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Konfrontation am Tierheim-Tor

Geschrieben von Heiner Klostermann

Streitpartei vor dem Tor: Gisbert Hiller (l.) hatte in einer sozialen Internetplattform zum „Sturm auf das Tierheim“ aufgerufen. Er und seine Mitstreiter kritisieren den schlechten baulichen Zustand der Einrichtung. Foto: Ann-Christin FrankSpannungsgeladene Szenen spielten sich am Freitagnachmittag am Mammut-Tierheim ab. Die beteiligten Parteien spalteten sich in zwei Lager – diesseits und jenseits des verriegelten Tierheimzauns. Ziel beider Seiten ist das Wohl der Tiere, doch in ihren Ansätzen lag der große Unterschied. Die ehrenamtlichen Helfer der Einrichtung standen dem Event-Manager Gisbert Hiller gegenüber, der über „Facebook“ einen Protestaufruf gestartet hatte.

 

Die Geschichte begann harmlos: Gisbert Hiller überreichte vor kurzem eine großzügige Spende von 4500 Euro an das Mammut-Tierheim, die durch eine eigene Aktion zusammenkam. Bei der Übergabe machte er sich ein Bild von der Lage und schoss einige Fotos von Tieren und Unterkünften. Diese stellte der Event-Manager dann samt Aufruf, das Heim unverzüglich zu schließen und abzureißen, ins Internet. Was folgte, war eine riesige Protestwelle.

Hillers „Facebook“-Seite bewirbt das „Mittelalterliche Phantasie-Spektaculum“, eine Veranstaltungsreihe des Drensteinfurters mit über 40 000 Anhängern. Die Mittelalter-Fans aus ganz Deutschland bezogen in einer unüberschaubaren Flut an Kommentaren Stellung zu Hillers extremen Darstellungen, in denen er nach Angaben der Vize-Vorsitzenden des Tierschutzvereins, Christiane Schäfer, üble Unwahrheiten über das Tierheim verbreite. Nach Angaben der Heimleitung berichte Hiller von „grauenhaften Zuständen, da Katzen und Hunde auf engstem Raum und ohne Tageslicht zusammengepfercht wären“. Ferner „stinke es nach Urin und Kot“ und der Maxi – ein ca. fünf Kilo schwerer Mischlings-Schoßhund – falle über freilaufende Katzen her.

Diese Vorwürfe sind gemäß Hiller nötig, um die Öffentlichkeit überhaupt für dieses Thema zu sensibilisieren. Und so hetzte der Drensteinfurter dem Tierheim das Kreisveterinäramt auf den Hals, dessen Arbeit und lasche Vorgehensweise in Sachen Tierschutz er im sozialen Netzwerk scharf kritisierte. Ungeschoren kommen auf dieser Seite auch die Ahlener Politiker und der übergeordnete Kreis Warendorf nicht davon, da sie von der Situation vor Ort seit Jahren wüssten.

Gisbert Hiller sieht sich nun in der Position, etwas daran ändern zu können. Laut eigener Aussage beabsichtige er, seine „800 guten Medienkontakte in ganz Deutschland“ zu nutzen, um klipp und klar mitzuteilen, wie die Stadt und die übergeordneten Behörden des Kreises zum Thema Tierschutz eingestellt sind.

Die Dramatik, die sich aus dieser Vorgeschichte ergab, entlud sich in heftigen Gesprächen vor verschlossenen Tierheimtüren. Die Leitung der Einrichtung verwehrte Hiller, der mit dunkler Sonnenbrille erschien, den erneuten Zutritt aufs Gelände, da dieser dem Heim, abgesehen von der großzügigen Spendensumme, bisher mehr Schaden als Nutzen zugefügt habe. Der Besuch des von Hiller beauftragten Veterinäramts ergab zwar keine Auffälligkeiten, die das Wohl der Tiere betreffen, jedoch könnte dem Tierheim, das seit Jahren mit einer wahren Katzenflut überschüttet wird, für dieses Frühjahr ein Aufnahmestopp für Katzen blühen. Derzeit sind rund 120 Katzen untergebracht, obwohl die Kapazität mit 80 Tieren schon erreicht ist. „Dies hat verheerendeFolgen für Katzenwelpen, die in Kürze geboren werden und dann wieder in Kartons vor unserer Tür landen“, erklärte Tierheimleiterin Ursula Grinsch. Da andere Heime zu dieser Zeit auch voll seien, bliebe bei einem Aufnahmestopp auch in Deutschland nur die Einschläferung der Tiere übrig, ergänzte Grinsch unter Tränen.

Da sich Tierfreund Gisbert Hiller, wie in dem Gespräch vor dem Tierheim herauszuhören war, vorerst nur für die bauliche Verbesserung des Tierheims stark machen will, aber keine unterstützenden Position im Kampf für eine Kastrationspflicht bei Katzen beziehen möchte, kamen die beiden Parteien nur schwer auf einen gemeinsamen Nenner.

Nach stundenlangen Debatten einigten sich die Parteien dahingehend, dass sich das Tierheim auf Hillers Anweisung mit der Bauordnungsabteilung in Verbindung setzt, um zu klären, welche baulichen Veränderungen auf diesem Gelände möglich wären – die einzige Übereinkunft, denen beide Seiten nach diesem Gespräch zustimmen konnten.

Dass die bauliche Situation des Heims problematisch ist, sei sowohl der Stadt Ahlen als auch dem Kreis Warendorf seit Jahren bekannt, hieß es. Vertreter der Stadt und des Kreises blieben dem Tierheim am Freitag allerdings fern, obwohl Hillers Facebook-Kampagne auch dort schon vernommen wurde. Ob Gisbert Hillers großen Ankündigungen nun auch Taten folgen, bleibt abzuwarten.

Geschrieben von Ann-Christin Frank für die Ahlener Zeitung

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