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"Absolut keine Staubbelastung!"

Geschrieben von Christian Wolff

Getreidelagerung am Bosenberg - Bürgerversammlung

Reicht der Platz oder reicht er nicht? Er reichte, auch wenn die letzten Besucher der Informationsveranstaltung zum Brennpunkt Bosenberg am Mttwochabend die Stühle selbst in den Saal der Gaststätte Pelmke tragen mussten.

Foto: Christian Wolff
Bürgermeister Benedikt Ruhmöller (stehend) leitete die Versammlung
Weit über 100 Interessierte waren gekommen, um zu erfahren, was es mit der Getreidezwischenlagerung auf sich hat, für die sich die Zementsilos in Kürze öffnen sollen.

Bürgermeister Benedikt Ruhmöller wurde nicht müde, als Gastgeber mehrfach darauf hinzuweisen, dass die Zwischenlagerung nur eine Zwischenlösung sei - und nichts mit einer langfristigen Nutzung des Geländes als Biogasanlage zu tun habe. Der Verwaltung und allen Beteiligten ginge es um ein Höchstmaß an Transparenz. Daher auch diese Veranstaltung. Anwalt Thomas Tyczewski, der die Interessen der Investoren vertritt, stellte klar, dass aus rechtlichen Gründen nichts gegen eine solche Zwischennutzung spreche. So weit der Stand seiner Prüfungen. Um einzelne Anlagenteile des Zementwerkes zu nutzen, bedürfe es in diesem Stadium einer Nutzungsänderung. Dazu müssten - wie bei einem ganz normalen Bauantrag - die Unterlagen bei der Gemeinde eingereicht werden. Man sei gerade dabei.

Architektin Agnes Weber lenkte die Blicke der Bürger via Beamer in die Silos. „Es ist absolut sichergestellt: Die Einlagerung passiert staubfrei.“ Die Anlieferung erfolge über die Außenstelle der Raiffeisen - in geschlossenen Lastwagen (22-Tonner) - und nicht über offene Trecker direkt vom Feld. In den fünf Wochen zwischen Mitte Juli und August seien 750 Lkw-Transporte mit 15 000 Tonnen Getreide vorgesehen. 30 Anlieferungen pro Tag - bei Tempo 30. Nächte und Wochenenden seien tabu.

Die anschließende Diskussion war einmal mehr emotionsgeladen. Der Bürgermeister bat in deren Verlauf wiederholt um Sachlichkeit. Unter dem Eindruck der Veranstaltung plädierte Benedikt Ruhmöller dafür, keinen Schnellschuss zu machen, sondern ein formelles Nutzungsänderungsverfahren einzuleiten.

 

Getreide bereits illegal eingelagert? Anwohner äußern Verdacht.

Bei der Infoveranstaltung am Mittwochabend kam es nicht zur Sprache, doch hinter den Kulissen ist eine brisante Frage schon lange Thema: Wird auf dem Bosenberg bereits – illegalerweise – Getreide eingelagert? Diesen Verdacht haben Anwohner, die seit längerer Zeit „verdächtige Lkw-Bewegungen“ auf dem ehemaligen Zementwerksgelände beobachtet haben, wie sie jetzt angaben.

Ein Verdacht allein reicht freilich nicht, daher will die Bürgerinitiative nun eine offizielle Prüfung dieses Sachverhalts in die Wege leiten. Die Stadtverwaltung kann nur ordnungsrechtlich gegen eine mögliche illegale Lagerung vorgehen, wenn es eine entsprechende Anzeige bei der Bauordnungsbehörde gibt.

Foto: Christian Wolff
Über 100 interessierte Vorhelmer waren gekommen
Bürgermeister Benedikt Ruhmöller ist der Verdacht indes nicht neu: „Uns wurde schon vor einigen Monaten so etwas zugetragen.“ Eine damalige Prüfung habe den Vorwurf jedoch nicht bestätigt. „Wenn jetzt eine illegale Nutzung stattfinden würde, wären wir natürlich verpflichtet, diese zu unterbinden.“ Die Duldung einer vorübergehenden Getreidelagerung in den früheren Zementwerkssilos scheint jedenfalls nach der Diskussion am Mittwochabend vom Tisch. Wie berichtet, will sich die Stadt nicht auf eine solche einlassen, da gegenüber dem Gesamtvorhaben zur Nachnutzung massives Misstrauen herrscht. Das hielt der Bürgermeister gegen Ende der Veranstaltung fest.

„Wir können angesichts dessen nicht einfach die Füße stillhalten“, sagte er. „Wir müssen in ein reguläres Nutzungsänderungsverfahren einsteigen.“ Auch wenn die Thematik Getreidelagerung getrennt von der Biogasplanung betrachtet werden sollte, spielte diese Problematik dennoch eine wichtige Rolle. Das inzwischen tiefverwurzelte Misstrauen von Anwohnern gegenüber den Investoren und dem Ortsausschuss war für das Stadtoberhaupt mehr als deutlich zu vernehmen. „Ich nehme es ernst, es stört mich und ich will es nicht noch vertiefen.“ Nur so viel: „Alles, was die weiteren Pläne am Bosenberg angeht, wird derzeit geprüft.“ 


Verkehr bleibt größter Angstfaktor: Investorenpläne treffen erneut auf breites Misstrauen

Foto: Christian Wolff
Auf der Beamer-Leinwand: Die geplante Getreidelagerung
Die Verwaltung geht auf Nummer sicher: Für eine befristete Zwischennutzung des stillgelegten Zementwerks Bosenberg als Getreidelager will sie ein Nutzungsänderungsverfahren einleiten. Und das kann sich hinziehen – unter Umständen bis zum Ende der Erntezeit. Das Vorhaben, noch in diesem Jahr rund 15 000 Tonnen Getreide in die alten Silos zu befördern, wäre damit geplatzt.


