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Mühle platzte aus allen Nähten

Geschrieben von Ralf Steinhorst

Waren es früher Geheimtipps, so haben sich die plattdeutschen Wibbelt-Lesungen in der Alten Mühle inzwischen zu einem Angebot entwickelt, das auch viele Interessierte aus dem Umland anlockt. Am Mittwoch war in der Alten Mühle kein Platz mehr frei.

Hildegard Latzel und Christoph Kaldewei (3.u.4.v.l.) gewinnen bei ihren Wibbelt-Lesungen immer mehr Zuhörer, so dass das Wibbeltzimmer der Alten Mühle am Mittwoch aus allen Nähten platzte. Foto: Ralf SteinhorstZwei Vorleser und ein bis zum allerletzten Platz besetztes Wibbeltzimmer in der Alten Mühle: Mit diesem unerwarteten Andrang sah sich am Mittwoch der Heimatverein Vorhelm konfrontiert. Doch kein Grund zu verzagen, denn etwas enger zusammengerückt und mit einigen zusätzlichen Sitzgelegenheiten aus dem Obergeschoss ausgestattet, ließ sich der Nachmittag umso gemütlicher gestalten.

Keine Frage: Die plattdeutschen Wibbelt-Lesungen von Hildegard Latzel und Christoph Kaldewei bekommen immer mehr Anhänger. „So viele Zuhörer hatten wir noch nie“, verschlug es Christoph Kaldewei beim Blick in die Runde fast die Sprache. Immer im Frühjahr und Herbst liest Kaldewei zusammen mit Latzel plattdeutsche Geschichten vor – in der Regel aus der Feder von Heimatdichter Augustin Wibbelt.

Im Frühjahr fand das Angebot gerade mal zehn Zuhörer, vorwiegend aus Vorhelm, die an einem Tisch mit Plätzchen, Kuchen und Kaffee Platz fanden. Dieses Mal trugen sich sage und schreibe 42 Zuhörer in das Gästebuch ein. Somit standen die Stuhlreihen in Zweier- und Dreierreihen um den Kaffeetisch. Der Blick in das Wibbeltzimmer offenbarte zugleich, dass sich die Wibbelt-Lesungen inzwischen auch bis nach Ahlen und in umliegende Orte herumgesprochen haben.

Dieses Mal zitierten die beiden Vorleser Auszüge aus dem ersten Buch des zweibändigen Romanwerks „In der Stadt“, das im Jahr 1906 veröffentlicht wurde.

Der Roman spielt in Münster, wo sich der Landbauer Schulte Witte mit seiner Frau niedergelassen hat. Schulte Wittes Frau wünscht sich ein Leben in der Stadt, wovon sie sich mehr Bildung und Kultur verspricht als auf dem Land.


So viele Zuhörer hatten wir noch nie.

Christoph Kaldewei


 

Auch fühlt sie sich mehr der hochdeutschen Sprache verbunden: Das auf dem Land gesprochene Plattdeutsch liegt ihr nicht. Beide geben also ihren Hof auf, den ihr Sohn Werner dann mit seiner Frau Tilda übernimmt.

Augustin Wibbelt wollte mit seinem Buch den äußeren Schein des städtischen Lebens darstellen, das konträr zum eher nüchternen Denken auf dem Land stehe. Somit stellt das neue Leben die Schulte Wittes in Münster vor eine große Herausforderung.

az logoAhlener Zeitung, Bericht: Ralf Steinhorst

 
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