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Den Wibbelthof hat er seit Jahren nicht gesehen

Geschrieben von Israel Mossad
Besuch von Wibbelt-Fachmann Rainer Schepper am 28. Oktober 2008 in der Vorhelmer Nicolaikirche
Als der junge Rainer Schepper am 25. Februar 1944 zum ersten Mal ins Schäringer Feld nach Vorhelm fuhr, um den bekannten Priester und Dichter Augustin Wibbelt zu besuchen, konnte er noch nicht ahnen, dass sich eine tiefe Freundschaft entwickeln würde.

Bis zum Tode Wibbelts am 14. September 1947 besuchte ihn Schepper auf seine Einladung 32-mal – oft für mehrere Tage.


Foto: Archiv Schepper
Augustin Wibbelt (l.) und Rainer Schepper 1944
Jahrzehntelang war der spätere Gründer der münsterischen Augustin-Wibbelt-Gesellschaft nicht mehr dort. Und noch nie hat Rainer Schepper eine Wibbelt-Lesung, wie er sie seit vielen Jahren in der Domstadt erfolgreich hält, dort gehalten, wo Wibbelt zuhause war, wo er geboren wurde und begraben liegt - in Vorhelm. Das soll sich in Kürze ändern.

Vor drei Jahren wuchs bereits der Kontakt zu Hans Strack aus Aachen, der Wibbelt unmittelbar bei Kriegsende kennenlernte. Dem Heimatverein Vorhelm ist es nun mit Unterstützung von Josef Remmert, Vorsitzender  der Interessengemeinschaft Vorhelmer Vereine und Verbände (IG VVV) gelungen, Rainer Schepper nach Vorhelm einzuladen. Am Dienstag, 28. Oktober, sind alle Interessierten ab 20 Uhr zu einem unterhaltsamen Wibbelt-Abend in die Nicolaikirche, Agnes-Miegel-Straße, willkommen. Der Eintritt ist kostenlos.


Eine Gruppe Vorhelmer Laiendarsteller um Hildegard Latzel, die auch den Arbeitskreis „Plattdeutsche Sprache“ im Heimatverein betreut, wird die Lesung mit einer Darbietung auflockern. Musikalische Begleitung auf der Orgel kommt von Bernhard Schnückel, der sich spontan dazu bereit erklärt hat, den Abend mitzugestalten.

Aus dem weiteren Inhalt sei noch nicht allzu viel verraten. Rainer Schepper, geboren am 27. März 1927 in Münster, spricht die Wibbelt-Gedichte jedenfalls grundsätzlich frei. Seine weitere Textauswahl fokussiert vor allem auf solche Beiträge, die Vorhelm betreffen. Er wird sicherlich auch auf seine persönlichen Erfahrungen mit der über Westfalens Grenzen hinaus bekannten Persönlichkeit eingehen.

Foto: Christian Wolff
Rainer Schepper heute
So schrieb ihm Wibbelt am 3. Mai 1944: „Jetzt gebe ich Dir für alle Fälle eine General-Einladung. Du kannst jederzeit ohne weiteres kommen, wenn Du frei bist d. h. wenn Du gerade in der Lage bist, ohne vorher anzufragen oder Dich anzumelden. Kannst einfach hier hereinschneien, auch für mehrere Tage. Den Weg weißt Du ja – und willkommen bist Du immer.“
 
Nach dem Tod seines schreibenden Freundes wohnte Schepper ein weiteres halbes Jahr – von Mai bis November 1948 – in Vorhelm in der Vikarie bei Dr. Erich Nörrenberg. Dieser übertrug ihm schließlich das sogenannte „Wibbelt-Schränkchen“ mit einem Teil des handschriftlichen Nachlasses von Augustin Wibbelt. Daraus editierte Schepper zwischen 1969 und 2006 mehrere Werke, darunter „Der versunkene Garten“ mit Wibbelts Lebenserinnerungen. 1983 gründete der Münsteraner die „Augustin-Wibbelt-Gesellschaft“, 1985 den „Literaturkreis Wibbelt“. Als Dr. Erich Nörrenberg dann nach Münster verzog, wohnte Rainer Schepper noch einige Zeit in einem Zimmerchen über dem Hauseingang des Alten Pastorats von St. Pankratius bei Pastor Aloys Dönnebrink. Von da aus ging es dann ins Studium zur Universität Hamburg.  

 Christian Wolff schreibt für Ahlen-Vorhelm Web Portal und die Ahlener Zeitung

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