält die Biogasanlage für nicht sinnvoll.

Investor Rainer Fränkle hatte ein weiteres Mal Mühe, gegen die geballte Anti-Biogas-Front anzureden. Doch den zwischenzeitlich geäußerten Vorwurf der Profitgier wollte er nicht auf sich sitzen lassen: „Ich lade Sie alle ein, sich am Projekt zu beteiligen.“

Anwohner Bernd Stürmer hatte seinen eigenen Vortrag mitgebracht. Darin zeigte er Ungereimtheiten in der aktuellen Planung auf und versuchte anhand einer Lärmkarte der Deutschen Bahn zu belegen, dass es am Bahnhof schon jetzt zu laut ist. Das Argument, dass zu Zementwerkszeiten mehr Verkehr geherrscht hat als nun zu befürchten ist, sei dabei unerheblich, sagte er. Mehrere Bürger machten sich außerdem Gedanken über künftig verschmutzte Straßen und die gewerblich genutzte Gülle, die ab 1. Januar als Gefahrgut gilt.

Zum Schluss sorgte eine Äußerung von Stadtplanungschef Mattias Bartmann für Irritationen. Die Tatsache, dass der Fachanwalt, der das neue Verfahren begleiten soll, von den Investoren bezahlt wird, werteten einige Bürger als zweifelhaft. Bartmann betonte jedoch, dass die Stadt vollends das Zepter in der Hand behalte: „Wir suchen den Anwalt aus, wir geben ihm die nötigen Informationen.“ Es habe lediglich eine Kostenübernahmeerklärung der Investoren gegeben, damit die Sache nicht am Ende dem Steuerzahler zur Last fällt.

 

Christian Wolff schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung.

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