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Nachgerechnet: Bürger misstrauen Bosenberg-Gutachten

Geschrieben von DocChicago

Nachdem am 31.3. in einer öffentlichen Sitzung des Stadtplanungsausschusses erste Zweifel an der Richtigkeit des Gutachtens für die geplante Biogasanlage am Vorhelmer Bosenberg laut wurden, legte die Bürgerinitiative am Mittwoch weitere Bedenken vor.

Foto: Ahlen-Vorhelm.de
Bernd Stürmer hat alles nachgerechnet
„Wir haben starke Zweifel, dass die Zahlen des Gutachtens den Tatsachen entsprechen.“ meint Bernd Stürmer, im Hauptberuf TÜV-Sachverständiger, der sich mit Verkehrs- und Lärmgutachten auskennt und die Zahlen nachgerechnet hat. Und Cornelia Beck, Sprecherin der Bürgerinitiative, legt nach: „Man will uns glauben machen, das Gutachten sei vom LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, Red.) geprüft und genehmigt worden. Dies ist aber nicht der Fall. Geprüft worden ist nur die rechnerische Richtigkeit. Also ob zwei plus zwei gleich vier ist. Wenn aber schon die Eingangszahlen falsch sind, kann das Ergebnis nicht richtig sein!“

 

Und die Bürgerinitiative legt Beispiele vor:

Erstes Beispiel – Straßen und Verkehrslärm. Stürmer: „Die Zahlen im Gutachten – das geben selbst die Betreiber zu – beruhen auf Schätzungen und Annahmen. Wir haben jedoch eigene Verkehrszählungen durchgeführt, und zwar lückenlos von 6 bis 22 Uhr.“ Für die Alte Ladestraße wurden mit geeichten Messgeräten die Lärmpegel ermittelt und Berechnungen durchgeführt. Die Anwohner haben danach bereits an normalen Tagen mit einem Dauerlärmpegel von 66 db(A) zu leben, weit oberhalb des erlaubten Grenzwerts nach dem BImSchG (Bundesimmissionsschutzgesetz, Red.). Betrachtet man die Erntezeit gesondert, wenn Mais in die Biogasanlage gefahren wird, wächst der Pegel auf 69,4 db(A), was einer Verdoppelung des Lärms und sogar eine dreimal so hohe Belastung wie gesetzlich zulässig bedeutet. Stürmer weiter: „Die Zahlen des Betreibergutachtens gehen weiter davon aus, dass die Fahrzeuge freiwillig Tempo 30 fahren. Wir können jedoch davon ausgehen, dass die schweren Ackerschlepper schneller unterwegs sind, denn für den Lohnunternehmer ist Zeit Geld. Außerdem macht ein Traktor bei Tempo 30 auf diesem Untergrund fast genausoviel Lärm wie bei 50.“ Die Alte Ladestraße, bereits jetzt in keinem guten Zustand mehr, würde stark unter den bis zu 40 Tonnen schweren Traktorgespannen leiden. Außerdem würde sowohl am Bahnhof als auch in Vorhelm-Dorf mit einem Verkehrschaos zu rechnen sein, denn wenn sich die bis zu 3,49 m breiten Zugmaschinen begegnen, geht auf der Straße nichts mehr. Gefährliche Situationen, Verkehrsstaus, verschmutzte Straßen, lange Wartezeiten an Kreuzungen und Einmündungen seien die Folge. Die Dorfbewohner müssten sich auf erhebliche Beeinträchtigungen ihrer Lebensqualität einstellen.

 

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Cornelia Beck kämpft für die Lebensqualtiät
Zweites Beispiel – Flächenverschwendung. Cornelia Beck, selbst Landwirtin, hat Flächenberechnungen durchgeführt und mit Erfahrungen von Landwirten und Zahlen der Landwirtschaftskammer abgeglichen. „Die Stadt will die vom Investor vorgerechneten Inputmengen (Mais, Gülle, Mist) von 21.000 Tonnen festschreiben.“ sagt sie sehr nachdenklich. „Das wären bei einer Leistung der Biogasanlage von 844 kW nur 0,4 ha Ackerfläche pro 1 kW elektrischer Energie. Diese Rechnung kann aber nicht stimmen. Bei unserer Bodenqualität wird mindestens 0,5 ha Ackerfläche benötigt, um 1 kW herzustellen. Wenn die Stadt aber die 21.000 Tonnen festschreibt, kommt der Investor mit der Ackerfläche nicht aus und braucht in Wirklichkeit 20% mehr Fläche. Ergebnis: Weitere ungesunde Monokulturen der Äcker und eine erhebliche Verteuerung der Pachtflächen für die übrigen Bauern. Außerdem wird die Biogasanlage bei der Menge ein thermisches Problem haben.

 

Drittes Beispiel – Mogelpackung Nachnutzung. Von der Stadt und den Betreibern werde immer wieder die Nachnutzung einer Industriebrache in den Vordergrund gestellt. Die für die Biogasanlage vorgesehene Fläche bestehe aber zu 90% aus Neubau. Die vorhandenen Altgebäude werden gar nicht dafür genutzt, sondern nur für einen Groß-Getreidespeicher. Der wäre aber nur in einem reinen Industriegebiet zulässig, nicht in einem Mischgebiet mit Wohnbebauung wie am Bosenberg. Die Biogasanlage also als Einstiegstor für noch schlimmere Belastungen der Bürger?

 

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Die Bürgerinitiative Bosenberg fordert ein unabhängiges Gutachten

 

Cornelia Beck: „Wir fordern von der Stadt den verantwortungsvollen Umgang  mit der Lebensqualität ihrer Bürger. Sie sollte sich nicht hinter einem schöngerechneten Betreiber-Gutachten verschanzen, sondern die ureigenste Aufgabe der Politik wahrnehmen: Nach bestem Wissen und Gewissen für das Wohl des Gemeinwesens sorgen. Deshalb muss ein unabhängiges Gutachten her!“

 

Bis zum Ende der Einspruchsfrist am 14.Mai haben die Bürger erneut Gelegenheit, Bedenken gegen die Biogasanlage bei der Stadt Ahlen einzureichen. Dieses neue Verfahren beginnt am 14.April, schriftliche Anregungen und Bedenken an die Stadt sind wieder erwünscht.

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