Die Investoren hatten bis Mittwochabend noch gehofft, eine zeitsparende „Duldung“, wie sie rechtlich möglich wäre, zu erwirken. Doch massive Widerstände traten ihnen bei der Bürgeranhörung im Gasthaus Pelmke entgegen. Über 120 Interessierte hatten sich in den Saal gedrängt, der eigentlich nur für 80 Besucher bestuhlt war. „Wenn der Bosenberg ruft, dann kommt das Volk“, scherzte Bürgermeister Benedikt Ruhmöller, der die Versammlung leitete, eingangs noch in lockerem Ton. Später musste er mehrfach versachlichend eingreifen, als die Wogen zu sehr hochschlugen.


Egal, ob Getreide- oder Biogaspläne: Der zu erwartende Verkehr bleibt offenbar der größte Angstfaktor im Ortsteil Vorhelm-Bahnhof. „Wehret den Anfängen“, meinte ein Zuhörer. „Für mich ist der Getreidehandel nur die Vorstufe für eine noch größere Verkehrslawine.“ Zusagen der Architektin Agnes Weber, dass Tempo 30 und Wochenendruhezeiten „auf jeden Fall eingehalten“ werden, beeindruckten Cornelia Beck nicht: „Es ist egal, ob 30 oder 50 gefahren wird – die Lärmbelastung ist genauso hoch“, sagte die Sprecherin der Bürgerinitiative und bezweifelte, dass die Behörden schnell genug reagieren könnten, wenn Anwohner eine Nichteinhaltung von Auflagen feststellten. Außerdem würde die Initiative dem Getreidelager nur dann zustimmen, wenn die Biogasanlage wegfiele.

Foto: Christian Wolff
Die hohe Verkehrsbelastung macht den Bürgern Angst
Zum ersten Mal meldete sich Reiner Fränkle zu Wort. Er ist neben Heribert Telges und Paul Borgmann der Hauptinvestor der geplanten Bosenberg-Nachnutzung. „Sie sollten das Ganze als Chance verstehen, um zu prüfen, ob wir unser Wort halten“, sagte er in der Hoffnung, in Sachen Getreidelagerung Misstrauen abzubauen. Dasselbe versuchte auch Thomas Tyczewski, Rechtsanwalt der Investorenseite, indem er die Unbedenklichkeit betonte, die bereits per Gutachten bestätigt worden sei. Bahnhofs-Anwohner Kristian Knipping erinnerte daran, dass jene Gutachten aufgrund vermeintlich falscher Ausgangsdaten bereits mehrfach von der Bürgerinitiative infragegestellt worden sind. Die Frage, woher denn das Getreide überhaupt kommen würde, beantwortete Raiffeisen-Vertreter Jürgen Beermann: „Aus Sendenhorst.“ Eine Information, die viele Vorhelmer nicht nur für den Bahnhofsbereich, sondern auch fürs Dorf eine gesteigerte Verkehrsbelastung befürchten ließ. „Sie können nirgendwo den Verkehr auf Null bringen“, hielt Fränkle dazu fest. Auch Ruhmöller gab zu bedenken, dass „irgendwo immer eine Straße“ sei oder „ein Vogel zwitschert“.

Im Verlauf der Versammlung wurde der Ton immer schärfer. Kritische Äußerungen mussten auch die Politiker einstecken. „Es ist lächerlich, was der Ortsausschuss mit uns macht“, machte eine Anwohnerin ihrem Ärger Luft. Die CDU wolle die Biogasanlage „auf Biegen und Brechen durchpauken“, ereiferte sie sich. Das veranlasste den Ausschuss-Vorsitzenden Hubertus Beier gegen Ende der Veranstaltung zu einem Statement: „Ich habe viel Zuspruch von Bürgern und ehemaligen Bosenberg-Mitarbeitern, die froh sind, wenn auf dem Zementwerk wieder etwas passiert.“ Er habe 32 Jahre an einer stark befahrenen Kreuzung gelebt, so dass er Verkehrsbelastungen einzuschätzen wisse. „15 000 Tonnen Getreide sind nichts gegenüber dem, was zu Zementwerkszeiten rein- und rausgefahren wurde“, sagte Beier. Das meinte auch Ludger Inkmann, Anwohner der Strontianitstraße: „Damals war auf der Alten Ladestraße garantiert mehr los.“

Der Idee, eine Zufahrt vom Olfetal aus anzustreben, um Verkehr aus den bewohnten Gebieten fernzuhalten, konnten letztlich alle Seiten etwas abgewinnen. Allerdings sei dies eine so kostspielige wie aufwändige Variante mit sicherlich nicht einfachen Grundstücksverhandlungen, gab der Bürgermeister den Anwesenden mit auf den Weg und versprach, dass alle inzwischen eingegangenen Einwände rund um die Nachnutzung bei der derzeit laufenden Prüfung berücksichtigt würden.


 Christian Wolff schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung 

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