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Flächendeckender Protest gegen Vorhelmer Biogas-Pläne

Geschrieben von Israel Mossad
Bürgerinitiative startet Flugblattaktion / Ahlener Grüne üben Kritik

Ein leuchtend-grünes Blatt flatterte am Wochenende in sämtliche Briefkästen der Hellbachgemeinde. Überschrift: „Biogas am Bosenberg – eine Angelegenheit, die stinkt?“

Fotomontage: Christian Wolff
In ganz Vorhelm und Tönnishäuschen wurden Flugblätter verteilt
Bei der Lektüre wird deutlich, dass die Bürgerinitiative Bosenberg diese Frage ganz klar mit „Ja“ beantwortet. Die Initiatoren der Flugblattaktion möchten auf diesem Wege deutlich machen, dass sie deutliche Zäsuren in der Lebensqualität aller Vorhelmer – und darüber hinaus – befürchtet.

Die Verteilung des Handzettels stieß gestern auf Kritik bei den Ahlener Grünen. „Presserechtlich ist das Ganze nicht ok. Es steht neben der Bürgerinitiative überhaupt kein echter Absender drauf“, sagt Petra Pähler-Paul gegenüber der „AZ“. Verbunden mit den Informationen auf dem Zettel ist ein Aufruf, bei der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses Flagge zu zeigen. „Am 31. März um 16 Uhr könnten die Würfel für unsere Zukunft fallen“, ist auf dem Zettel zu lesen. Aufgelistet sind außerdem acht Punkte rund um das Verfahren Biogasanlage, die den Absendern „spanisch“ vorkommen. Pähler-Paul bezeichnet die Äußerungen als „haarsträubend“.

Fest steht: Der Bürgerinitiative Bosenberg stinkt‘s nach wie vor gewaltig. Nach Ansicht der Anwohnergruppierung des Ortsteils Vorhelm-Bahnhof zieht der geplante Bau der Biogasanlage einige erhebliche Einschränkungen und langfristige Folgen nach sich. Und zwar nicht nur für die Anlieger von Haarbachstraße, Alte Ladestraße, Eichendorffstraße und den Bosenberg selbst, sondern auch für die Bewohner der Umgebung, da sich dort der gesamte Lieferverkehr „hindurchwälzen“ werde.


„Es wurde Zeit, endlich auch die Bewohner des Dorfes Vorhelm zu informieren“, meint die Sprecherin der Bürgerinitiative Bosenberg, Cornelia Beck. „Die fliegen das Zeug ja nicht mit dem Hubschrauber ein – zur Erntezeit donnern Hunderte Traktoren durchs Dorf.“ Einen hohen Wertverlust ihrer Immobilien befürchten die Anwohner außerdem.

Bernd Stürmer, im Hauptberuf TÜV-Sachverständiger und einer der Bürgerinitiativen-Sprecher meint: „Immobilienbanken rechnen uns bereits jetzt vor, dass unsere Immobilien bis zu 40 Prozent Wertverlust erleiden werden – durch höhere Lärmbelastung und mögliche Schwingungs- und Erschütterungsschäden des Schwerverkehrs.“ Der Begriff Schwingungsschäden bringt Petra Pähler-Paul unterdessen zum Schmunzeln. Dass die Schwingungen vorbeifahrender Traktoren Schäden verursachen, glaubt sie nicht.

Der Verkehr zur Ver- und Entsorgung der Biogasanlage und der zusätzlichen geplanten Getreidespeicher ist das Hauptproblem für die Anwohner. Sie trauen dem Gutachten nicht, das die Betreiber der Stadt zur Genehmigung vorgelegt haben. Eigene Verkehrszählungen und Messungen sprechen eine andere Sprache. Stürmer: „Wir haben Verkehrszählungen durchgeführt und Lärmmessungen mit geeichten Messgeräten. Der tatsächliche Lärm liegt weit über den zulässigen Grenzwerten.“

Die propagierte Nachnutzung der Industriebrache brewerten die Akteure als „Mogelpackung“, da die Biogasanlage komplett neu gebaut werden soll. „In die bestehenden Gebäude ziehen Gewerbebetriebe ein. Diese sind für den Betrieb der Biogasanlage nicht notwendig“, steht auf dem grünen Zettel. Die undurchsichtigen Diskussionen jüngster Zeit zwischen Naturschutzbund und den Grünen (die „AZ“ berichtete) werden ebenso nicht ausgespart.

Von der Stadt wurde das Gutachten inzwischen zur Plausibilitätsprüfung dem Büro des Regierungspräsidenten vorgelegt, das die Plausibilität bestätigt hat. Hierzu sagt der Sachverständige: „Ein Plausibilitätsgutachten prüft nur, ob zwei und zwei gleich vier ist. Rechnerisch ist das Gutachten also richtig. Doch die Ausgangszahlen sind falsch.“ Seiner Meinung nach sollte das Ganze noch einmal durch ein unabhängiges Gutachten überprüft werden. Ferner seien bestimmte Faktoren wie Geruchsbelästigung beim Be- und Entladen der stinkenden Geflügelmistabfälle und gesundheitsgefährdende Feinstaubentwicklung bei Fahrten durch das dicht besiedelte Dorf „schlicht und einfach nicht berücksichtigt“ worden.

Die Initiative hofft nun, dass sich möglichst viele Bewohner des Ortsteils Vorhelm sowie weitere Interessierte am 31. März am Ahlener Rathaus einfinden, um für ihre Interessen einzutreten.

 Christian Wolff schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung

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