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Biogasanlage Bosenberg "gestorben"

Geschrieben von Israel Mossad
Das umstrittene Projekt „Biogasanlage am Bosenberg“ in Ahlen-Vorhelm ist gestorben. Die CDU-Mehrheitsfraktion will das Verfahren stoppen und eine „Denkpause“ in dieser Sache einlegen. Das gaben Fraktionschef Carl Holtermann und seine Stellvertreterin Barbara Buschkamp am Dienstagnachmittag bekannt.
Fotomontage: Christian Wolff
Die CDU-Fraktion stoppt das Projekt Biogasanlage am Bosenberg
Jetzt muss nur noch der Rat zustimmen.


„Wir haben nach der Bürgerversammlung noch lange zusammengesessen und uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Holtermann. Nach ausführlicher Diskussion stimmte die Fraktion noch am späten Montagabend geschlossen dafür, den Antrag zur Aufhebung des Ratsbeschlusses vom 18. Juni 2007 zu stellen. Bei CDU-Mehrheit besteht somit keine Chance mehr für das Vorhaben, gegen das Veredelungsbetriebe der Region seit Wochen Sturm laufen. 

„Wenn wir jetzt nicht aussteigen, können wir hinterher keine Deckelung der Leistung mehr vornehmen“, beschrieb Barbara Buschkamp. „Der alte Beschluss wurde auch unter völlig anderen Gesichtspunkten gefasst als sich hinterher auf Nachfrage ergaben“, ergänzte der Fraktionschef. Die potenziellen Betreiber hätten die Karten nur zögerlich auf den Tisch gelegt. „Wir haben uns für eine 880-Kilowatt-Anlage unter mittelständischer Betreiberregie ausgesprochen.“ Dann sei plötzlich „Eon“ im Boot gewesen, was für Unmut unter Anwohnern, Landwirten, benachbarten Betrieben und Kommunalpolitikern gesorgt hat.

Mit Bestürzung habe die Fraktion aufgenommen, dass Befürworter der Anlage „mit teilweise seltsamen Methoden“ von den Gegnern unter Druck gesetzt worden seien. „Zum Teil wurden die Kinder instrumentalisiert.“ Holtermann und Buschkamp legten jedoch Wert auf die Feststellung, dass sich die Ratsfraktion mit dem Projekt-Stopp nicht „dem Druck eines Lagers“ beuge. „Aber es ist unsere Pflicht, den Frieden wiederherzustellen. Mit diesem Verfahren wären wir nicht mehr auf eine sachliche Ebene zurückgekommen“ Mit „Frieden“ kam der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses vor allem auf „Feindschaften“ zu sprechen, die sich nicht nur durch Landwirtsfamilien zögen.

Foto: Sebastian Schnurpfeil
Mit Treckerkorsos waren Bauern zur Bürgerinfo in der Stadthalle angerückt
Auf allen Seiten seien Fehler gemacht worden, räumten die Christdemokraten ein. „Die Gutachter haben mich schwer enttäuscht“, nahm Carl Holtermann noch einmal Bezug auf die Bürgerversammlung. Schon während der Veranstaltung am Montagabend waren Zweifel an den Planungsgrundlagen aufgetreten, die von der CDU-Fraktion später beleuchtet werden mussten. Eigentlich hatten die über 800 Bürger in der Stadthalle informiert werden wollen, doch es schien nach einiger Zeit so, als seien Gutachter und Fachleute überhaupt nicht auf Detailfragen vorbereitet gewesen. Verwirrende Zahlenbeispiele, unterschiedliche Ausgangspunkte traten zutage. Zum Schluss meldeten viele Bürger Zweifel an der Planung an.

Vor allem falsche Angaben in den Gutachten, auf denen die Planung basierte, gaben der CDU-Fraktion in der Folge zu denken, erklärten die Vorsitzenden. „Wir haben uns natürlich schwergetan, aus dem Verfahren komplett auszusteigen, weil eine Biogasanlage an sich niemand abgelehnt hatte, sondern die Größenordnung.“ Womöglich wäre es aber besser gewesen, das Projekt von Anfang an in einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan einzubinden. Das räumte der CDU-Fraktionschef inzwischen ein.

Foto: Sebastian Schnurpfeil
Zukunft begraben? Junglandwirte fürchten um ihre Existenz
Sollten sich die Investoren dazu entschließen, ihr Projekt weiterzuverfolgen, müssten sie alle Daten offenlegen – und sich darauf einstellen, in kleinerem Rahmen als im zuletzt angestrebten agieren zu können. Denn: Ein Großprojekt mit „Eon“-Beteiligung ist mit der Entscheidung der CDU seit gestern wohl endgültig vom Tisch.

Ein dickes Fragezeichen steht nun hinter der Zukunft des stillgelegten Zementwerks Bosenberg. Es ist davon auszugehen, dass die Industriebrache in nächster Zeit eine solche bleibt. „Ein alternativer Investor ist noch nicht in Sicht“, so Holtermann. Die Stadt will am Ball bleiben.

 

 Christian Wolff schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung

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