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Im Schlafanzug von Kneipe zu Kneipe gezogen

Geschrieben von Heiner Klostermann

Zwei Männer haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Vorhelm heute ein Teil von Ahlen ist: Johannes Truelsen und Herbert Faust. Die beiden Altbürgermeister standen im Mittelpunkt einer Zeitzeugenrunde, die der Heimatverein einberufen hatte. Werner Dammert hielt dazu einen Vortrag.

Ehrengäste des Heimatvereins: Heinz Wiechens, Erich Dreger, Werner Bertram, Ahlens Altbürgermeister Herbert Faust, Josef Remmert, Vorhelms Altbürgermeister Johannes Truelsen, Günter Hein, Werner Dammert und Alois Hoppe (v.l.). Foto: Christian WolffMehr als vier Jahrzehnte nach der Kommunalen Neuordnung ist es längst selbstverständlich, dass Vorhelm ein Ortsteil der Stadt Ahlen ist. Doch der „Hochzeit“, die am 1. Januar 1975 amtlich besiegelt wurde, ging eine lange politische Diskussion v oraus. Mit einer Zeitzeugenrunde erinnerte der Heimatverein Vorhelm am Dienstagabend an diese bewegenden Jahre. Als Ehrengäste begrüßte der Vorsitzende Willi Wienker dazu den ehemaligen Vorhelmer Bürgermeister Johannes Truelsen, der heute in Brodersby bei Schleswig lebt, und den früheren Ahlener Bürgermeister Herbert Faust.

Die noch lebenden Mitglieder des damaligen Gemeinderats waren ebenfalls im Saal des Hotels Witte vertreten: Günter Hein (SPD), Werner Bertram, Josef Remmert, Alois Hoppe, Erich Dreger und Heinz Wiechens (damals Unabhängige Wählergemeinschaft Vorhelm UWV). Einzig Hugo Angsmann ließ sich entschuldigen.

„Es war nicht das Bestreben der UWV, Vorhelm mit Ahlen zusammenzuschließen“, hielt Werner Dammert, damals Stellvertreter des Vorhelmer Amtsdirektors Hermann Untiedt, fest. „Am liebsten wollte man eigenständig bleiben.“ Die Vereinigung mit Enniger und Sendenhorst wäre für Vorhelm jedoch mit zahlreichen Einbußen einhergegangen. „Wir hätten zum Beispiel die Schulhoheit verloren.“ Die Beratungen mit Ennigers Bürgermeister Grundkötter wurden zu einem Ärgernis für Vorhelm. „Man muss in der Politik auch mal Entscheidungen nach den Herzen der Wählerschaft treffen“, meinte Herbert Faust später rückblickend.

Eine Entscheidung, die von den damaligen politischen Akteuren nicht bereut wird: „Ich bin froh, dass es so gekommen ist“, bilanzierte Johannes Truelsen. Er war von 1969 bis 1972 Bürgermeister in Vorhelm, brachte den Zusammenschluss maßgeblich auf den Weg, bevor er aus beruflichen Gründen zunächst ins Sauerland und dann in den hohen Norden wechselte. „Ich denke aber noch häufig an Vorhelm.“Viele Vorhelmer hatten ihren Altbürgermeister Johannes Truelsen (re.) seit Jahrzehnten nicht gesehen.

Im Mittelpunkt der Zeitzeugenrunde standen aber weniger die politischen Beweggründe, die mit der Kommunalen Neuordnung in Verbindung standen, sondern persönliche Anekdoten aus der Zeit vor 40 bis 45 Jahren. „Wir sind mal am Rosenmontag in Schlafanzügen von Kneipe zu Kneipe gezogen“, wusste Truelsens Ehefrau Rosemarie zu berichten. Damals gab es noch ein gutes Dutzend Lokale im Hellbachdorf, was nicht folgenlos blieb. Tags darauf hatte die Zeitung eine dicke Schlagzeile über die närrische Bürgermeister-Tour. „Die Brennerei Hasselmann hat sogar mal einen speziellen UWV-Schnaps hergestellt“, blickte der Altbürgermeister mit Freude zurück. Ein kleiner Rest davon stehe noch heute bei ihm im Schrank.

Der frühere Amtskollege Herbert Faust bekannte: „Ich bin mit offenen Armen in Vorhelm empfangen worden.“ Dass Ahlen die Ehrenbürgerschaft des Grafen Droste zu Vischering übernehmen würde, sei für ihn selbstverständlich gewesen. Den Bürgern riet er: „Bleiben Sie Vorhelmer. Ahlener sind Sie sowieso, aber die Eigenheit der Vorhelmer müssen Sie sich bewahren.“

Um die Erinnerungen etwas aufzufrischen, führten Heinz Piecha und Günter Latzel schließlich ein historisches Filmdokument vor, das den ersten Spatenstich zum Bau der Vorhelmer Turnhalle zeigt. Bei diesem Anlass brach Truelsen damals der Spaten ab. „Heute kann ich es ja verraten: Günter Hein hatte den Stiel angesägt“, sagte Josef Remmert später.

Ahlener Zeitung, Bericht: Christian Wolff

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