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Ein Denkmal für Wulfbert

Geschrieben von Christian Wolff

Um für seinen kranken Sohn Amulger zu beten, hat sich ein Mann namens Wulfbert im Jahr 864 auf den weiten Fußweg nach Essen-Werden gemacht. Als er wiederkehrte, war das Kind geheilt. Pastor Hermann Honermann hat sich mit der Geschichte befasst.

Beim Fest „800 Jahre und mehr“ am 1. Mai 2004 schlüpften Hubert Papenfort und Gaby Eilert in historische Kostüme und spielten die weitgehend unbekannte Geschichte des ältesten belegbaren Vorhelmers Wulfbert und seines kranken Kinds Amulger nach. Pastor Hermann Honermann hatte das Stück konzipiert. Foto: Christian WolffDarüber, dass Bischof Liudger einst in Ahlen einen blinden geheilt haben soll, ist schon viel geschrieben worden. Eher unbekannt blieb hingegen die Geschichte eines frühen Vorhelmers namens Wulfbert, der im Jahr 864 gemeinsam mit seinem kranken Sohn Amulger an Liudgers Grab nach Essen-Werden pilgerte, dort betete und die wundersame Heilung seines Kindes erlebte. Pastor Hermann Honermann hat sich in mühevoller Archivarbeit auf die Spuren dieser ältesten belegbaren Vorhelmer begeben.

„Es wäre doch schön, wenn man für diese Menschen einen dauerhaft sichtbaren Ort schaffen würde“, sagt der emeritierte Geistliche. Gemeinsam mit dem Heimatverein Vorhelm wurde die Idee eines Denkmals geboren, das – ähnlich wie Dolbergs Ritter Thuliberh – als Bronzeskulptur einen Platz in der Dorfmitte erhalten könnte. Zu umliegenden Künstlern seien bereits die „Fühler ausgestreckt“ worden.

„Über die für Vorhelm so wichtige Wulfbert-Erzählung ist in der Vergangenheit kaum geforscht worden“, so Honermann. Im Heimatbuch, das 1954 herausgegeben wurde, wird sie auf Seite 10 nur kurz erwähnt. Der Geschichtsforscher ist daher den Fragen nachgegangen, wie zuverlässig die vorhandenen Quellen sind und ob mehr dahintersteckt als nur „fromme Legenden“.

Pastor Hermann Honermann kann sich gut vorstellen, mit einer kleinen Gedenkstätte an Wulfbert sowie dessen Frau und Kind zu erinnern. Foto: Christian Wolff

Zu Wulfberts Zeiten war Vorhelm bereits eine kleine Ansiedlung mit wenigen Häusern aus Holz oder Fachwerk. „Die Bewohner hatten ihre Gärten, lebten von Ackerbau und Viehzucht“, so Honermann. „Die meisten von ihnen waren Eigenhörige, zu Abgaben und Diensten verpflichtet. Nur wenige zählten zu den Freien wie der Adel oder der Klerus.“

Die nächstgelegenen Kirchen befanden sich in Ahlen und Beckum. Dort wurde der Gottesdienst gefeiert, gepredigt, getauft und getraut. Die heilige Messe wurde in lateinischer Sprache zele­briert und machte auf die Teilnehmer wohl eher einen mystischen Eindruck, glaubt der Heimatforscher. Gepredigt wurde in der damaligen Volkssprache, dem alten Sächsisch. Vorhelm lag zudem nicht abseits der Wege, denn es gab schon damals die Handelswege „Friesenstraße“ von Münster kommend über Beckum und „Hellweg“ von Warendorf über Ahlen, so dass viele Kontakte möglich waren.


Es wäre doch schön, wenn man für diese Menschen einen dauerhaft sichtbaren Ort schaffen würde.

Pastor Hermann Honermann


Liudbert von Münster war zur Zeit Wulfberts Bischof. In seine Amtszeit fallen die Errichtung der Pfarrgemeinde St. Magnus in Everswinkel und die Gründung des Kanonissenstifts Freckenhorst im Jahr 856. Liudbert war der erste Bischof von Münster, der nicht mehr mit der Familie von Liudger verwandt war. Dadurch kam es zur Trennung zwischen dem Kloster in Werden und dem Bistum Münster. Um 863 hatte König Lothar bei Neuss die Normannen besiegt, die bis dahin das Land mit Raubzügen heimgesucht hatten. In dieser friedlichen Zeit wurde im Kloster Werden die dritte Vita (Heiligenerzählung) über Liudger geschrieben, worin sich auch die Wulfbert-Geschichte befindet.

„Die Niederschrift hat eine relativ hohe Glaubwürdigkeit, da die Darstellung erst kurz vorher passierte und damit noch von Augenzeugen erzählt wurde“, hat Honermann festgestellt. „In den Bereich der Legenden kann man sie mit Sicherheit nicht abschieben.“ Unbestritten sei die Wulfbert-Geschichte eine tendenziöse Schrift in dem Sinn, dass sie für den christlichen Glauben, mehr noch für das christliche Leben wirbt. „Aber dafür mussten die Mönche keine Geschichten erfinden.“ Hinter den Erzählungen stünden Menschen und Orte, die wirklich existiert haben.

Am Donnerstag, 16. November, möchte Pastor Honermann das Wulfbert-Projekt bei der Herbstversammlung der Interessengemeinschaft Vorhelmer Vereine und Verbände (IG VVV) öffentlich vorstellen.

az logoAhlener Zeitung, Bericht: Christian Wolff

 
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