Ahlen-Vorhelm Web Portal

Ahlen-Vorhelm

Alte Ladestr.26 ,
59227 Ahlen-Vorhelm

Stadt Ahlen 02382-590
info@ahlen-vorhelm.de

Wolfgang Rüdiger verstorben

Geschrieben von Heiner Klostermann

Treue und Hilfsbereitschaft zeichneten ihn aus

Wolfgang Rüdiger ist am Montagmorgen verstorben. Am 1. März wäre er 92 Jahre alt geworden.

Diakon Wolfgang Rüdiger wirkte bis ins hohe Alter von 91 Jahren ehrenamtlich in der Pfarrgemeinde St. Pankratius. Am Montag ist er verstorben. Foto: Christian WolffIn der Pfarrgemeinde St. Bartholomäus trat der gebürtige Berliner 1979 seinen Dienst als Diakon an. 1990 wechselte der ehemalige Berufssoldat in die Vorhelmer St.­-Pankratius-GemeindeDas Gebet, das Pastor Michael Kroes in der Sonntagsmesse für Wolfgang Rüdiger sprach, ließ bereits Ernstes erahnen. Den Diakon der Pfarrgemeinde St. Pankratius hatte in diesen Tagen eine schwere Lungenentzündung ereilt, von der er sich nicht mehr erholte. Am Montagmorgen ist der 91-Jährige friedlich eingeschlafen.

Treue und Hilfsbereitschaft zeichneten Wolfgang Rüdiger immer aus. Mehr als sechs Jahrzehnte war er mit seiner Christel verheiratet. Auch nach ihrem Tod ließ sich der Ahlener nicht entmutigen, übernahm weiterhin ehrenamtliche Aufgaben. Neben den vielen Wegbegleitern in St. Pankratius sowie seiner vormaligen Diakonstelle in St. Bartholomäus trauern nun auch viele Vereine und Verbände, die Rüdiger unterstützte – allen voran der „Freundeskreis Ahlener Soldaten“, den er gerne im April zur Gedenkfeier auf den Düppeler Schanzen begleitet hätte.

In Berlin-Moabit erblickte Wolfgang Rüdiger am 1. März 1925 das Licht der Welt. Mitten im Zweiten Weltkrieg legte er das Abitur ab. Von August 1942 bis Mai 1945 war er als Fallschirmjäger in Russland, Italien, Frankreich, Holland und Deutschland im Einsatz. Im Dezember 2016 sprach er mit dem Ahlener Marcel Englbrecht, der heute bei der Fallschirmjägertruppe seinen Dienst leistet, über seine Erlebnisse bei der Befreiung Mussolinis (die „AZ“ berichtete).

Nach der kurzen Kriegsgefangenschaft vom 8. bis 31. Mai 1945 in Plauen / Vogtland, die er zu Fuß in Richtung Westen verließ, verschlug es ihn in die Gegend von Iserlohn, der Heimat seiner späteren Ehefrau Christel Cornelissen. Weihnachten 1949 wurde Verlobung gefeiert, am 17. Januar 1951 folgte die Hochzeit.

Wolfgang Rüdiger, der zunächst eine Schlosserlehre gemacht hatte, absolvierte später ein Abendstudium im Bereich Maschinenbau. Bei der Firma Hoesch fand er eine Anstellung. Doch schon 1956 zog es den damals 31- Jährigen zur Bundeswehr. Als Unteroffizier kam er nach Hammelburg in Bayern. Allerdings litt die Familie unter der Entfernung, so dass sie nach zwei Jahren eine „Familienzusammenführung“ ins Auge fasste. Ein Brief an den damaligen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß löste viel Wirbel aus, doch am Ende wurde Rüdiger doch versetzt, und zwar nach Lippstadt. 1959 gehörte er zu den ersten, die in die neuerrichtete „Westfalen-Kaserne“ in Ahlen einzogen. Inzwischen war er schon Vater von fünf Kindern.

Von der bescheidenen Dienstwohnung an der Schubertstraße zog die nun siebenköpfige Familie im Jahr 1975 in das neue Eigenheim am Brüggel. Im Jahr zuvor hatte Wolfgang Rüdiger seinen Dienst bei der Bundeswehr beendet; zuletzt war er Hauptfeldwebel. Es blieb Zeit für andere Tätigkeiten. Rüdiger begann eine Ausbildung zum Diakon, die er im Oktober 1979 mit der Weihe abschloss. Zuerst wirkte er in Ahlen; 1990 wechselte er nach Vorhelm. Überall hinterließ er nachhaltig Spuren.

Einige Zeit vor seinem 90. Geburtstag begann Wolfgang Rüdiger, seine Lebenserinnerungen aufzuschreiben. Einem ersten, im privaten Kreis verteilten Buch folgte eine zweite, reich ergänzte Auflage – sein bleibendes Vermächtnis.

az logo Ein Nachruf von Christian Wolff

Kategorie: