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Wurzeln reichen nach Drensteinfurt

Geschrieben von Christian Wolff

Ein Zirkusbericht war für Heinrich Fröchte der Auslöser, sich intensiver mit Ahnenforschung zu beschäftigen. Mit Unterstützung von Pastor Hermann Honermann begab er sich auf Ahnenforschung. Erste Ergebnisse liegen nun vor.

Mit einem Duplikat von „Fröchtes Kolonat“ brachte ein entfernter Verwandter aus dem Schwarzwald erstes Licht ins Dunkel der Familiengeschichte. Heinrich und Petra Fröchte versuchen nun, die Bezüge ihrer Ahnen zu ordnen. Foto: Christian WolffDieser Familienname kommt in der Tat nicht häufig vor: Fröchte. „Nur 37 Leute soll es in Deutschland mit diesem Namen geben“, sagt Heinrich Fröchte. „Das ist nicht so wie bei Meier, Müller oder Schulze.“ Grund genug für den Tönnishäuschener, sich auf die Pfade der Ahnenforschung begeben – tatkräftig unterstützt von seiner Tochter Petra. „Wir hoffen, dass wir noch weitere Zweige unserer Familie finden. Vielleicht sogar in der nahen Umgebung.“

Das Interesse an den Vorfahren wurde im Dezember vorigen Jahres geweckt. Da stieß Petra Fröchte auf einen Bericht aus der Nachbarstadt Hamm, in dem zu lesen war: „Henry Fröchte, der derzeit im Hammer Weihnachtszirkus als Fußjongleur auftritt und dessen Familie ursprünglich aus Ahlen stammt, lädt alle Fröchtes aus Ahlen, Hamm und Umgebung in den Zirkus ein.“ Da erinnerte sich Heinrich Fröchte an einen Ahnenforscher seines Nachnamens aus dem Schwarzwald. „Der war vor längerer Zeit mal bei uns und sagte, dass auch er Ahlener Wurzeln hätte.“ Mit einem Duplikat von „Fröchtes Kolonat“ – einer Art Kurzchronik der Familie, die bis ins Jahr 1320 zurückgeht – erfreute der entfernte Verwandte die Vertreter aus dem Kapellendorf. „Das Dokument hängt heute gerahmt bei uns im Flur.“

Keine Frage: Die Zirkusaufführung wurde besucht. Insgesamt drei Fröchte-Familienzweige, die Henry Fröchte noch nicht kannte, trafen bei diesem Anlass aufeinander, knüpften Kontakte und versprachen, in den eigenen Dokumenten nach weiteren Spuren der Familiengeschichte zu suchen. In welchem Verwandtschaftsverhältnis sie nämlich zueinanderstehen, ist noch weitgehend unklar.

Wo liegen die Ursprünge der Familie Fröchte, die bis heute noch einige Vertreter in Ahlen vorweisen kann? „Wir leben seit Generationen hier“, sagt Heinrich Fröchte. Sein Hof am Alten Münsterweg bei Tönnishäuschen kann jedoch nicht besagte Urzelle gewesen sein, was dank der Recherche von Pastor Hermann Honermann, der seit Jahrzehnten die Häuser- und Familiengeschichten in und um Vorhelm aufarbeitet, inzwischen zweifellos feststeht.

Demnach hieß der Tönnishäuschener Hof Fröchte früher Bröcker. Ein Ackerer Fröchte hat sich dort um 1830 eingeheiratet. „Noch bei meinen Großeltern steht im Stammbuch ,Familie Fröchte genannt Bröcker‘“, liest Petra Fröchte in den nur schwer zu entziffernden Handschriften.

Ausgangsort der Familiengeschichte dürfte ein Hof Fröchte gewesen sein, der schon vor rund 600 Jahren zum Haus Steinfurt (Schloss Drensteinfurt) gehörte und dem Amtshof Bockhorst in Eickendorf zugeordnet war. Honermann hielt fest: „Die Bewohner des Hofes Fröchte mussten dem Hof Bockhorst früher jährlich zwei Goldgulden zahlen – zum Beispiel im Jahr 1400.“ Im Jahr 1320 sei Theoderich von Volme­stein Herr auf Haus Steinfurt gewesen, der im selben Jahr dem Grafen von Limburg seinen Hof Fröchte anbot. „Der Graf nahm den Hof an, gab ihn aber dem Theoderich von Volmestein auf Haus Steinfurt zurück als Lehen.“


Das ist nicht so wie bei Meier, Müller oder Schulze.

Heinrich Fröchte


Von Volmestein zu Drensteinfurt besaß also den Hof Fröchte, verpachtete ihn an verschiedene Pächter, die dann immer den Namen Fröchte annehmen mussten. Der Hof hieß daher im Jahr 1426 Vröchten gut to Panewyk. 1597 wurde Godeert (Gottfried) Steman aus Herbern neuer Pächter und nahm den Namen Fröchte (wie auch immer geschrieben) an. 80 Taler dürfte die jeweilige Pacht betragen haben. 1625 wurden Lammert Kluen und seine Frau die neuen Bewohner. „Weil das Erbe total verwüstet war, verlangte die Frau von der Reck, die neue Herrin auf Schloss Steinfurt, nur eine geringe Abgabe von den neuen Pächtern“, erfuhr der emeritierte Pfarrer durch seine Archivforschung. „Ansonsten betrugen die jährlichen Abgaben an Haus Steinfurt zehn Taler, ein Schwein, zwei Gänse, sechs Hühner und ein Hahn sowie zwei Handdienste in der Woche für Haus Steinfurt.“

az logoAhlener Zeitung, Bericht: Christian Wolff

 

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