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Nur 30 Prozent der Fläche für Biogas

Geschrieben von Israel Mossad
Zementwerk Bosenberg: Führung über das Gelände

Thomas Avermiddig steht mit gemischten Gefühlen an der alten Waage. Hier in Vorhelm-Bahnhof hat er immerhin 15 Jahre gearbeitet. Gerald Zabel, der hinter ihm steht, noch länger – genau 37.

Foto: Christian Wolff
Interessierte Bürger besichtigten die ehemalige Bosenberg-Anlage
Zum ersten Mal seit der Schließung des Zementwerks Bosenberg betreten sie gestern um kurz vor 14 Uhr wieder ihre alte Wirkungsstätte. Freilich nicht, um zu arbeiten. Eingeladen hat die Grundstücksverwaltung Bosenberg GmbH, die bei einer Führung über das Gelände ihre Pläne vorstellen will.


Es macht noch immer einen imposanten Eindruck, das Zementwerk Bosenberg. Und das, obwohl mindestens 70 Prozent der Maschinen bereits abgebaut sind, wie Paul Borgmann den rund 75 Interessierten erklärt. Wohl auch ein Verdienst des Gärtners, der als einziger Ex-Bosenberg-Mitarbeiter auch nach der Schließung vor Ort geblieben ist und seinen Dienst nach wie vor ausführt.

„Es wurde Zeit, dass wir den Leuten mal zeigen, was hier wirklich geplant ist“, erläutert der Geschäftsführer  schließlich den Grund für den „Tag der offenen Tür“ unmittelbar vor der Bürgerversammlung im Saal Pelmke.

Foto: Christian Wolff
Heribert Telges (vorn) zeigts: Hier lagert schon der erste Mais - zu Probezwecken
Die Grundbesitzverwaltung will einen Teil der alten Industrieanlage an die Betreiber einer Biogasanlage verpachten. „Von den knapp 70 000 Quadratmetern nutzbarer Fläche wird die Biogasanlage nur etwa 30 Prozent ausmachen“, verdeutlicht Borgmann, der auf viele Jahre Genossenschaftserfahrung in Sendenhorst blicken kann. Der Rest der Anlage wird Getreidelager oder anderweitig verpachtet. „Es ist also noch Potenzial für weitere Nachnutzungen da“, sagt Borgmann mit Blick auf Ex-Laboratorium und Werkstatt. „Auch die Gemeinschaftsräume sind in sehr gutem Zustand, zum Teil mit Marmor ausgekleidet.“

Die Infrastruktur für die bisherigen Planungen ist vorhanden, stellen die Besucher schnell fest. Beim Betreten des 25 Meter hohen Gebäudes der Zementmühle wird ihnen klar, um welche Größenordnung es hier geht. „Je 5000 Tonnen passen in die großen Silos“, erklärt Paul Borgmann. „In die kleinen 750 Tonnen – die werden  später zu Umschlagsilos, da kann viel der bestehenden Technik übernommen werden.“

Foto: Christian Wolff
Paul Borgmann, Geschäftsführer der Grundstücksverwaltung führt über das Gelände
Die nächsten Nachbarn interessiert vor allem eins: die Geruchsbelastung durch die Biogasanlage. Nach Angaben von Heribert Telges, künftiger Mitbetreiber, wird so gut wie gar kein Geruch nach außen dringen, da die Anlage im Gebäude  von Mauern umschlossen sein wird. Gülle werde außerdem nur zur Prozess-Stabilisierung eingesetzt, die Vergärung geschehe nur in geschlossenen Behältern. Eines bekräftigt Telges „sicherheitshalber“ noch einmal: „Es werden definitiv keine Schlachtabfälle verarbeitet. Die standen nie zur Debatte.“

Und der zu erwartende Verkehr? „Der Großteil beschränkt sich auf die Erntezeit zwischen Juli und August“, so Borgmann. „Da kommen dann 900 bis 1000 Fahrzeuge zusammen. Dafür ist es in der übrigen Zeit ruhig, da wird nach Marktlage sukzessive abgefahren.“  

Die Anlage braucht hauptsächlich Energie. Die vor zehn, 15 Jahren bevorzugte Biomasse sei heute nicht mehr aktuell, beschreiben die Experten während des Rundgangs. Das in der Biogasanlage, die zwei Megawatt Leistung bringen soll, produzierte Gas soll ins öffentliche Netz eingespeist werden. Von ursprünglichen Plänen, eine Firma im Olfetal von Vorhelm-Bahnhof aus zu versorgen, sei man inzwischen abgekommen, informiert Paul Borgmann.

Die Beteiligung des Energiekonzerns „Eon“ sei übrigens ebenso eine  jüngere Entwicklung, ergänzt Telges. „Wir hatten anfangs vor, das Projekt mit mehreren Landwirten durchzuziehen. Dann sind aber einige Interessenten abgesprungen – und wir haben schließlich größere Energieversorger angeschrieben, um das Projekt nicht ganz begraben zu müssen.“ Darauf habe sich „Eon“ aufgeschlossen gezeigt.



Foto: Christian Wolff
In den ehemaligen Zementsilos soll die Biogasanlage entstehen
Wie eine Biogasanlage funktioniert

Biogas ist ein brennbares Gasgemisch, das  unter Luftabschluss entsteht. Organische Abfälle, wie pflanzliche Rückstände, lassen sich zur Erzeugung von Biogas nutzen.

Das organische Abfallmaterial, zum Beispiel Gülle, wird in einem Lagerbehälter  gesammelt und gelangt über eine Pumpe in einen Faulbehälter. Dieser „Fermenter“ muss von der Luft abgeschlossen sein, da die biogaserzeugenden Mikroorganismen keinen Sauerstoff vertragen (anaerobe Vergärung).

Außerdem sollte kein Licht in den Faulraum dringen. Die Mikroorganismen zersetzen die Gülle in ein Gasgemisch, das im allgemeinen zwischen 50 und 65 Prozent Methan enthält, und hochwertigen Dünger.

Das brennbare Gas wird über dem Faulraum entnommen, während die ausgefaulten Stoffe aus dem Behälter geholt werden. Das Biogas kann nun durch Verbrennung zur Raumerwärmung oder zur Stromerzeugung genutzt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 Christian Wolff schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung

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